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0:1 gegen Gladbach : Mainzer Fastenzeit

Nichts zum Lachen: der Mainzer Onisiwo Bild: EPA

Der selbsternannte Karnevalsverein verliert nach magerer Leistung zu Hause gegen Gladbach und muss sich vor den kommenden Auswärtsspielen auf geringe Punktausbeute einstellen.

          Die Fastnachtszeit ist vorbei und es droht auch für Mainz 05 erst einmal eine Fastenzeit bezüglich des Punktekontos in der Fußball-Bundesliga. Nach der 0:1-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach durch ein Tor von Nico Elvedi (63.) müssen die Mainzer schließlich an den beiden kommenden Wochenenden zweimal auswärts antreten und dürften dabei vor allem am kommenden Sonntag beim neuen Tabellenführer Bayern München auf verlorenem Posten stehen.

          Der selbsternannte Karnevalsverein dürfte deshalb sehr froh sein, dass er sich als  Tabellendreizehnter rechtzeitig vor Aschermittwoch ein hinreichendes Punktepolster auf die Abstiegsränge erspielt hatte.

          „Aus diesem Spiel heute dürfen wir nicht ohne Punkt rausgehen“, sagte der Mainzer Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann. „Das war ein klassisches 0:0-Spiel, weil wir eigentlich keine Gladbacher Chancen zugelassen haben und uns die Durchschlagskraft fehlte.“

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          Die Mönchengladbacher kamen mit einer merkwürdigen Bilanz der vergangenen Wochen nach Mainz: Im eigenen Stadion hatten sie zuletzt dreimal in Serie verloren, in der Fremde sind sie derweil seit Jahresbeginn ungeschlagen. Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz bereitete seine Spieler deshalb auf die „Auswärts-Gladbacher“ vor und nicht die wegen der Heimschwäche von Platz zwei auf Rang vier der Bundesligatabelle abgerutschte vermeintliche Krisen-Borussia.

          Vor allem zu Beginn waren die Warnungen berechtigt: Die Mainzer mussten mit großem Aufwand bleibenden Schaden abwenden, als sie bei Kontern der Borussia mehrfach in Bedrängnis gerieten. Diese Situationen waren vorhersehbar, da die Rheinhessen bei der 0:4-Niederlage im Hinspiel am Niederrhein 90 Minuten lang von den schnellen Borussen ausgekontert worden waren. Auch deshalb hatte Schwarz seine im Saisonverlauf bevorzugte und erfolgreiche Grundformation mit einer Mittelfeldraute geopfert, um mit zwei zentralen defensiven Mittelfeldspielern etwas mehr Absicherung zu gewährleisten. Nach kaum 90 Sekunden war es dennoch allein Torhüter Florian Müller zu verdanken, dass die Mainzer nicht einem frühen Rückstand hinterherlaufen mussten. Der 21 Jahre alte Schlussmann rettete zunächst zweimal gegen Lars Stindl und anschließend auch noch gegen Denis Zakaria mit drei glänzenden Paraden.

          Mit zunehmender Spielzeit fanden die Mainzer aber ein Rezept, um die auf Gegenangriffe lauernden „Fohlen“ zu zähmen: Sie leisteten sich bei guter Ballkontrolle schlicht kaum Ballverluste, ihre Angriffsversuche endeten wie von Trainer Schwarz gewünscht fast durchgängig mit Torabschlüssen, wenn auch meist aus großer Distanz wie bei Schüssen von Jean-Paul Boetius (24. Minute), Jean-Philippe Gbamin (26.) Danny Latza (40.) und somit ohne ernsthafte Torgefahr. Wenn doch einmal ein Gladbacher Konterspieler enteilte, hetzten die Mainzer aufmerksam mit drei bis vier Mann so eifrig hinter ihm her, dass sie den Gegner müheloser stellten als der Mainzer Ordnungsdienst einen Flitzer, dem es tatsächlich durch seine Haken auf dem rutschigen Rasen gelang, gleich drei offenbar nicht mit geeignetem Schuhwerk ausgestattete Ordner zur Rutschpartie zu zwingen.

          Grün ist die Hoffnung: Borussia Mönchengladbach punktet auswärts dreifach

          Das Gegentor fiel nahezu folgerichtig so, wie sich die Mainzer in den vergangenen Wochen allzu oft überlisten ließen: Nach einem Eckball. Die Flanke von Oscar Wendt brachte Tobias Strobl per Volleyschuss eher zufällig zu Nico Elvedi, der den Ball per Direktabnahme aus der Luft im Tor versenkte.

          „Wir waren da nicht eng genug am Mann, das Tor darf so nicht fallen“, sagte Schwarz. „Es nervt tierisch, dass wir dieses Spiel verlieren, weil wir in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt haben und wie gewünscht häufig zum Abschluss kamen. Nach dem Gegentor haben wir dann leider zu unpräzise agiert und deshalb keinen Druck aufbauen können.“  Der 40 Jahre alte Trainer hatte in der Schlussphase immer wieder mit deutlicher Gestik versucht, seine Spieler zu mehr Ruhe am Ball zu bewegen, er drang aber mit seinem Wunsch nicht mehr durch. „Wir sind im Abschluss zu überhastet gewesen. Das wissen die Jungs, die in gute Schusspositionen gekommen sind auch selbst.“

          Die Mainzer Ausgleichsbemühungen scheiterten an dieser fehlenden Durchschlagskraft, der eingewechselte Torjäger Jean-Philippe Mateta fiel allein durch seine seit der Teilnahme am Rosenmontagszug blondgefärbten Haare auf. Karim Onisiwo erarbeitete sich immerhin unmittelbar nach seiner Einwechslung noch eine Chance. Er zielte aber aus acht Metern knapp  am linken Pfosten vorbei.

          Die von Trainer Schwarz erhoffte größere Effizienz in spielentscheidenden Situationen blieb abermals aus. Glücklich sein durften die Mainzer gegen Spielende schließlich nur, dass ein Frustfoul von Gbamin gegen Hofmann von Schiedsrichter Markus Schmidt nur mit einer Gelben Karte geahndet wurde.

          Hecking kann auch nicht alles erklären

          Borussen-Trainer Dieter Hecking war derweil höchst zufrieden, dass sein Team die Durststrecke von zuletzt nur einem Punkt aus vier Spielen beendet hat. Er wollte dabei auch gar nicht allzu sehr spekulieren, wieso sein Team zuletzt in der Fremde so stabil punktet, während es im eigenen Stadion deutliche Niederlagen hinnehmen musste. „Ich kann auch nicht alles erklären“, sagte er. „Ich habe das freilich eher unemotional analysiert. Wir waren in den Spielen nicht so schlecht, wie es die Ergebnisse nahegelegt haben. Dennoch bin ich sehr froh, dass wir heute gewonnen und damit diese Debatte beendet haben.“

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