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1:0 gegen die Bayern : Augsburg beendet die Münchner Serie

Der Torschütze des Jahres: Sascha Mölders Bild: AP

Die Bayern treten in Schonbesetzung an und kassieren nach 53 Spielen ihre erste Niederlage in der Bundesliga. Es ist ausgerechnet der kleine FC Augsburg, dem das Kunststück gelingt.

          3 Min.

          Nicht nur „How I Met Your Mother“ ist Vergangenheit – auch die Serie der Bayern. Nach 53 Spielen haben die in Schonbesetzung angetretenen Münchner im Derby beim FC Augsburg am Samstag ihre erste Niederlage in der Bundesliga seit Oktober 2012 eingesteckt. 31.000 Zuschauer feierten frenetisch den 1:0-Sieg, den bisher größten Tag der Augsburger Bundesligageschichte. Den Siegtreffer erzielte Sascha Mölders in der 31. Minute.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Man hat gesehen, dass nicht die erste Elf gespielt hat. Wir haben das Spiel gegen Augsburg ernst genommen, aber für uns war das Wichtigste heute, dass sich niemand verletzt hat – das ist das A und O. Es geht um Mittwoch, um das Spiel gegen Manchester. Alles andere ist egal“, sagte Bayern-Torwart Manuel Neuer. Sein Kollege Toni Kroos betonte, dass die Münchner keine Partie „abschenken“ würden. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen.“

          „Die Bundesliga ist für uns vorbei“

          Noch vor einem Monat wäre es das Top-Spiel der Liga gewesen: das Duell der beiden besten Teams der vorangegangenen vier Monate. Doch die Augsburger, die von November bis Anfang März von zwölf Spielen nur eins verloren hatten, hatten in den folgenden vier Partien nur einen Punkt geholt. Die Bayern wiederum sind seit vorletzter Woche nicht mehr einzuholen und nehmen die Liga locker. „Die Bundesliga ist für uns vorbei“, sagte Trainer Pep Guardiola.

          So konsequent wie noch nie schonte Guardiola seinen Kader für Größeres. Mit Dante, Boateng, Alaba und Rafinha saß die komplette Champions-League-Abwehr auf der Bank, neben Müller und Götze. Die Weltstars Ribéry, Robben und Lahm blieben gleich zu Hause. Zu ihrem Bundesliga-Debüt für die Bayern kamen so die Jungprofis Ylli Salahi und Mitchell Weiser. Für Pierre-Emile Hojbjerg war es der erste Einsatz in der Startelf.

          Dieser Tag geht in die Augsburger Fußball-Geschichte ein - auch wenn die Bayern nicht ganz bei der Sache waren Bilderstrecke

          Den Augsburgern fehlten ihre beiden gefährlichsten Spieler André Hahn (gesperrt) und Tobias Werner (Bruch der Augenhöhle), die zusammen 19 der 40 FCA-Tore bis Samstag erzielt hatten. Dennoch war nur das Heimteam vor der Pause torgefährlich. Nach 26 Minuten kam Halil Altintop der Führung schon sehr nahe. Nach einer Attacke über den schnellen Alexander Esswein am rechten Flügel brachte der Deutsch-Türke dessen flache Hereingabe aus wenigen Metern aber nicht an Neuer vorbei.

          Den Münchnern fehlte Rhythmus und Konzentration

          Neuer war neben Toni Kroos und Mario Mandzukic der einzige Münchner, der auch gegen Manchester in der Startelf stehen dürfte. An seiner Stelle war eigentlich Ersatztorwart Tom Starke für den Einsatz vorgesehen, doch Starke hatte sich im Abschlusstraining am Freitag einen Bänderriss im Ellbogen zugezogen. Rhythmus und Konzentration, das waren die Tagesziele, die die Bayern sich selber gesetzt hatten – beides wies mehr auf Manchester als auf Augsburg. „Wir müssen heute das Spiel von der gesamten Belastungsgestaltung so steuern, dass wir im Rhythmus bleiben“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Kroos fand es „wichtig, dass man von der Konzentration her nicht runterfällt. Denn dann brauchst du wieder, um hochzufahren.“

          Beides, Rhythmus und Konzentration, fehlte, als Weiser den Ball gegen Daniel Baier verlor. Der FCA-Spielmacher schickte Mölders steil, und der Stürmer schloss präzise hoch ins kurze Eck zum 1:0 ab. Die Reaktion der Bayern? Fortgesetzte Harmlosigkeit. Schweinsteiger schaufelte einen Freistoß weit drüber, Höjbjerg schoss aus 16 Metern genau auf Torwart Hitz. Guardiola dirigierte ein wenig herum, doch seine Gestik strahlte nicht die gewohnte Energie aus - schließlich war sein Team eine Versuchsanordnung ohne große Wiederholungsaussicht.

          Der Augsburger Riegel hielt

          Noch nie in seiner bisherigen Zeit beim FC Bayern war das Team über die beiden Außenseiten so oft entblößt wie mit den beiden Aushilfs-Verteidigern Weiser und Sallahi. Doch Guardiola schien zunächst noch eher bereit, dieses Risiko einzugehen als das einer Verletzung seiner beiden Stamm-Außenverteidiger Alaba und Rafinha, für die er im Falle ihres Ausfalls für das Manchester-Spiel keine Alternative hat. Alaba-Ersatz Contento ist verletzt, Rafinhas Vertretung könnte nur Lahm sein, der aber wird wegen der Sperre Schweinsteigers und der Verletzung Thiagos im Mittelfeld benötigt.

          Nach der Pause kam Götze für Shaqiri, die Bayern wurden bissiger. Mandzukic köpfte knapp daneben, Martinez drüber. Augsburg konterte, Neuer brauchte eine Glanzparade gegen Esswein, auf der Gegenseite fingerte Hitz Götze den Ball vom Fuß. Guardiola brachte dann doch Alaba, und prompt kam der Österreicher dem Ausgleich so nahe wie kein Kollege zuvor. Sein Flachschuss aus zwanzig Metern prallte in der 68. Minute an den Pfosten. Danach spielte Alaba den eingewechselten Müller im Fünfmeterraum frei, doch Hitz nahm dem Bayern-Stürmer den Ball vom Fuß. Guardiola beorderte in der Schlussphase noch den langen Verteidiger van Buyten als dritten Mittelstürmer nach vorn, doch der Augsburger Riegel hielt – und knackte die Münchner Serie.

          FC Augsburg - Bayern München 1:0 (1:0)

          FC Augsburg: Hitz - Verhaegh, Callsen-Bracker, Hong (76. Reinhardt), Ostrzolek - Baier - Esswein, Kohr, Altintop, Holzhauser (54. Philp) - Mölders (83. Bobadilla)
          Bayern München: Neuer - Weiser, van Buyten, Javi Martínez, Sallahi (51. Alaba) - Kroos, Schweinsteiger - Shaqiri (46. Götze), Pizarro (63. Müller), Højbjerg - Mandzukic
          Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
          Zuschauer: 30 660 (ausverkauft)
          Tor: 1:0 Mölders (31.)
          Gelbe Karten: Callsen-Bracker (6), Hong (1), Ostrzolek (7) / Weiser (1), van Buyten (3)

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