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0:1 gegen den HSV : Mainz gestoppt und gestürzt

Es geht doch: Der HSV ist die erste Mannschaft, die gegen Mainz gewinnt - dank Guerrero Bild: REUTERS

Mainz verpasst einen neuen Bundesliga-Startrekord: In der achten Partie gibt es die erste Niederlage. Guerrero trifft kurz vor Schluss. Tuchels Mannschaft muss zugleich die Tabellenführung an die Dortmunder abgeben.

          3 Min.

          Drei Punkte gegen den Abstieg? Es war wohl etwas Koketterie im Spiel, als der Mainzer Stadionsprecher kurz vor Anpfiff das Tagesziel für den FSV ausgab. Ganz andere Dinge standen schließlich in der Partie gegen den Hamburger SV im Raum: die Tabellenführung in der Bundesliga und der alleinige Startrekord in der höchsten deutschen Fußballklasse. Sieben Spiele hatten die Mainzer gewonnen, genauso viele wie einst der FC Bayern München und der 1. FC Kaiserslautern. Mit dem achten aber wurde es nichts, weil beim 0:1 gegen den HSV am Samstag trotz einer engagierten Leistung und guter Chancen der entscheidende Streich nicht gelingen wollte - im Gegenteil: in der 89. Minute gelang Paolo Guerrero sogar der etwas glückliche Siegtreffer für die Hamburger.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Damit mussten sich die Mainzer an diesem verregneten Herbstnachmittag auch von der Tabellenführung verabschieden, die sie seit dem 4. Spieltag innehatten. „Wir sind stolz auf unser Team“, sangen die Fans im ausverkauften Bruchwegstadion trotz allem. Es könnte zumindest ein kleiner Trost für das Team von Trainer Thomas Tuchel gewesen sein nach dieser unnötigen Premieren-Niederlage. „Die Welt bricht nicht zusammen“, sagte Tuchel, nachdem die Mainzer ihre Tabellenführung an die Dortmunder Borussia verloren hatten: „Wenn der ganze Zirkus weiter nach Dortmund zieht, sind wir nicht böse.“

          Tatendrang hatten Lewis Holtby, André Schürrle und Adam Szalai, die Mainzer Vorzeigeprofis der vergangenen Monate, schon beim Warmlaufen gezeigt. Bei kühlen Temperaturen hatten sie sich als einzige für die kurzärmligen Hemden entschieden. Ganz in weiß trabte das Trio über den Platz und hob sich damit - zumindest optisch - von den Kollegen ab. Als der Ball rollte, begannen die Mainzer gewohnt aggressiv bei gegnerischem Ballbesitz und zeigten im Aufbauspiel die Sicherheit eines Teams mit Selbstbewusstsein.

          Chance vergeben: Holtby und Mainz verpassen den Startrekord
          Chance vergeben: Holtby und Mainz verpassen den Startrekord : Bild: REUTERS

          Keine Lücken in der ersten Hälfte

          Dem gut sortierten HSV war damit jedoch in der Anfangsphase kaum beizukommen. Im Gegenteil: eine Unachtsamkeit von Svensson, der sich in der Innenverteidigung in riskanter Position den Ball abjagen ließ, bescherte den Hamburgern die erste große Möglichkeit. Doch Guerreros Versuch wurde geblockt, und Trochowskis folgenden Schuss lenkte Wetklo neben das Tor (18.). Es passte zu dieser abwechslungsreichen, lebhaften Partie, dass danach die Mainzer ihre beste Phase in der ersten Hälfte hatten. Tuchel hatte seine Startelf auf drei Positionen geändert; für Zabavnik, Allagui und Karhan spielten Heller, Calgiuri und Soto.

          Doch gefährlich wurde es, wenn die üblichen Verdächtigen einen Geistesblitz hatten. Zunächst war es Schürrle, der freie Bahn hatte, nachdem Szalai ihn am Strafraum freigesperrt hatte, HSV-Torwart Rost parierte den Schuss (25.). Wenig später setzte Holtby Szalai in Szene, doch der Ungar, der in der vergangenen Woche in zwei Länderspielen vier Mal getroffen hatte, wurde im letzten Moment noch beim Schuss gestört (27.). Es war guter und frischer Fußball, den die Mainzer boten, die Lücke aber wollte sich in den ersten 45 Minuten nicht auftun - auch weil Holtby, Schürrle und Szalai von der HSV-Defensive nicht so viel Platz bekamen, wie sie gerne gehabt hätten.

          Beim HSV hatte Trainer Veh sein Team im Vergleich zum 2:1 gegen Kaiserslautern fünf Wechsel vorgenommen, und vor allem Trochowski und Guerrero erwiesen sich als Belebung. Guerrero leitete die zunächst beste Hamburger Chance ein, als er van Nistelrooy freispielte. Dass der Niederländer uneigennützig auf Zé Roberto ablegte, erwies sich als falsche Entscheidung, der Brasilianer traf nur den Pfosten des - leeren - Mainzer Tores (41.). Unentschieden zur Pause, das ging in Ordnung. „In der ersten Halbzeit hätten beide Mannschaften in Führung gehen können“, sagte HSV-Trainer Veh: „Ich bin mit meiner Mannschaft größtenteils zufrieden.“

          Tuchel finden seine Mannschaft „etwas wild“

          Wer das Spiel aber gewinnen wollte, der musste noch ein wenig mehr investieren, noch etwas mehr Risiko gehen. Die Mainzer schienen bereit dazu. Wieder stand Schürrle im Mittelpunkt. Drei gute Chancen hatte der Angreifer, der zuletzt zwei Mal für die deutsche U 21 getroffen hatte. Doch beim ersten Versuch kam er einen Schritt zu spät (52.), beim zweiten war sein Kopfball zu überhastet (58.), und beim dritten wäre ein Tor schon ein Kunststück gewesen (62.). Als kurz darauf Caligiuri aus 25 Metern einen Schlenzer wagte, setzte mancher Mainzer auf der Tribüne schon zum Jubel an, und auch Holtby hatte noch eine gute Chance.

          Doch irgendwie wollte der Ball an diesem Tag nicht ins Tor. Den Hamburger dagegen gelang es bei nur zwei Chancen gleich zwei Mal: Der erste Treffer durch van Nistelrooy wurde wegen angeblichen Foulspiels nicht anerkannt (60.), der zweite durch Guerrero aber hatte die gewünschte, aus Mainzer Sicht freilich schmerzhafte, Wirkung. „Durch eine Unachtsamkeit haben wir zum Schluss das Tor bekommen und konnten nicht mehr reagieren“, sagte FSV-Trainer Tuchel, der das Auftreten seiner Mannschaft manchmal „etwas wild“ fand.

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