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0:3 in Mönchengladbach : Kölner Klassenunterschied

  • -Aktualisiert am

Köln muss sich an die eigene Nase fassen: Lukas Podolski und Kollegen verloren in Mönchengladbach Bild: AFP

Kontraste im Rheinland: Nach dem 3:0-Sieg denkt Gladbach an die Champions League. Köln hofft mit Interimstrainer Schaefer indes auf den Klassenverbleib über die Relegation. Die Leistung macht allerdings wenig Mut.

          Einen Tag nach dem Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund stand auf dem Spielplan der Fußball wieder ein Nachbarschaftstreffen, das naturgemäß zum Nachbarschaftsstreit wird. Auch in der rheinischen Variante ging es um viel mehr als um Punkte und Prestige – nämlich um das Überleben in der Fußball-Bundesliga für den 1. FC Köln.

          Anders als zwischen Dortmund und Schalke bahnt sich zwischen den rheinischen Rivalen allerdings ein Klassenunterschied an. Auch unter ihrem neuen Interimstrainer Frank Schaefer vermochten sie den Abwärtstrend nicht zu wenden.

          Nach dem 0:3 im Borussia Park müssen die Kölner als Tabellen-Sechzehnter mehr denn je um den Bundesliga-Verbleib bangen. In ihrer aktuellen Verfassung dürften sie auch in den verbleibenden drei Spielen gegen den VfB Stuttgart, den SC Freiburg und Bayern München Schwierigkeiten bekommen.

          Gladbacher Torschütze: Marco Reus und die Borussia auf dem Weg Richtung Champions League

          Gladbach verkürzte dank des Sieges den Abstand zum Liga-Dritten Schalke auf einen Punkt. Vor knapp 53.000 Zuschauern erzielten Juan Arango (19. Minute), Tony Jantschke (53.) und Marco Reus (55.) mit ihren Toren einen Vorsprung heraus, der schon nach einer Stunde keine Zweifel am 44. Derbysieg der Borussen mehr zuließ.

          Vor dem Anpfiff hatten Fans des 1. FC Köln mit dem Feuer gespielt. Dunst und Gestank begleiteten den Beginn der Partie. Beim FC hatte zuletzt auch vieles zum Himmel gestunken. So sehr, dass Stürmer Milivoje Novakovic und Mittelfeldspieler Slawomir Peszko vorübergehend aus dem Aufgebot gestrichen waren; der eine wegen anhaltender Formschwäche, der andere wegen Alkoholeskapaden.

          Schlecht gebrüllt, Schaefer: Für den Interimstrainer bleibt viel Arbeit

          Doch der neue Trainer nahm sie in Gnaden wieder auf und traute ihnen sogar zu, von Beginn an beim angestrebten Wiederaufbau zu helfen. Schaefer beorderte beide in die Startelf. Auch Christian Eichner erhielt eine neue Bewährungschance. Irgendwas muss ein Trainer ja ändern, wenn er in einem Chaosklub innerhalb von drei Tagen etwas bewirken will.

          Das neue Personal konnte aber nicht verhindern, dass es begann wie es meistens beginnt für die Kölner - mit einem Gegentreffer. Juan Arango überwand den starken FC-Torhüter Michael Rensing mittels Freistoß. Wenigstens verhinderte Rensing, dass die Gladbacher der Rückstand zur Pause höher ausfiel.

          Das 1:0 - Juan Arango zirkelt einen Freistoß genau ins Kölner Tor

          Mike Hanke hatte ihn schon in der 3. Minuten zum ersten Mal auf die Probe gestellt. Später lenkte Rensing einen Schuss von Marco Reus mit den Fingerspitzen noch über die Latte und parierte ein weiteres Mal famos, als Hanke im Strafraum frei vor ihm auftauchte.

          Die Kölner machten auch unter ihrem neuen Trainer nicht den Eindruck, als könnten sie im Abstiegskampf noch allzu viel ausrichten. Sie bemühten sich zwar, dieses Mal nicht auseinanderzufallen, ihre Angriffsversuche aber strahlten im ersten Durchgang wenig Gefahr aus. Mönchengladbach war allerdings auch ein schwieriger Ort für ein solches Unterfangen.

          Was war das denn? Der eingwechselte Tony Jantschke (links) erhöht mit einem Kopfballtor

          Nicht nur weil die Borussia sich vorgenommen hatte, nach der Niederlage des FC Schalke dem dritten Platz wieder näher zu rücken, der auf direktem Wege in die Champions League führt. Seit Oktober 2008 hatten die Gladbach nicht mehr geschlagen; zuletzt hatten sie sogar drei Derbys nacheinander gegen den ungeliebten Nachbarn verloren - bei insgesamt 1:12 Toren.

          Nach dem Seitenwechsel fassten die Kölner ganz kurz für kurze Zeit Mut und entfachten in den ersten zwei Minuten mehr Gefahr als in der gesamten ersten Hälfte. Christian Clemens zwang Torhüter ter Stegen, sein ganzes Können aufzubieten; nach der folgenden Ecke bestätigte Novakovic allerdings seine Abschluss-Schwäche, die zu den Ursachen der Kölner Krise gehört.

          Das 3:0 - Marco Reus dribbelt sich durch die Kölner Abwehr und trifft zum Endstand

          Nach diesem Strohfeuer ließen die Kölner sich auskontern. Jantschke und Reus bauten den Vorsprung der Heimelf mit einem Doppelschlag binnen zwei Minuten aus. Und schon herrschten wieder klare Verhältnisse zu Ungunsten des Abstiegskandidaten, der mit dem Ergebnis noch gut bedient war.

          Schon nach knapp einer Stunde rollten die Gladbacher Fans in der Nordkurve ein Transparent mit der Aufschrift „Derbysieger“ aus und sangen: „Gegen Gladbach kann man mal verlieren.“ Nicht nur gegen Gladbach.

          Bilderstrecke

          Bor. Mönchengladbach - 1. FC Köln 3:0 (1:0)

          Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Stranzl, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter (44. Jantschke) - Herrmann (65. Ring), Arango - Reus, Hanke (77. de Camargo)
          1. FC Köln: Rensing - Brecko, Geromel, Sereno (68. McKenna), Eichner - Clemens (77. Jajalo), Lanig, Riether, Peszko (58. Roshi) - Novakovic, Podolski
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 52.990
          Tore: 1:0 Arango (19.), 2:0 Jantschke (53.), 3:0 Reus (55.)
          Gelbe Karten: Dante (7) / Geromel (4), Podolski (3)

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