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1:0 bei Hertha : Glanzlose Münchner Dominanz

Ein Tor muss auch mal reichen: Robben (l.) hat getroffen Bild: Reuters

Bayern München nimmt auch die Hürde in der Hauptstadt mit Leichtigkeit. Auch wenn alles spielte, was Rang und Namen hatte, reicht es aber nur zu einem 1:0 bei Hertha BSC Berlin.

          3 Min.

          Die Hauptstadt ist für die Bayern in diesem Jahr ein lohnendes Ziel. Im Mai gewannen sie in Berlin das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund und zwei Monate zuvor hatten die Münchner ihren Titelgewinn schon im März im Olympiastadion perfekt gemacht. Soweit konnte es am 13. Spieltag der aktuellen Saison für die Bayern noch nicht sein. Aber immerhin vergrößerte der Titelverteidiger mit einem glanzlosen 1:0-Sieg seinen Vorsprung vor dem Verfolgerduell an diesem Sonntag zwischen Wolfsburg und Mönchengladbach zwischenzeitlich schon mal auf zehn Punkte. Den Münchner Treffer in Berlin erzielten Arjen Robben (27. Minute).

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Trotz des knappen Sieges konnte man kaum behaupten, dass die Bayern in größere Schwierigkeiten geraten waren. Aber in kleine – und das ist ja schon was in der Bundesliga. In der zweiten Halbzeit deutete die Hertha Gefahr vor dem Münchner Tor zumindest ab und zu an, aber eine echte Prüfung sah das Spiel für Torwart Manuel Neuer dennoch nicht vor, wie so oft in dieser Saison. Der Münchner Pflichterfolg machte auch tabellarisch deutlich, wie sehr die Bayern die Bundesliga auch in diesem Jahr beherrschen. Vor einem Jahr lagen die Münchner zu diesem Zeitpunkt gerade mal mit vier Punkten Vorsprung an der Spitze.

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          Der einzige Vergleich, mit dem sich in dieser Saison noch ein bisschen künstliche Spannung erzeugen lässt, scheint ohnehin nur noch der Vergleich der Bayern mit sich selbst. Diesmal hängen die Münchner nach dem ziemlich uninspirierten Auftritt gegen die Hertha zwar noch zwei Punkte ihrer Ausbeute von 2013 hinterher, aber offensiv und defensiv ist das Team von Trainer Pep Guardiola jetzt schon besser als in der letzten Meistersaison. Vor allem defensiv ist den Münchnern in der Bundesliga bei nun 32:3 Toren (Vorjahr 30:7) kaum beizukommen.

          Wie unangreifbar die Münchner von der ersten Minute an auch in Berlin ihre nationale Arbeit nach dem 2:3 am Mittwoch in der Champions League bei Manchester City verrichteten, bekamen die Zuschauer nach einer halben Stunde sogar angezeigt, nachdem Robben mit einem seiner ganz typischen Treffer, mit links in die entfernte linke Ecke, die hochverdiente Führung erzielt hatte: 74 Prozent Ballbesitz für die Bayern, 8:0-Torschüsse hieß es auf der Videotafel.

          Über den Gewinner des Tages an diesem frostigen Nachmittag in der Hauptstadt herrschte da eigentlich kaum ein Zweifel mehr, auch wenn der Vorsprung nach Toren knapp war. Aber in allen anderen Belangen waren die Münchner ihrem Gegner zunächst weit überlegen, auch wenn die Bayern weit entfernt von ihrer Leistungsgrenze spielten. Mitunter herrschte bei den Ballkombinationen der Bayern sogar kompletter Stillstand auf dem Platz. Die Bayern spielten sich den Ball im Stand zu und taten nicht mehr als unbedingt nötig. Und die Hertha wartete ab, was auf sie zukam. Dabei hatte sich Hertha-Trainer Jos Luhukay einen mutigen Auftritt seiner Mannschaft gewünscht, aber der Respekt der Berliner war vor der Pause von der ersten Minute an, als Lewandowski schon eine große Chance zur Führung besaß, viel zu groß.

          In der zweiten Halbzeit war der Wille der Berliner, mutiger zu spielen, sofort zu erkennen. Gefährlich wurde ihr Spiel trotz stärkerer Bemühungen in Richtung Offensive aber trotzdem kaum. In der 48. Minute gab es dann so etwas wie den ersten Torschuss der Hertha. Schieber schoss zwar weit am Tor von Manuel Neuer vorbei, aber so musste Hertha wenigstens nicht das statistische Schicksal von Werder Bremen teilen, die zuletzt überhaupt keinen Schuss auf das Münchner Tor zustande gebracht hatten. Nach einer Stunde allerdings war die Chance zum Ausgleich dann tatsächlich da. Die Berliner konterten die Münchner geschickt und überfallartig über die linke Seite aus, doch das Zuspiel von Änis Ben-Hatira zu den mitgelaufenen Kollegen konnten die Münchner im letzten Moment durch Xabi Alonso doch noch im eigenen Strafraum abfangen.

          Zehn Minuten später war es dann Ronny, der Manuel Neuer mit einem harten Freistoß prüfte, den der Torwart erst im Nachfassen unter Kontrolle bekam – und fünf Minuten vor Schluss Anthony Brooks, der einen Ball aus gute Position über das Tor jagte. Die Hertha, so scheint es, dürfte als Tabellendreizehnter bis zur Winterpause nun schwierigen Zeiten entgegen gehen mit Spielen unter anderem gegen Mönchengladbach, Hoffenheim und Dortmund. Die knappe Niederlage gegen die Bayern ist angesichts der eindeutigen Verhältnisse in der Bundesliga immerhin dazu geeignet, dem Hauptstadtklub ein bisschen Mut zu machen im Kampf gegen den Abstieg.

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