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0:4 in Düsseldorf : Schwarzer Frankfurter Freitag

Wenn es nicht läuft: Die Eintracht verliert deutlich in Düsseldorf Bild: dpa

Der Abwärtstrend der ersatzgeschwächten Eintracht hält an. Reisinger, Fink, Rafael und Bellinghausen treffen zum Düsseldorfer 4:0-Sieg. Der Fortuna hilft der frühe Platzverweis für den Frankfurter Matmour.

          Nun ist es passiert. Im zehnten Aufeinandertreffen mit der Düsseldorfer Fortuna hat es für die Frankfurter Eintracht erstmals eine Niederlage gegeben. Zum Auftakt des 15. Spieltags in der Fußball-Bundesliga hieß es aus Sicht der Hessen 0:4 - so hoch wie noch nie zuvor in dieser Saison.

          Für die Mannschaft von Trainer Armin Veh war es in jeder Hinsicht ein schwarzer Freitag. Der Tiefschlag bei der Fortuna war nach dem 1:3 am Dienstag gegen Nachbar FSV Mainz 05 schon die zweite Niederlage in Folge. Das hatte es bislang in dieser so erfolgreich angelaufenen Spielzeit noch nicht gegeben.

          Einen Negativrekord stellte auch Karim Matmour auf. Die vorderste Sturmspitze schaffte es, innerhalb von nur sieben Minuten zweimal verwarnt - und damit folgerichtig des Feldes verwiesen zu werden. Nach einer guten halben Stunde (34.) war der völlig missratene Arbeitstag für den unbeherrschten Algerier beendet.

          Schon vor einer Woche, beim Remis bei Schalke 04, sah Matmour Gelb-Rot. In Düsseldorf holte er sich die erste Gelbe Karte wegen einer Attacke gegen Adam Bozek (27.), die zweite - und damit Gelb-Rot - wegen eines völlig unsinnigen Foulspiels im Niemandsland des Mittelfeldes, wo der 27 Jahre alte Afrikaner Stefan Reisinger zu Fall brachte.

          Die Fortuna hingegen beendet eine erfolgreiche Woche mit sieben Punkten Bilderstrecke

          Es war zugleich die Schlüsselszene des Aufsteigerduells. Denn nur vier Minuten, nachdem Matmour die Eintracht im Stich ließ, schlug die Fortuna erstmals zu. Torschütze war der zuvor gefoulte Reisinger. Doch damit nicht genug. Kurze Zeit später narrte Oliver Fink mit einer einfachen Drehung Eintracht-Gegenspieler Sebastian Rode, nahm mit links Maß - und vollendete von der Strafraumgrenze aus zum 2:0 (42.).

          Bei beiden Szenen war der erst 17 Jahre alte Marc-Oliver Kempf indirekt beteiligt. Der Innenverteidiger stand wie erwartet in der Startelf und bemühte sich, mit Nebenmann Vadim Demidov die Fortuna auf Distanz zu halten. Ein Plan, der spätestens von dem Moment an zum Scheitern verurteilt war, als Matmour in die Kabine geschickt wurde und sich die Eintracht zu zehnt gegen elf Fortunen behaupten musste.

          65 Randalierer werden in der Innenstadt festgenommen

          Auf das Duell der beiden Bundesliga-Aufsteiger mussten alle Beteiligten am kalten Freitagabend länger als geplant warten. Wegen großer Verkehrsprobleme rund um die Düsseldorfer Arena entschied sich Schiedsrichter Michael Weiner dazu, die Partie erst zehn Minuten später anzupfeifen, um möglichst vielen Zuschauern den Livegenuss zu ermöglichen.

          Nach Polizeiangaben hätten sich etwa 130 sogenannte „Problemfans“ geweigert, wie vorgesehen mit Shuttlebussen zum Stadion gebracht zu werden; stattdessen hätten sie auf einer Fahrt mit der U-Bahn bestanden. Dadurch kam es zu Verzögerungen im öffentlichen Personennahverkehr. Außerdem seien 65 Randalierer bei Auseinandersetzungen beider Lager in der Innenstadt festgenommen worden.

          Stimmung kommt auf, als die Fans sich zu Wort melden

          Was sportlich nach dem Anpfiff folgte, war schon vor ein paar Tagen zu hören und zu sehen. Die Fans beider Vereine setzten ihren stillen Protest gegen die geplanten Sicherheitsmaßnahmen der Deutschen Fußball Liga fort, die am 12. Dezember verabschiedet werden sollen und schwiegen abermals genau zwölf Minuten und zwölf Sekunden. „12:12 – Schweigen für die Fankultur.“ Die Atmosphäre in der Arena wirkte gespenstisch.

          Passend dazu passierte auch auf dem Rasen in der Anfangsphase nicht allzu viel. Hier ein Schüsschen von Sebastian Jung (9.), dort eine Parade von Eintracht-Torhüter Kevin Trapp nach dem Schuss von Bodzek (19.): Stimmung kam erst auf, als die Fans sich zu Wort meldeten, im Frankfurter Fanblock einige Unbelehrbare Feuerwerkskörper entzündeten – und sich Matmour seine Aussetzer leistete.

          Rafael trifft zum 3:0, Bellinghausen erhöht auf 4:0

          Zehn Frankfurter gegen elf Düsseldorfer: Aus Eintracht-Sicht konnte das eigentlich nicht mehr zu einem guten Ende führen. Nach dem Seitenwechsel bemühten sich die dezimierten Hessen, die Stefano Celozzi für Martin Lanig und später Dorge Kouemaha für Takashi Inui in die Partie brachten, zwar nach Kräften. Doch viel mehr als ein Kopfball von Stefan Aigner, der knapp das Tor verfehlte (54.), kam nicht zustande.

          Im Gegenteil: Die Fortuna nutzte eine Unachtsamkeit von Celozzi in der Frankfurter Abwehr, um sogar noch auf 3:0 zu erhöhen. Diesmal war es Nando Rafael, der für die Rheinländer traf (58.). Später folgte das sogar 4:0 durch Axel Bellinghausen (85.). Tabellarisch hat der empfindliche Tiefschlag vom Rhein keine Folgen. Die Eintracht wird mit ihren bislang 24 gewonnenen Punkten Platz fünf auch über das Wochenende hinaus behaupten. Die letzten Eindrücke hinterließen freilich nicht den besten Eindruck.

          Fortuna Düsseldorf - Eintracht Frankfurt 4:0 (2:0)

          Fortuna Düsseldorf: Giefer - Balogun (74. Cha ), Bodzek, Juanan, van den Bergh - Fink, Lambertz - Reisinger (83. Garbuschewski), Ilsø, Bellinghausen - Rafael (71. Schahin)
          Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Demidov, Kempf, Oczipka - Lanig (46. Celozzi), Rode (83. Köhler) - Aigner, Meier, Inui (72. Kouemaha) - Matmour
          Schiedsrichter: Weiner (Ottenstein)
          Zuschauer: 51.345
          Tore: 1:0 Reisinger (38.), 2:0 Fink (42.), 3:0 Rafael (58.), 4:0 Bellinghausen (85.)
          Gelbe Karten: Balogun (1), Fink (1) / Celozzi (1), Meier (3)
          Gelb-Rote Karten: - / Matmour (34./wiederholtes Foulspiel)

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