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0:2 in Düsseldorf : 1. FC Köln verliert hitziges Derby

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Viel Spaß für Rouwen Hennings: der Düsseldorfer Torschütze zum 1:0 stellt die Weichen auf Derby-Sieg Bild: dpa

Auch im rheinischen Derby geht der FC leer aus: Bei Fortuna Düsseldorf drängen die Kölner und fangen sich einen Konter ein. Für Trainer Beierlorzer wird die Lage kritisch – auch wenn er das nicht so sieht.

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          Erik Thommy lief und lief und lief. 30 Meter, 40, 50. Immer weiter auf Timo Horn im Kölner Tor zu. Im Strafraum angekommen, schlug er einen Haken, ließ seinen Gegenspieler ins Leere laufen und drosch den Ball unter die Latte. Was einen Jubelsturm auslöste, wie ihn die Arena im Düsseldorfer Norden lange nicht erlebt hatte. 2:0 für die Fortuna. Gegen den 1. FC Köln.

          Der erste Sieg über den ungeliebten Nachbarn seit der Saison 1983/84 schien zum Greifen nah. Und da kannten auch die Fans keine Zurückhaltung mehr. „Die Nummer eins am Rhein sind wir“ war aus zehntausenden Kehlen zu hören. Was mit Blick auf die Tabellenführung von Borussia Mönchengladbach natürlich arg vermessen war, aber das störte an diesem Festtag für den Düsseldorfer Fußball niemanden. Dieses 2:0, es war der dritte Saisonsieg für die Fortuna, die sich damit etwas Luft im Kampf um den Klassenverbleib verschaffte.

          Bundesliga

          Zuletzt waren sich die beiden Mannschaften vor mehr als zwei Jahrzehnten in der Bundesliga begegnet. Was einiges aussagt über die jüngeren Vereinsgeschichten der rheinischen Rivalen – vor allem die der Düsseldorfer, die danach bis in die vierte Liga abgestürzt waren und zwischenzeitlich sogar gegen die zweite Mannschaft der Kölner spielen mussten. So war das Derby für eine ganze Fangeneration eins, das lediglich im Geschichtsbuch existierte. Dort waren sie nachzulesen, die legendären Pokalduelle von 1978 und 1980, als sich FC und Fortuna jeweils im Finale gegenüberstanden. Es waren die großen Jahre beider Vereine: Köln wurde Meister und Pokalsieger, Düsseldorf Pokalsieger und Europapokalfinalist.

          Seitdem ist bei beiden viel schief gelaufen. Und auch aktuell sind sie sich ähnlicher, als es beide Seiten wahrhaben wollen. Beide betrachten sich wegen ihrer Historie und der Größe ihrer Stadt als schlafenden Riesen, der nur endlich mal vernünftig geweckt werden müsste. Doch bei beiden dürfte das noch etwas dauern. In dieser Saison will nicht nur sportlich wenig klappen, es rumort auch immer wieder im Umfeld.

          Bei der Fortuna, wenn herauskommt, dass Vorstandchef Thomas Röttgermann Nebentätigkeiten nachgeht, die nicht mit dem Aufsichtsrat abgesprochen sind, oder die türkischen Nationalspieler Kaan Ayhan und Kenan Karaman einen Militärgruß zeigen. Bei den Kölnern, wo seit dem Ende des Erfolgsduos aus Peter Stöger (Trainer)und Jörg Schmadtke (Manager) keine Kontinuität mehr zu erleben ist.

          Auch das aktuelle Gespann wird bald nicht mehr da sein. Bei Armin Veh ist das bereits beschlossene Sache, er wird den Klub im Sommer verlassen. Bei Trainer Achim Beierlorzer sieht es nicht erst seit dem Sonntag düster aus. Nach dem Pokalaus beim Viertligaklub Saarbrücken am Dienstag zuvor ist sein Arbeitsplatz alles andere als sicher. „Ich kenne die Mechanismen in der Bundesliga, aber ich mache mir aktuell keine Sorgen“, sagte Beierlorzer am Sonntagabend. Er fühle auch weiterhin die Rückendeckung durch Sportchef Armin Veh. „Natürlich spüre ich die. Ich habe niemals nicht das Vertrauen gespürt“, sagte der 51-Jährige: „Aber das ist mein Gefühl. Ich kann nur für mich sprechen.“

          Geholfen haben dürfte der Auftritt in Düsseldorf weniger. Da ließen die Kölner abermals Vieles vermissen. Gekämpft haben sie, das schon, aber spielerisch waren sie arg limitiert. „Wir haben die Schnauze voll“, war zwischendurch aus dem Gästeblock zu hören, der sich das ganze Spiel über ein Duell mit den Heimfans lieferte. Gesanglich, und vor allem optisch: Immer wieder brannte es in beiden Fanblöcken.

          Das Spiel selbst hatte deutlich weniger Feuer. Erst Mitte der ersten Hälfte wurde es hitziger, kurz vor der Pause traf Rouwen Hennings per Elfmeter zum 1:0 für die Fortuna. Nach dem Seitenwechsel wurden die Kölner etwas munterer, Simon Terodde scheiterte mit der größten FC-Chance an Fortuna-Torwart Zack Steffen. Im direkten Gegenzug rannte Erik Thommy los.

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