https://www.faz.net/-gtm-81uah

Bayerns 1:0 in Dortmund : Die Meisterleistung des Pep Guardiola

Die Bank jubelt, Trainer Guardiola bleibt die Ruhe selbst Bild: dpa

Der Bayern-Trainer setzt beim Sieg in Dortmund völlig ungewohnt auf Defensive und beweist, dass er für die „Wochen der Wahrheit“ einen Plan B hat. Nicht die einzige frohe Münchner Botschaft an Ostern – bei denen Guardiola einen Spieler ganz besonders lobt.

          3 Min.

          Thomas Müller hat immer mal wieder einen kessen Spruch parat. Im Trainingslager vor Beginn der Rückrunde sagte der Weltmeister sinngemäß, dass es oftmals schwieriger für die Offensivstars der Bayern sei, ein Spiel im Training gegen die eigene Abwehr zu gewinnen als eines in der Bundesliga. Das kam bei so manchem Konkurrenten hochnäsig und damit gar nicht gut an. Ein Beweis der These war schwierig. Nun aber lassen sich Argumente für Müllers Ansicht finden. Im Bundesliga-Klassiker bekam es Dortmund mit der kompletten Münchner Abwehrmannschaft zu tun – und verlor 0:1.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der Blick auf den Aufstellungsbogen am frühen Samstagabend überraschte – aber nur auf den ersten Blick. Trainer Pep Guardiola hatte nur zwei Offensivkräfte in die Startelf beordert: Müller und Robert Lewandowski. Manuel Neuer im Tor, Dante, Jerome Boateng und Medhi Benatia in der Dreierkette, Juan Bernat und Rafinha als Außenbahnspieler sowie das Mittelfeld-Dreieck Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Xabi Alonso hatten vornehmlich defensive Aufgaben zu erfüllen. Neun von elf rückwärtsgewandte Spieler – das gab es bei den Bayern unter Guardiola noch nie.

          Folge des offensiven Personalnotstands

          Doch der katalanische Coach machte sich ob des Zehn-Punkte-Vorsprung auf Wolfsburg auf Platz zwei in der Bundesliga beim schwächelnden Rivalen in Dortmund nicht etwa einen sportlichen Spaß daraus, Müllers These aus dem Winter unbedingt belegen zu wollen. Die Aufstellung war die Folge aus dem offensiven Personalnotstand, der die Bayern zum Start in die heiße Phase der Saison plagt: Arjen Robben, Franck Ribéry und David Alaba, allesamt flinke Spieler mit Blick nach vorne, fehlten aufgrund von Verletzungen. Auf Mario Götze verzichtete Guardiola zunächst freiwillig.

          Dass zwei Angreifer reichen, bewiesen Müller und Lewandowski. Beim Tor in der 36. Minute setzte sich der Pole gegen den alten Kameraden Mats Hummels durch und passte auf Müller. Der scheiterte noch an BVB-Torwart Roman Weidenfeller, doch der durchgestartete Lewandowski staubte mit einem Kopfball ins leere Tor ab. Den Jubel verkniff er sich ob der „vier schönen Jahre“ beim BVB, dem er „immer noch mit Respekt“ begegne. Das Tor entsprang der zweiten Münchner Chance im Spiel, zuvor hatte Müller vergeben. Weitere folgten nicht, aber das reichte zu weiteren drei Punkten.

          Lange haben die Bayern nicht mehr so sehr einen Sieg bejubelt Bilderstrecke

          Zwei Wochen Bundesliga-Pause durch die Länderspiele hatte Guardiola, der stundenlang im stillen Kämmerlein an der Taktik tüftelt, bestens genutzt, um Dortmund vor unlösbare Probleme zu stellen. Mit 50,2 Prozent Ballbesitz hatte der BVB nicht gerechnet – und wusste dementsprechend damit wenig anzufangen. Nur Marco Reus, der einmal knapp daneben zielte (61.) und einmal mit einem Freistoß am glänzend parierenden Neuer scheiterte (88.), kam dem Tor nahe. Bei seinem 50. Sieg im 61. Bundesliga-Spiel bewies Guardiola, was für ein Taktikfuchs er ist. So freuten sich die Bayern 2.0 über ein 1:0, das nur in Gefahr geraten wäre, wenn Schiedsrichter Knut Kircher Elfmeter gegeben hätte, als Boateng erst Reus und Alonso dann Aubameyang im Strafraum auf den Fuß traten.

          Weitere Themen

          Deutscher Doppelsieg beim Ironman Video-Seite öffnen

          Hawaii : Deutscher Doppelsieg beim Ironman

          Jan Frodeno und Anne Haug durften sich über den Erfolg bei einer der schwersten Sportveranstaltungen der Welt freuen.

          Die Forderung des Joachim Löw

          DFB-Team in Estland : Die Forderung des Joachim Löw

          Die Personallage beim DFB-Team entspannt sich. Der Bundestrainer verrät vor dem Duell mit Estland sogar schon Details zur Startelf. Zudem erklären Joachim Löw und Kapitän Manuel Neuer, was sie vom Team erwarten.

          Topmeldungen

          Polizisten sichern den Bereich am jüdischen Friedhof in Halle am 9. Oktober 2019.

          Innenausschuss nach Halle : Selbst die Opposition lobt die Einsatzkräfte

          Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht gelingt es mit einer minutiösen Rekonstruktion die Polizei in Schutz zu nehmen – sogar die Opposition lobt die Einsatzkräfte. Kritisiert wird das Bundeskriminalamt.
          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Krieg in Syrien : VW stellt Werk in der Türkei in Frage

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.