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0:2 in Hamburg : Hoffenheim sendet nur noch Notsignale

  • -Aktualisiert am

Umjubelter Torschütze: Rudnevs trifft zweimal Bild: dpa

Das macht den Kurztrip nach Brasilien doch etwas erträglicher: Der HSV fliegt mit einem 2:0-Sieg gegen Hoffenheim im Gepäck zum umstrittenen Einladungsspiel nach Porto Alegre. Für den TSG-Trainerneuling Kramer geht das Debüt daneben.

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          Die Sorglosigkeit war verblüffend. Nach einem nun wirklich schwachen Spiel hatten einige Hoffenheimer Profis doch tatsächlich ein paar Details entdeckt, die sie hoffnungsfroh in die Zukunft blicken ließen. „Wir haben richtig viel investiert und viel besser gestanden als zuletzt“, sagte Andreas Beck, der ehemalige Nationalspieler. Kevin Volland meinte: „Wir haben nicht so viele Großchancen zugelassen, das war gut.“ Und Sebastian Rudy hob die zwei Torschüsse seines Teams in 90 Minuten hervor und befand: „Wenn man unten drin steht, hat man kein Glück.“

          Wenn das also, was die TSG Hoffenheim beim 0:2 in Hamburg am Freitagabend zeigte, doch offenbar schon viel besser war als die Leistungen der jüngeren Vergangenheit - dann muss man sich wirklich Sorgen machen um die Kraichgauer. Diesem Pfad der Erkenntnis folgte immerhin Kapitän Marvin Compper. Er schaute düster und hatte gar nichts Erfreuliches erkennen können bei der fünften Niederlage nacheinander: „Wir machen es dem Gegner zu leicht, wir wehren uns nicht gut genug. Wir rutschen richtig unten rein, wenn es so weitergeht. Wir müssen etwas ändern.“

          Hoffenheim wird auf dem 16. Rang überwintern, das war schon am vergangenen Spieltag nach dem 1:4 gegen Werder Bremen klar. Und daran wird auch der Ausgang der letzten Heimpartie 2012 gegen Borussia Dortmund am nächsten Sonntag nichts ändern.

          Keine Hoffnung

          Wer aber erwartet hatte, aus dem Kraichgau gäbe es nach dem Trainerwechsel von Markus Babbel zu Frank Kramer zarte Signale der Besserung, der sah sich getäuscht: Die TSG sendet nur noch Notsignale. Am lebendigsten scheint derzeit noch der Glaube, dass wenigstens zwei andere Vereine schwächer sind als diese krude Hoffenheimer Mischung; vielleicht Fürth und Augsburg.

          Misslungenes Debüt: TSG-Trainer Frank Kramer hat die Wende noch nicht geschafft
          Misslungenes Debüt: TSG-Trainer Frank Kramer hat die Wende noch nicht geschafft : Bild: REUTERS

          Der 40 Jahre alte Kramer hatte einiges versucht, stellte an diesem eisigen Freitag eine offensive Dreierreihe auf. Es wirkte mutig, Volland, Firmino und Derdiyok vorne zu positionieren. Doch es ging daneben, denn trotz intensiver Probe in der Trainingswoche wirkte das Ganze gar nicht abgestimmt. Entlarvend war, was Volland sagte: „Wir haben uns vorn einen Wolf gelaufen, aber gebracht hat es nichts.“

          Und hinten? Da sollte die schwächste Defensive der Liga (nun 38 Gegentore) durch drei Abfangjäger unterstützt werden: Williams, Rudy und Salihovic. Tatsächlich ließ Hoffenheim dem HSV wenige Möglichkeiten. Aber die schönste Staffelung bringt wenig, wenn in den entscheidenden Momenten geschlafen wird: Bei Artjoms Rudnevs Tor zum 1:0 in der 27. Minute griff Matthieu Delpierre nicht ein, und auch bei Rudnevs Treffer zum 2:0-Endstand in der 74. Minute fühlte sich keiner für den Letten zuständig.

