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1:0 gegen Düsseldorf : Mainz mit Glück und Standard

Mainzer Urschrei: Nikolce Noveski (rechts) trifft, Junior Diaz jubelt mit Bild: dpa

Mainz fügt Düsseldorf die erste Niederlage der Saison zu. Dazu brauchten sie einen Standard kurz vor Schluss. Erst fliegt Fortunas Fink vom Platz, dann trifft Noveski kurz vor Schluss zum Sieg.

          3 Min.

          So wirklich einig waren sie sich bei Mainz 05 am Ende nicht über das Zustandekommen des Siegtreffers beim 1:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf. Soeben hatte Andreas Ivanschitz ehrlich eingestanden, dass die Kombination aus seinem scharf in den Fünf-Meter-Raum geschlagenen Eckstoß und dem erfolgreichem Kopfballabschluss von Nikolce Noveski in der 85. Minute „nicht einstudiert“ war.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenige Sekunden später behauptete der Torschütze nur einen Meter weiter, dass „wir das im Training immer wieder so üben“. Bei soviel Widersprüchlichem zog sich Trainer Thomas Tuchel auf Nachfrage mit einem Grinsen und der eindeutig ironischen Aussage „ganz klar eingeübt“ aus der Affäre.

          Norbert Meier kann´s nicht mit ansehen: In Mainz kassiert Düsseldorf die erste Niederlage
          Norbert Meier kann´s nicht mit ansehen: In Mainz kassiert Düsseldorf die erste Niederlage : Bild: dpa

          Licht ins Dunkel brachten da schon eher die Fortuna-Spieler, die das Zustandekommen des Tors des Tages recht analytisch aufarbeiteten. Dani Schahin berichtete, dass er für Noveski eingeteilt war, aber eben leider zum Zeitpunkt des Eckballs schon ausgewechselt war.

          Der Stürmer musste in der 80. Minute für den Defensivmann Juanan vom Feld, weil sich Oliver Fink zwei Minuten zuvor eine unnötige Gelb-Rote Karte eingehandelt und somit sein Team ins numerische Hintertreffen gebracht hatte. „Dadurch waren wir eh einer weniger, dann haben die Mainzer eine kurze Ecke angetäuscht und somit zwei weitere aus dem Zentrum gezogen“, sagte sein Kapitän Jens Langeneke. „Dann wird es eben eng und man kassiert ein Standardtor.“

          Den Mainzern war es nach dem hart erkämpften Arbeitssieg ziemlich egal, wie sie zu ihrem siegbringenden Vorteil kamen. Neun Punkte haben die nur schleppend in die Spielzeit gestarteten Rheinhessen nun in den vergangenen vier Partien eingespielt. Mit zehn Punkten auf dem Konto ist der Anschluss an die obere Tabellenhälfte hergestellt. „Innerhalb von 14 Tagen hat sich nun alles gedreht“, sagte Manager Christian Heidel. „Jetzt können wir von einem sehr guten Saisonstart sprechen.“

          Mainzer Leistungssteigerung

          Im Duell mit den zuvor in sechs Partien ungeschlagenen Aufsteigern aus Düsseldorf hatten die Gastgeber vor 32.000 Zuschauern freilich lange Zeit sehr große Mühe. Die in dieser Spielzeit bislang vornehmlich auf tiefstehende Defensive spezialisierte Fortuna überraschte die Nullfünfer offenkundig mit ihrem mutigen Auftreten. Sie kamen freilich nur zu einer zwingenden Chance durch Dani Schahin, der das Tor von Christian Wetklo mit seinem Schuss knapp verfehlte (20. Minute).

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          Die Mainzer, die schon in der ersten Halbzeit aufgrund von Verletzungen von Innenverteidiger Niko Bungert und Mittelfeldspieler Eugen Polanski zu zwei Auswechslungen gezwungen waren, fanden erst nach dem Wiederanpfiff besser ins Spiel. In der 58. Minute hätte Nicolai Müller sein Team für die Leistungssteigerung belohnen können. Der Außenstürmer vergab aber nach einer Kopfballablage von Adam Szalai vom Elfmeterpunkt aus kläglich gegen den starken Düsseldorfer Torwart Fabian Giefer. Auch in der Folge blieben die Mainzer tonangebend, da sie nach der Umstellung von der anfänglichen 4-1-4-1-Grundformation auf ein 4-4-2-System defensiv deutlich geordneter agierten.

