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1:0 gegen Leipzig : Bayerns Ribéry setzt den Punch

Hiergeblieben, mon ami: Renato Sanches (re.) greift sich Franck Ribéry, Thomas Müller (vorn) hat auch seine Freude. Bild: EPA

Lange ist das Duell der Bayern mit Leipzig eine zähe Angelegenheit. Doch der späte Treffer des Franzosen bringt die Münchner bis auf sechs Punkte an den BVB heran.

          Die Gelegenheit war günstig nach der Dortmunder Niederlage in Düsseldorf, und mit einer späten Willensleistung hat der FC Bayern die Vorlage am Mittwoch genutzt und Boden gutgemacht auf den zuvor weit enteilten Tabellenführer.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Mit einem 1:0-Sieg gegen RB Leipzig konnte der Meister in einem über weite Strecken enttäuschenden, erst am Ende packenden Spiel den Rückstand auf den BVB auf sechs Punkte verkürzen. Den Siegtreffer erzielte Franck Ribéry in der 83. Minute. In der Nachspielzeit erhielt der Leipziger Stefan Ilsanker Rot für ein rüdes Foul an Thiago und der Münchner Renato Sanches Gelb-Rot, weil er Ilsanker danach umgestoßen hatte.

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          Nach dem 4:0-Sieg in Hannover, dem sechsten Spiel nacheinander ohne Niederlage, hatte Bayern-Trainer Niko Kovac seinem Team einen deutlichen Aufwärtstrend bescheinigt: „Wenn wir so performen, ist es schwer, uns aufzuhalten.“ Doch am Mittwoch war es nicht der Tabellenletzte, mit dem seine unveränderte Elf es zu tun bekam, sondern der Tabellennachbar, der den Bayern von Beginn an eine gute Organisation und viel Ballsicherheit und Schnelligkeit entgegenstellte und sie lange neutralisierte.

          Nach einer Anfangsphase, in der die beiden Teams sich belauert hatten, war die erste Torchance in der 24. Minute gleich eine, die im Normalfall zur Bayern-Führung führen musste. Serge Gnabry spielte mit dem Außenrist einen präzisen Steilpass in den Lauf von Robert Lewandowski, der völlig frei frontal auf das Leipziger Tor zulaufen konnte und sich für die linke Ecke entschied. Der starke Torwart Peter Gulacsi brachte noch die Fingerspitzen an den Ball und lenkte ihn an den Innenpfosten, von wo die Kugel knapp vor der Linie mit starker Rotation quer zum anderen Pfosten lief, ehe sie ins Toraus drehte. Es war die letzte nennenswerte Aktion von Gnabry, der sich im Kampf um den Ball nach der folgenden Ecke am Oberschenkel verletzte und gegen Ribéry ausgewechselt werden musste.

          Zehn Minuten später vermochten auch die spielerisch starken, aber noch nicht durchschlagskräftigen Leipziger erstmals Gefahr im gegnerischen Strafraum herbeiführen. Timo Werner setzte sich am rechten Flügel gegen zwei Abwehrspieler durch, doch seine flache Hereingabe wurde vor dem Adressaten Yussuf Poulsen durch Niklas Süle ins Toraus gelenkt. Bei der daraus resultierenden Ecke, von Kevin Kampl vors Tor gebracht, konnte sich der bullige Verteidiger Dayot Upamecano im Luftkampf durchsetzen und köpfte den Ball krachend an die Torlatte. Manuel Neuer bekam nicht mal die Hände hoch, hatte aber wie zuvor Gulacsi das Torwartglück auf seiner Seite.

          45 Minuten, keine Tore, nur zwei Torchancen – die Bilanz einer dürftigen ersten Halbzeit, in der der Respekt beider Teams zu groß war, um die auf dem Platz versammelte Offensivkunst von Torjägern wie Lewandowski und Werner zur Geltung zu bringen. Typisch für die Ladehemmung war die Zögerlichkeit, mit der Kingsley Coman kurz vor der Pause die einzige Konterchance der Bayern verdarb – statt den Ball gleich auf die durchstartenden Müller und Lewandowski weiterzuleiten, suchte er selbst das Dribbling, konnte dann nicht mehr abgeben, weil die Kollegen nun im Abseits waren, und verlor den Ball.

          Nach der Pause kamen die Bayern gegen die früh attackierenden Leipziger minutenlang nicht kontrolliert aus der eigenen Hälfte heraus, hatten dann aber in der 56. Minute eine Gelegenheit zur Schnellattacke, die Coman mit einem etwas zu scharfen Zuspiel auf Lewandowski vergab. Der kurz danach für Coman eingewechselte Sanches zog bei erster Gelegenheit wuchtig aus zwanzig Metern ab, zielte aber ebenso ungenau wie zuvor Werner auf der Gegenseite.

          Mon dieu: Ribéry ist auch mit fast 36 Jahren noch ein versierter Torschütze.

          Erst in der Schlussphase konnten die Bayern Druck machen. David Alaba, der auf der linken Abwehrseite nach einer Meldung der Madrider Sportzeitung „Marca“ bald Konkurrenz bekommen könnte (dem Blatt zufolge wollen die Bayern im Winter den französischen Weltmeister Lucas Hernandez von Atlético Madrid für die festgelegte Ablöse von 80 Millionen Euro verpflichten), brachte den Ball scharf vors Tor, doch Thomas Müller verpasste (72.). Als Gulacsi nach einem Freistoß nicht richtig zupackte, schoss Niklas Süle über das Tor (77.).

          Eine Minute später vereitelte der Leipziger Torwart mit einer Glanzparade bei einem Kopfball von Joshua Kimmich die sicher scheinende Führung der Bayern. Doch dann war er machtlos, als Upamecanos Abwehrversuch gegen Sanches bei Ribéry landete. Nach einem Haken schoss der französische Veteran flach ein. Im April wird Ribéry 36, aber noch wissen sie, was sie an ihm haben.

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