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0:2 in Dortmund : Der Rivale raubt Schalke die Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Frust und Verzweiflung bei den Schalkern Bild: ddp

Schalke 04 hat mit der Niederlage in Dortmund seine glänzende Ausgangsposition im Titelkampf verspielt. Den „Königsblauen“ fehlten vor allem Lincolns Geistesblitze und Kuranyis Torgefährlichkeit. Von Peter Hess.

          3 Min.

          Das Zentrum der deutschen Schadenfreude liegt an diesem Wochenende in Dortmund. Noch nie hat ein Derbysieg über den ungeliebten Nachbarn Schalke die Borussen so glücklich gemacht. Eine verkorkste Saison erhielt durch das 2:0 einen glanzvollen Anstrich, weil es die Meisterschaftshoffnungen des Rivalen weitgehend zerstörte.

          Die Fans und die Mannschaft feierten nach dem Abpfiff, als hätten sie selbst den Titel geholt, dabei verbesserten sie sich nur auf Rang sieben. Die Schalker schlichen vom Platz, Trainer Mirko Slomka sagte enttäuscht: „Es ist schwer, daran zu glauben, dass wir das noch schaffen können. Jetzt kommt es drauf an, Platz zwei zu verteidigen.“ Die Gelsenkirchener müssen nun hoffen, dass der VfB sein abschließendes Heimspiel gegen Cottbus nicht gewinnt. Bei einer Niederlage der Schwaben reichte Schalke jeder eigene Erfolg über Arminia Bielefeld. Spielte der VfB unentschieden, dann müsste der Sieg der Westdeutschen mit mindestens vier Toren Differenz ausfallen (Siehe auch: 3:2 in Bochum: Cacau und Gomez lassen Stuttgart feiern).

          „Wir brauchen extrem viel Glück“

          „Das ist eine sehr bittere Situation für uns. Seit dem 20. Spieltag Erster zu sein und diese Führung am vorletzten Spieltag abzugeben ist hart. Aber Dortmund hat sich den Sieg verdient, weil wir nicht zwingend genug waren. Torchancen kamen fast nur durch Standards zustande. Das war zu wenig. Um jetzt noch Meister zu werden, brauchen wir extrem viel Glück“, sagte Slomka.

          Frust und Verzweiflung bei den Schalkern Bilderstrecke

          Grundsätzlich spielten die Schalker in Dortmund lange Zeit so wie in den erfolgreichen Wochen zuvor. Diszipliniert, kontrolliert und vor allem auf Standardsituationen aus. Nach zehn turbulenten Anfangsminuten, in denen sich die Dortmunder zwei Torgelegenheiten herausspielten, hatten die Spieler von Trainer Slomka das Geschehen weitgehend im Griff. Aber diesmal fehlten zwei Extras: Lincolns Geistesblitze und Kuranyis Torgefährlichkeit. Der brasilianische Spielmacher wurde vom Dortmunder Kruska quasi zugedeckt, und der deutsch-brasilianische Stürmer litt wieder einmal an einem Anfall von Lethargie.

          Ein Sprint, ein Blick, eine Flanke, ein Tor

          Slomka nahm Lincoln ausdrücklich in Schutz. „Auch andere hatten nicht ihren besten Tag im Spiel nach vorne.“ Die Dortmunder Führung unmittelbar vor der Pause fiel so überraschend wie Regen in einem deutschen April in Zeiten des Klimawandels. Kuranyi verschlief seinen Einsatz, um in der gegnerischen Spielhälfte an den Ball zu kommen, und so schnappte sich Metzelder das Leder auf der rechten Außenseite. Es war ein langer Weg zum Schalker Tor für den Borussen, aber nur Hamit Altintop stellte sich ihm in den Weg, weil alle Kollegen, sich auf Kuranyi verlassend, noch in der Vorwärtsbewegung waren.

          Der Dortmunder umdribbelte den Türken und setzte zu einem Flankenlauf an, wie ihn nur überdurchschnittliche Offensivverteidiger fertigbringen: ein Sprint, ein Blick, eine Flanke in den Rücken der Abwehr, ein Tor. Alexander Frei nutzte die Hereingabe über 25 Meter per Direktabnahme zu seinem 16. Saisontreffer. Ein Tor voller Dynamik und Präzision.

          Am Ende der nervlichen Belastbarkeit

          Die Schalker wirkten unbeeindruckt, als sie aus der Halbzeitpause zurück aufs Spielfeld kamen. Sofort belagerten sie den Strafraum des BVB und erarbeiteten sich auch Torgelegenheiten. Aber Lincoln mit einem Freistoß und Kuranyi mit einem Kopfball verpassten Weidenfellers Tor knapp. Nach etwa 70 Minuten begannen sich die Borussen aus der Umklammerung zu befreien. Jede frische Kraft, die Trainer Slomka auf den Rasen schickte, um die Niederlage abzuwenden, war schwächer als die ermüdete. Als Halil Altintop in der 74. Minute nach einem Frustfoul die Gelbe Karte vorgehalten bekam, war das ein deutliches Signal dafür, dass die lange Zeit coolen und disziplinierten Schalker am Ende ihrer nervlichen Belastbarkeit angekommen waren.

          In der 77. Minute rettete Torwart Neuer seiner Mannschaft mit zwei wagemutigen Paraden gegen Frei und Kringe noch die Hoffnung auf eine Wende. Aber in der 85. Minute setzte Smolarek allen Dortmunder Zweifeln ein Ende. Einen Abpraller verwertete der Pole volley zum 2:0. Unbedrängt von allen Schalkern.

          Mut vom Rivalen

          Die Borussen-Fans jubelten, als stünde ihrem Team ein neues Goldenes Zeitalter bevor. Schon die letzten Zwischenstände aus Bochum hatten sie mit der Welle gefeiert, nach denen der VfB die Tabellenführung von Schalke übernahm. Der Dortmunder Trainer Thomas Doll klang da ganz anders als sein Publikum: „Ich weiß, wie es in dir drinnen aussieht“, versuchte er den Kollegen Slomka zu trösten. „Obwohl jetzt ein bißchen Euphorie um die Mannschaft herrscht, finde ich, uns tut allen Demut gut.“ Und BVB-Chef Watzke forderte die alten Rivalen sogar dazu auf, ihren Meisterschaftstraum weiterzuträumen. „Wir haben in dieser Saison selbst erlebt, dass es immer weitergeht. Die Meisterschaft ist noch offen.“ Es klang nicht wie Hohn.

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