          „Dennoch hätte das Spiel natürlich auch völlig verdient unentschieden ausgehen können“, sagte Trainer Tuchel. „Aber so fühlt es sich für uns sehr, sehr gut an. Wir hatten schließlich in der vergangenen Saison viele Spiele, in denen so ein Spiel verloren ging.“ Oft hat seine Mannschaft dabei übrigens nach einem Standard das entscheidende Tor hinnehmen müssen. Damals war es anschließend auch unbedeutend, ob jene Treffer Folge fleißigen Übens des Gegners oder eben Resultat des Prinzips Zufall waren.

          Viel Kampf, viel Krampf: Junior Diaz (l.) und Julian Baumgartlinger (r.) bearbeiten Düsseldorfs Robbie Kruse
          Viel Kampf, viel Krampf: Junior Diaz (l.) und Julian Baumgartlinger (r.) bearbeiten Düsseldorfs Robbie Kruse : Bild: AFP

          Torwart Christian Wetklo hatte seine Karriere ebenso wie Woronin in der zweiten Mannschaft von Mainz 05 (Oberliga Südwest) begonnen. Die Düsseldorfer überzeugten mit guter Raumaufteilung und Pressing, bei den Mainzern hielten sich Risikobereitschaft, Tempospiel und Überraschungsmomente in der ersten Halbzeit in Grenzen.

          Die Kopfballchancen von Nicolai Müller (7.) und Niko Bungert (37.) waren noch die besten Szenen. Besser machte es das Team von Meier. Fink (17.), Dani Schahin (20.) und Ken Ilsö (5., 24.) hatten gute Chancen zur Führung und profitierten von Fehlleistungen des Gegners.

          Lange Zeit besser: Ken Ilsö (r.) geht vorbei am Mainzer Noveski
          Lange Zeit besser: Ken Ilsö (r.) geht vorbei am Mainzer Noveski : Bild: dpa

          Tuchel, der es zunächst mit einem 4-3-3-System probiert hatte, löste diese Formation nach der Pause auf, als Bungert (40. Jan Kirchhoff) und Eugen Polanski (46. Yunus Malli) verletzungsbedingt nicht mehr dabei waren. Der erhoffte neue Mainzer Schwung - mit Malli als linkem Flügelstürmer und Ivanschitz als Regisseur, erwies sich aber als nicht so stürmisch wie erhofft.

          Highlights waren nur die Torchancen von Müller (58.) und Ivanschitz (81.). Hatte der Düsseldorfer Torwart Fabian Giefer mit seiner Parade bei dem Schuss von Müller seine Mannschaft noch aussichtsreich im Spiel gehalten, war er in der 85. Minute beim Kopfballtor des Mainzer Kapitäns Nikolce Noveski ohne Abwehrchance. Es war die späte Belohnung für eine geduldige Mainzer Leistung.

          FSV Mainz 05 - Fortuna Düsseldorf 1:0 (0:0)

          FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Bungert (40. Kirchhoff), Noveski, Júnior Díaz - Baumgartlinger, Soto - Polanski (46. Malli), Ivanschitz, Nicolai Müller (72. Caligiuri) - Szalai
          Fortuna Düsseldorf: Giefer - Levels, Malezas, Langeneke, van den Bergh - Fink, Bodzek - Kruse, Ilsø (72. Woronin), Bellinghausen (64. Cha ) - Schahin (80. Juanan)
          Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
          Zuschauer: 31.577
          Tor: 1:0 Noveski (85.)
          Gelbe Karten: Baumgartlinger (2), Júnior Díaz (1), Kirchhoff (3), Noveski (2) / Kruse (2), Schahin (4)
          Gelb-Rote Karten: - / Fink (78./wiederholtes Foulspiel)

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