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          Zwei Spiele auf Bewährung- das war das Programm für Kramer. Der gebürtige Memminger coachte engagiert; er würde natürlich gern von der Übergangs- zur Dauerlösung werden. Seine Arbeit mit der jungen Hoffenheimer U-23-Mannschaft spricht für sich; das sehr junge Team ist Dritter in der vierten Liga. Allerdings gibt es neben dem frischen Eindruck der schwachen Leistung vom Freitag einen zweiten Fleck auf Kramers Weste: Noch bis März lässt er sich in Hennef zum Fußball-Lehrer ausbilden.

          Für Andreas Müller, den ebenfalls noch recht neuen „Vorstand Sport“ der TSG, eher ein Argument gegen Kramer: Eine Doppelbelastung für einen Bundesliganovizen im Abstiegskampf? Das erscheint doch etwas viel Ballast für den 40 Jahre alten Kramer, früher im Hauptberuf Gymnasiallehrer für Sport. Es gehe nicht um ihn, versicherte Kramer am Freitag auf die Frage, wie es denn sei, so zwischen Baum und Borke zu stecken und nicht zu wissen, was das Hoffenheimer Trainerjahr 2013 für ihn verborgen halte. „Ich schaue nicht auf die Winterpause oder das nächste Jahr. Ich mache mir Gedanken über das Dortmund-Spiel“, sagte Kramer.

          Namen werden gehandelt

          Andreas Müller lief derweil mit düsterer Mine durch den Keller der Arena. Ihm war anzumerken, dass er den Ernst der Lage erkannt hat. Einen leichten Aufwärtstrend wollte er im Spiel erkannt haben, sprach aber auch von einer sehr schweren Rückrunde, die auf Hoffenheim warte. Wichtiger als der sportliche Ertrag des Tages ist für ihn die Trainersuche. Daran muss sich Müller messen lassen. Nach den Eindrücken vom Freitag wird Kramers Zeit als Chefcoach wohl nach der Dortmund-Partie enden. Fraglich, ob man ihm in Hoffenheim zutraut, eine Aufholjagd zu starten und sich von Rang 16 zu lösen.

          Der Manager hingegen sondiert den Markt, den ziemlich leergefegten Markt. Zu haben wäre derzeit Marco Kurz, der ehemalige Lauterer Coach. Zäh halten sich auch die Namen Bert van Marwijk und Christian Groß. Die beiden Letzteren wären namhafte Lösungen. Intern genießt der ehemalige Amateurcoach Markus Gisdol hohes Ansehen; er trainierte die zweite Hoffenheimer Mannschaft von 2009 bis 2011. Danach wechselte er mit Trainer Ralf Rangnick zum FC Schalke 04.

          Der Name Rangnick bleibt so irgendwie mit 1899 Hoffenheim verbunden in diesen düsteren Tagen im Dezember 2012. Auch wenn beispielsweise Andreas Beck gereizt reagierte, als er gefragt wurde, was denn nur aus dem umjubelten Herbstmeister der Saison 2008/2009 geworden sei: „Was interessiert uns vier Jahre danach, was unter Rangnick war. Das zählt nicht mehr. Seitdem sind so viele gekommen und gegangen.“ Mal sehen, wer als nächster kommt.

          Hamburger SV - 1899 Hoffenheim 2:0 (1:0)

          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam (80. Bruma) - Badelj - Skelbred (85. Sala), Aogo - Arslan - Son, Rudnevs (90. Berg)
          1899 Hoffenheim: Casteels - Beck, Delpierre, Compper, Johnson - Rudy, Salihovic - Roberto Firmino (86. Grifo), Volland (71. Schipplock), Williams (67. Schröck) - Derdiyok
          Schiedsrichter: Weiner (Ottenstein)
          Zuschauer: 48 121
          Tore: 1:0 Rudnevs (27.), 2:0 Rudnevs (74.)
          Gelbe Karten: Diekmeier (3) / Volland (2)

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