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1:0 gegen Braunschweig : Doppeltes Hand-Spiel: Wolfsburg profitiert von Fehlentscheidung

  • -Aktualisiert am

Freie Bahn nach falscher Entscheidung: Gomez erzielt das einzige Tor. Bild: dpa

Gomez nutzt einen fragwürdigen Handelfmeter, nachdem er selbst den Arm am Ball hatte, und macht damit den Sieg im Relegations-Hinspiel für Wolfsburg gegen Braunschweig perfekt.

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          Selbst beim Torjubel bleibt Mario Gomez eine imposante Person. Keiner bringt diesen Hünen zu Fall. Die Kollegen konnten ihn selbst im halben Dutzend nicht ins Wanken bringen. Was immer der VfL Wolfsburg auf der Zielgeraden dieser verrückten Saison anstellt – er findet Halt an seinem großen Hoffnungsträger. Gomez soll dafür sorgen, dass der Abstieg aus der Ersten Fußball-Bundesliga noch vermieden werden kann. Und ein Treffer des Torjägers im ersten von zwei Relegationsspielen gegen Eintracht Braunschweig nährt die Hoffnung, dass Wolfsburg den Absturz abwenden kann.

          Der Nationalspieler machte in einer hart umkämpften und ausgeglichenen Partie den Unterschied aus. Aber: Dass vor seinem Tor per Elfmeter (35. Minute) zum 1:0-Erfolg ein Handspiel von ihm nicht geahndet worden war, setzte der besonderen Brisanz in dem Kräftemessen zwischen zwei niedersächsischen Rivalen ein weiteres Krönchen auf.

          Die niedersächsische Relegation war von unschönen Szenen schon vor dem Anpfiff begleitet. Ein Teil der Braunschweiger Fans hatte auf dem Weg zum Stadion unbedingt wissen wollen, ob die Wasserwerfer der Polizei funktionsfähig sind. Flaschen flogen, der Anreiseverkehr wurde stark behindert – warum hätte es an diesem Abend mit dem ersten Duell der beiden Lokalrivalen auch anders laufen sollen?

          Die angespannte Stimmung war auch während der Partie deutlich zu spüren. „Arbeit, Fußball, Leidenschaft“ stand auf einem großen Transparent in der von VfL-Fans dominierten Nordkurve. Sie machten Stimmung zugunsten einer Wolfsburger Mannschaft, die sie in dieser Saison so oft enttäuscht hatte und endlich einmal zeigen sollte, warum sie vor einem Zweitligaklub keine Angst haben müsste. Dem einstudierten Wolfsburger Fangesang von „Niedersachsens Nummer eins“ standen 3000 Stadiongäste in blau-gelben Trikots gegenüber.

          Mit der Hand vorgelegt, mit dem Fuß verwandelt: Gomez punktgenau. Bilderstrecke

          Die Anhänger der Eintracht erlebten eine Begegnung, in der wie erwartet der vermeintliche große Unterschied kaum wahrzunehmen war. Während Wolfsburg mehr Ballbesitz hatte, konterte Braunschweig gefährlich. Es wird das Geheimnis von Mirko Boland bleiben, warum er in der 22. Spielminute nach einer schönen Flanke von Christoffer Nyman völlig unbedrängt den Ball neben das gegnerische Tor köpfte.

          Mit Minigolf auf die Relegation vorbereitet

          Die Wolfsburger Mannschaft hatte sich vor dem für sie ungeliebten Nachsitzen in der Relegation in ein Trainingslager an der deutsch-niederländischen Grenze zurückgezogen. Viel Ruhe, gezieltes Training, gute Gespräche und ein wenig Minigolf – so wollte VfL-Cheftrainer Andries Jonker dafür sorgen, dass sich seine Mannschaft stabilisiert. Der Plan ging bis auf wenige Ausnahmen auf. Und unter dem Strich blieb Braunschweig in der Offensive zu harmlos, um dem Rivalen mit dem deutlichen höheren Etat ein Bein stellen zu können.

          Über die Szene des Abends, die sich in der 34. Minute mit einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung angebahnt hatte, wird bis zum Rückspiel am Montag (20.30 Uhr) noch viel diskutiert werden. Dass der Unparteiische Sascha Stegemann nach einem Handspiel des Braunschweigers Gustav Valsvik einen Elfmeter gegeben hatte, war völlig in Ordnung. Er hatte kurz zuvor aber übersehen, dass VfL-Torjäger Gomez den Ball auch mit der Hand berührt hatte.

          Diese Fehleinschätzung verstärkte vor 29.100 Zuschauern den Eindruck, wie undankbar Relegationsspiele sind. Die Wolfsburger hatten am Ende Glück, ihren Vorsprung über die Zeit retten zu können. Sie bleiben bei ihrer Einschätzung, dass sie eben der Erstligaverein, deshalb individuell deutlicher stärker und insgesamt das bessere Team sind. Ob das wirklich stimmt, muss im Rückspiel in einem Braunschweiger Stadion bewiesen werden, in dem Begeisterung und Leidenschaft seit Jahrzehnten einen Stammplatz haben.

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