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1:0 gegen Frankfurt : Bremen schenkt Schaaf einen ein

Niederlage in der alten Heimat: Thomas Schaaf muss mit der Eintracht leiden Bild: dpa

Das Weserstadion kannte Thomas Schaaf aus seiner Spieler- und Trainerkarriere bislang nur als Heimstätte: Bei seinem ersten Auftritt als Gegner verliert er mit Eintracht Frankfurt. Davie Selke trifft eher unfreiwillig.

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          Der Rückkehrer der Woche brachte die Malaise auf den Punkt. „Uns fehlt einfach die Wucht in der Offensive“, sagte Marco Russ. „Eben das, was uns zuvor ausgezeichnet hatte.“ Wieder auswärts verloren, wieder kein Tor erzielt: Der Abwärtstrend der Eintracht hält an. Nach dem 0:1 bei Werder Bremen sind die Frankfurter Fußballprofis wieder einen Platz im Bundesliga-Klassement abgerutscht. Das Team von Thomas Schaaf ist drei Runden vor Ultimo nun Zwölfter. „Natürlich ärgern wir uns“, sagte der Eintracht-Trainer nach seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. „Wir haben uns eine Reihe von Chancen herausgespielt, aber es hat nicht gereicht. Wir konnten die entscheidenden Punkte nicht setzen.“

          Zehn Auswärtsspiele in Folge schon wartet die Eintracht auf einen Sieg in der Fremde. Der letzte datiert vom 22. November 2014. Damals glückte der Coup im Borussia-Park, als Mönchengladbach 3:1 bezwungen wurde. Auch im Weserstadion vermochte Schaafs Mannschaft den letzten Kick zum Turnaround nicht zu bekommen. Dabei hätte sie ebenso wie Werder ein Tor erzielen können.

          Kittel verdreht sich das Knie

          Schon nach drei Minuten bot sich Sonny Kittel nach Vorarbeit von Haris Seferovic die erste gute Möglichkeit. Doch der offensive Mittelfeldmann hatte ebenso Pech wie vier Minuten später, als Werder-Torwart Koen Casteels mit dem Fuß parierte. Es war das letzte Mal, dass Kittel gefährlich im Bremer Strafraum auftauchte. In der 20. Minute musste er verletzungsbedingt passen. Kittel hatte sich das linke Knie verdreht. Eintracht-Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger kündigte an, „dass wir weitere Untersuchungen machen müssen“. Takashi Inui kam, und auch er prüfte Casteels (36.).

          Dies tat nach dem Seitenwechsel zudem der sich immer wieder in die Offensive einschaltende Russ. Der Frankfurter Innenverteidiger war letztmalig am 7. März bei der 2:4-Niederlage in Köln für die Eintracht am Ball und musste anschließend am Knie operiert werden. Eigentlich wäre Russ schon froh gewesen, „wenn es vielleicht noch für ein, zwei Spiele in dieser Saison reicht“. Doch schon bei der viertletzten Prüfung in Bremen stellte Schaaf ihn in die Startelf.

          Kein Treffer: Sonny Kittel (l.) scheitert an Bremens Torhüter Casteels Bilderstrecke
          Kein Treffer: Sonny Kittel (l.) scheitert an Bremens Torhüter Casteels :

          Dort lieferte Russ als Abwehrchef den Umständen entsprechend ein ordentliches Spiel ab und zeigte sich vor allem „froh, dass mein Knie gehalten hat“. Gleichwohl beklagte er „viele Fouls und viele Ballverluste in der ersten Halbzeit, und nach dem Seitenwechsel haben wir geradezu um den Rückstand gebettelt“. Gesagt, bekommen. Nach einem Freistoß des Bremer Standardspezialisten Zlatko Junuzovic kam Davie Selke nach einer Kopfballverlängerung von Assani Lukimya höchst glücklich mit dem Ball in Berührung.

          Von der Brust des in der kommenden Saison in der zweiten Liga in Leipzig kickenden Selke gelangte das Spielgerät am machtlosen Kevin Trapp vorbei ins Frankfurter Tor (66.). Trapp war es in der Folgezeit, der weitere Bremer Treffer verhinderte und Glück hatte, dass nach einem Schuss von Selke an die Latte Franco Di Santo es nicht schaffte, aus zwei Metern das leere Tor zu treffen (74.). Auch Russ schaffte es nicht. Doch dies lag vielmehr daran, dass er den Ball statt mit dem Kopf mit der Schulter weiterleitete (79.). „Das war kein gutes Spiel von uns“, sagte Bastian Oczipka. „Es ging ständig hin und her. Nach der Pause waren wir in den ersten fünfzehn Minuten der zweiten Halbzeit ganz schwach. Irgendwie war alles sehr unglücklich.“

          Unglücklich, aber aktuell nicht zu ändern ist die Personalmisere der Eintracht vor allem in der Offensive. Russ hat Recht mit seiner Einschätzung, „dass wir Alexander Meier und Stefan Aigner nicht ersetzen können“. Beide zusammen haben 28 der insgesamt 51 Frankfurter Tore erzielt. Von Meier werden bis zum Saisonfinale keine weiteren mehr dazu kommen, was trotzdem womöglich zum Gewinn der Torjägerkanone reichen kann, weil auch die Verfolger aus München - Arjen Robben (17) und Robert Lewandowski (16) - verletzungsbedingt kaum bis gar nicht spielen können. Bei Aigner muss abgewartet werden, was die medizinischen Untersuchungen rund um seine Beckenprobleme zu Tage bringen. Der offensive rechte Außenmann leidet an einer Nervenentzündung im Oberschenkel. „Aigner ist ein wichtiger Baustein von uns“, sagte Russ. „Er hat einen Riecher.“ Haris Seferovic und Nelson Valdez, so die Erkenntnisse ihres Auftritts in Bremen, haben ihn derzeit nicht.

          Beide Angreifer sind zwar emsig und verdienen sich durch Einsatz und Fleiß ordentliche Noten. Doch in ihrer Kerndisziplin, dem erfolgreichen Torabschluss, gibt es keine Erfolgsmomente. Schaaf ist derweil sicher, dass seine Mannschaft von dieser neuerlichen Niederlage nicht noch weiter zurückgeworfen wird. „Dieses Ärgern wird uns weiterhelfen“, versicherte er in den Katakomben des Bremer Weserstadions. Jene Spielstätte, die für ihn zu Werder-Zeiten zum Wohnzimmer geworden ist. „Das ist schon etwas Außergewöhnliches: Der Gästetrainer kommt ins Stadion rein - und es wird gejubelt“, sagte der Eintracht-Trainer über seine emotionale Rückkehr. Rund um die Eintracht soll auch wieder gejubelt werden. Vielleicht am nächsten Samstag zu Hause gegen Hoffenheim. Vielleicht danach in Berlin. Vielleicht aber auch gar nicht mehr.

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