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0:3 gegen Hertha BSC : HSV: Harmlos, schlecht, verloren

  • -Aktualisiert am

Fassungslos: HSV-Torwart René Adler vor jubelnden Hertha-Spielern Bild: SvenSimon

Die Durchhalteparolen alter Schule haben nichts geholfen. Der HSV verliert abermals, diesmal 0:3 gegen Hertha. Trotzdem schwört Manager Kreuzer Trainer van Marwijk noch die Treue. Vor dem Stadion attackieren Fans die Spieler.

          Wie lange darf Bert van Marwijk noch als Trainer des Hamburger SV arbeiten? Nach der desaströsen 0:3-Niederlage des HSV am Samstagabend gegen Hertha BSC Berlin wird es immer enger für den Chefcoach. Seine Bilanz von nur drei Siegen in 14 Spielen und der Sturz auf Rang 17 der Bundesliga-Tabelle lässt dem HSV-Vorstand vermutlich nicht mehr viel Spielraum, mit dem 61 Jahre alten Niederländer lange weiterzumachen. Eine Trennung noch vor dem Pokalspiel gegen Bayern München am Mittwoch scheint aber ausgeschlossen. Nach der Partie gegen Hertha kam es vor dem Parkplatz zu Auseinandersetzungen. Frustrierte Fans attackierten dabei auch Spieler. Es kam zu Schubsereien. Zwei Fans wurden von der Polizei vorläufig festgenommen.

          „Ich lasse keine Trainerdiskussion aufkommen. Wir müssen besser Fußballspielen“, sagte indes Kreuzer dem TV-Sender Sky. Auch beim
          Pokalspiel gegen den FC Bayern München am Mittwoch werde Bert van
          Marwijk die Mannschaft betreuen. Durch die erneute Niederlage rangieren die Hamburger weiter auf dem vorletzten Tabellenplatz.

          Für van Marwijk kommt ein Rücktritt nicht infrage. „Ich bleibe Trainer. Natürlich wird über mich gesprochen. Das verstehe ich auch“, sagte der Niederländer. „Ich resigniere nicht, ich gebe nicht auf. Ich stehe vor der Gruppe.“ Van Marwijk kritisierte aber auch seine Mannschaft. „Das hat auch etwas mit Qualität zu tun, physisch, aber auch im Kopf.“

          Negativrekord des Dinos

          Die Pleite gegen den Aufsteiger aus der Hauptstadt war die achte Heimniederlage in dieser Saison und die sechste Niederlage in Serie - das ist Negativrekord in der Bundesligageschichte des einzigen stets erstklassigen Gründungsmitglieds; Die Niederlage gegen Hertha stand nun schon nach 40 Minuten fest und lässt den HSV am 20. Spieltag endgültig zum Abstiegskandidaten werden. Bert van Marwijk hatte sich in der Woche noch kämpferisch gezeigt und versucht, den baldigen Umschwung herbei zu reden. Aber offenbar ist aus dieser Mannschaft nicht mehr herauszuholen. „Wir waren vor allem nach dem ersten Tor total verunsichert“, sagte Kapitän Heiko Westermann. „Der Trainer hat uns viel mit auf den Weg gegeben. Wir haben es in keiner Weise umgesetzt.“

          Es ist fraglich, ob ein anderer Coach (nach Fink und Marwijk dann der dritte der Saison) einen Rettungsplan hätte, wie diese verunsicherte Truppe in der Bundesliga zu halten ist. Von Vorteil scheint lediglich, dass die Saison noch nicht in der Endphase ist und genug Spiele bleiben, um die ebenfalls wacklige Konkurrenz einzuholen. Doch nach sechs Niederlagen nacheinander fällt es schwer, daran zu glauben.

          Slomka ein Kandidat?

          Am Montag hatte der Hamburger Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow betont, dass die HSV-Führungsriege nicht „den Gesetzen des Marktes“ folgen wolle. Man vertraue Trainer Bert van Marwijk voll und ganz und wolle eben nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, immer nur den Trainer „opfern“, wenn es nicht liefe. Jarchow hatte damit allen Spekulationen eine Absage erteilt, die auf Marwijks baldiges Ende abzielten.

          Abgang des nächsten Trainers? Bert van Marwijk sah schon vor dem Spiel desillusioniert aus

          Aber höchstwahrscheinlich wird der Vereins-Boss auch nicht für möglich gehalten haben, dass weitere Tiefpunkte auf der nach unten offenen Hamburger Heimspielskala möglich seien. Da van Marwijk seinen Assistenten Roel Courmans selbst mitgebracht hat und dem zweiten Ko-Trainer Roger Stilz der notwendige Fußball-Lehrer-Schein fehlt, ist eine Neubesetzung aus den eigenen Reihen schwierig. So soll der gerade erst in Hannover entlassene Mirko Slomka ein Kandidat sein, um den Hamburger Patienten vielleicht doch noch zu kurieren. Dass am Mittwoch ein Pokalspiel gegen die Bayern ansteht, wirkt nur noch wie eine Fußnote der Geschichte, bedenkt man, dass der HSV dann am Samstag zum Kellerduell nach Braunschweig reist.

          Adler wehrt Elfmeter ab

          Es hatte im Spiel gegen die Hertha eigentlich aus Hamburger Sicht alles gut begonnen. Nach Heiko Westermanns Foul an Hajime Hosogai pfiff Schiedsrichter Deniz Aytekin Elfmeter. Adrián Ramos trat an und hatte in René Adler einen Torwart gegenüberstehen, der den Strafstoß in großer Manier abwehrte. Nach wochenlanger Verletzungspause bewies Adler, welch wichtiger Rückhalt er für den HSV sein kann. Es war dann schon fast typisch für diese Spielzeit voller Pannen und Pleiten, dass die Hamburger die breite Brust des abgewehrten Elfmeters nicht nutzten, sondern direkt nach dem anschließenden Eckball in Rückstand gerieten: Berlins Sami Allagui kam aus dem Nichts und drückte den Ball aus ein paar Metern über die Linie. Da ließen viele Hamburger Profis schon die Köpfe hängen.

          Symbolisch war dann auch die erste Angriffsaktion des HSV – durchaus gut stehend kam Stürmer Jacques Zoua an den Ball. Doch heraus kam weniger als ein Schüsschen. Nur acht Minuten nach dem Berliner Führungstreffer versetzte die Hertha dem HSV den nächsten Stich. In der 23. Minute köpfte Ramos den Ball nach Cigercis Freistoßflanke vor Djourou ins Hamburger Tor. René Adler schüttelte nur noch den Kopf. Das Unheil setzte sich fort, als die Berliner bei einem feinen Konter das ganze Elend der fehlenden Hamburger Abwehrbereitschaft offenlegten: Zoua verlor den Ball, Ramos spielte Doppelpass mit van den Bergh, und im eins-gegen-eins ließ Ramos dann Adler keine Chance. Es war die 39. Minute, und es stand 3:0 für Hertha BSC Berlin. Natürlich entließen die Hamburger Fans ihre Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Halbzeit. Den zweiten Durchgang hätte man sich sparen können. „Dass das heute ganz  schlecht war, können wir nicht schön reden. Wir sind in einer Situation, da dürfen wir nicht auseinanderbrechen“, sagte HSV-Torwart René Adler, der ein bitteres Comeback nach seiner Verletzung erlebte. „Es klemmt überall. Ich kann nur betonen. Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen.“

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