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0:2 in Dortmund : Die Bayern beklagen den „Super-Gau“

  • -Aktualisiert am

Nur Platz dreizehn: Holger Badstuber und die Bayern stecken im Erdgeschoss der Liga fest Bild: dapd

Nur fünf Tore und acht Punkte - macht Ligaplatz zwölf: Der FC Bayern bleibt außer Form. In Dortmund verlieren die Münchner nach Toren von Barrios und Sahin mit 0:2. Die Borussia hingegen bleibt als einziges Team Verfolger von Mainz 05.

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          Was hatte die Dortmunder Borussia zuletzt schon für Fußballfeste gefeiert. Sogar nach der unglücklichen Niederlage gegen den FC Sevilla jüngst in der Europa League wurden die BVB-Profis von ihren Anhängern mit tosendem Applaus verabschiedet. Drei Tage später rief Stadionsprecher Norbert Dickel den Dortmunder Fans unter den mehr als 80.000 Zuschauern zu: „Lasst uns die Bayern aus dem Stadions schreien!“

          Und es wurde wirklich laut im größten deutschen Fußballstadion. Dank einer furiosen Leistung in der zweiten Halbzeit bezwangen die Westfalen den FC Bayern München am Sonntagabend mit 2:0 und bescherten ihrem gefeierten Trainer Jürgen Klopp dessen ersten Sieg über den Rekordmeister. Die Tore für den BVB erzielten Lucas Barrios (52. Minute) und Nuri Sahin (60.).

          Während Dortmund nach dem sechsten Sieg in Serie Zweiter hinter Spitzenreiter Mainz 05 bleibt, ist der Titelverteidiger aus München auf Platz dreizehn abgerutscht und hat die Spitzengruppe der Bundesliga erst einmal aus den Augen verloren. „Es wird sehr schwer, aber wir müssen weiter den Glauben haben“, sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sagte: „Der Rückstand ist natürlich wahnsinnig hoch. Normalerweise ist das nicht mehr aufzuholen.“

          Schwarz-gelb bleibt die Modefarbe im Herbst 2010: Barrios und Co. besiegten auch die Bayern

          Braafheid und Gomez rotieren in die Startelf

          Mit der dürftigen Ausbeute von acht Punkten und nur fünf Toren in die siebte Bundesligarunde gegangen, stand der FC Bayern unter Zugzwang. Um den Anschluss an die führenden Mannschaften nicht vollends zu verpassen, hätten die Münchner dringend einen Sieg gebraucht. „Dortmund ist ein Meilenstein für uns“, sagte Christian Nerlinger, der Sportdirektor des FC Bayern. Das Spiel komme „zur rechten Zeit“ und biete den Bayern die Chance, die Wende einzuleiten.

          Zudem wollten die Münchener sich in Bundesliga wieder mehr Respekt verschaffen. Um die Erfolgsaussichten dieses Vorhabens zu steigern, sah Trainer van Gaal sich zu einigen Umstellungen veranlasst. So gab Edson Braafheid als linker Verteidiger sein Saisondebüt, Nationalstürmer Mario Gomez erhielt den Vorzug vor Miroslav Klose - und zum ersten Mal eine Chance in der Startelf, Bastian Schweinsteiger rückte ins offensive Mittelfeld vor und Danijel Pranjic versuchte sich neben van Bommel als Ordnungshüter vor der Abwehr.

          Personen und Positionen wurden gewechselt - aber das Hauptproblem der Bayern blieb. Sie hatten anfangs viel Ballbesitz, wussten aus ihrer scheinbaren Dominanz aber keinen Vorteil zu ziehen. Schweinsteiger interpretierte seine zentrale Rolle flexibel, wich öfter nach außen aus, vermochte das Spiel aber nicht so zu beflügeln wie die verletzt fehlenden Robben und Ribery an ihren guten Tagen.

          Dortmund deutet den Hang zur Offensive nur an

          Dennoch hätten die Münchner in der ersten Hälfte in Führung gehen können. Aber für Gomez waren aller guten Dinge nicht drei. In der Anfangsphase lenkte er einen Freistoß von Badstuber knapp neben das gegnerische Tor. Kurz vor der Pause kam er im Strafraum frei zum Schuss, scheiterte aber an Torhüter Roman Weidenfeller und schließlich verfehlte er mit einem Kopfball knapp das Ziel. Zwischendurch hatte Gomez, von Kapitän van Bommel vielversprechend in Szene gesetzt, den Ball leichtfertig verstolpert und so eine weitere Chance selbst zunichte gemacht.

          Auf der anderen Seite konnten die Dortmunder, für ihre Spielkunst zuletzt hoch gelobt, ihren Hang zur Offensive fürs Erste nur andeuten. Doch das sollte sich ändern. In der Pause musste van Gaal die nächste Umstellung vornehmen. Von einer Schädelprellung am Weiterspielen gehindert, blieb Abwehrchef Daniel van Buyten in der Kabine und machte Martin Demichelis Platz, der in den Planungen des Bayern-Trainers zuletzt keine Rolle mehr gespielt hatte.

          BVB-Trainer Klopp schlägt Löcher in die Luft

          Kaum auf dem Platz, geriet Demichelis schon in den Brennpunkt und wurde prompt zum Schwachpunkt. Erst köpfte er einen Einwurf des Dortmunder Verteidigers Marcel Schmelzer so ungeschickt in die Mitte, dass die Münchner Abwehr durcheinandergeriet und der Ball dank Sven Benders Nachsetzen bei Barrios landete.

          Der BVB-Torjäger nutzte die Chance zum Führungstreffer für die Heimelf, die nach dem Seitenwechsel viel mutiger und beherzter zu Werke ging als zuvor. Vor lauter Freude über diese Wendung schlug der der Dortmunder Trainer Klopp mit der Faust Löcher in die Luft, wie ein Boxer, der eine unorthodoxe Kombination ausprobiert. Von Klopp und ihren nicht weniger begeisterten Fans frenetisch angefeuert entwickelten die Dortmunder nun wieder die Hingabe und Leidenschaft, für die sie seit Wochen bekannt sind.

          Sahin zirkelt den Ball zur Entscheidung ins Netz

          Zudem hatten sie in Demichelis nochmals einen unfreiwilligen Helfer. Diesmal verursachte der Argentinier mit einem Handspiel einen Freistoß. Die BVB-Fans forderten mit Nuri-Rufen Sahin als Schützen und bekamen auch diesen Wunsch erfüllt. Sahin zirkelte die Kugel zum 2:0 ins Netz. „Wir haben gegen die beste Mannschaft Deutschlands gewonnen. Darauf können wir stolz sein“, sagte Sahin.

          Obwohl die Münchner nach dem Europapokalauftritt unter der Woche zwei Tage mehr Erholungszeit hatten, wussten sie dem Dortmunder Drang nun nicht mehr viel entgegenzusetzen. Barrios hätte den Vorsprung sogar ausbauen können, traf aber nur den Pfosten. „Jeder einzelne Spieler muss sich hinterfragen: Macht er alles für den Erfolg?“, sagte Bayern-Kapitän Mark van Bommel. „Mainz hat nun 13 Punkte Vorsprung. Das ist der Super-Gau. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass wir uns nicht mehr in die Tasche lügen“, sagte Präsident Uli Hoeneß. Es könnte ein stürmischer Herbst werden in München.

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