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0:0 in Augsburg : Kein Dortmunder Tag

Bauchlandung in Augsburg: Robert Lewandowski und Dortmund treffen nicht Bild: REUTERS

Nach acht Siegen muss der BVB beim 0:0 in Augsburg wieder ein Remis hinnehmen. Vorbei ist der Eindruck der Unantastbarkeit. Der Aufsteiger zeigt dem Rest der Liga, wie man der Borussia beikommt.

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          Schwächelt der Meister nun doch? Eine seiner beiden Serien hielt – jetzt sind es 19 Spiele seit der letzten Niederlage, es ist die Einstellung des zwanzig Jahre alten Vereinsrekordes von Borussia Dortmund.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Eine andere aber riss, die von zuletzt acht Siegen in Serie. Und so ist der Vorsprung der Borussia vor München mit dem 0:0 in Augsburg am Samstagabend auf fünf Punkte geschrumpft – und mit ihm auch der Eindruck der Unantastbarkeit, den die Dortmunder bisher im Jahr 2012 auf die Konkurrenz gemacht hatten.

          Ausgerechnet der kleine FC Augsburg führte dem Rest der Liga die Mittel vor, mit denen die scheinbar übermächtige Borussia beherrschbar wird. Der Aufsteiger ließ sich von 30.600 Zuschauern in seinem ausverkauften Stadion für einen hoch verdienten Punktgewinn feiern.

          Waren die Dortmunder beeindruckt vom FC Bayern, der ihnen vor Anpfiff mit sieben Toren gegen Hoffenheim wieder bis auf vier Punkte nahe gekommen war? Eher schienen sie beeindruckt vom FC Augsburg. Von der ersten Minute an saß der Aufsteiger dem Meister im Nacken und machte ihm mit unerbittlichem Einsatz und großer Lauf- und Zweikampfbereitschaft deutlich, dass es tatsächlich die „ganz schwere Arbeit“ würde, die Meistertrainer Jürgen Klopp prophezeit hatte.

          Nach zwölf Minuten tauchte Klopp erstmals aufgebracht an der Seitenlinie auf, heftig gestikulierend in Richtung seines Kapitäns Sebastian Kehl, der gemeinsam mit Lars Bender im defensiven Mittelfeld, sonst ein Prunkstück des Tabellenführers, vorwiegend Stückwerk produzierte. Kurz danach gab es sogar die erste Torchance des Spiels für die eifrigen Augsburger, doch der Kopfball von Torsten Oehrl stellte für Torwart Roman Weidenfeller kein Problem dar.

          Der Meister in Person von Neven Subotic gerät in Schieflage
          Der Meister in Person von Neven Subotic gerät in Schieflage : Bild: dapd

          Mal ungläubig, mal erregt, mal kopfschüttelnd behielt Klopp seinen Stehplatz an der Kreidelinie und sah nicht viel, was ihn beruhigte: zwei Halbchancen durch Robert Lewandowski, die aber eher dem Zufall entsprangen als flüssiger Kombinatorik; ein Frustfoul des wirkungslosen Shinji Kagawa gegen seinen japanischen Landsmann Hajima Hosogai, für das er unter dem Protest der Augsburger gnädigerweise ohne Verwarnung blieb.

          Dazu viele unerklärliche Fehlpässe im Spielaufbau wie den besonders haarsträubenden durch Neven Subotic in der 34. Minute, der dem Serben im einen heftigen Anpfiff des Chefs eintrug – und zu allem Überfluss sogar beinahe ein Eigentor der immer wieder konfus wirkenden Dortmunder Defensivzentrale: Im eigenen Strafraum schoss Bender bei einem Klärungsversuch Abwehrchef Mats Hummels an, von dem der Ball gefährlich aufs eigene Tor abgefälscht wurde, dann aber doch am Pfosten vorbeiflog (23.).

          Auf Konfrontationskurs: BVB-Torwart Roman Weidenfeller und Stephan Hain
          Auf Konfrontationskurs: BVB-Torwart Roman Weidenfeller und Stephan Hain : Bild: dpa

          Die Augsburger verdienten sich das Kompliment, das Klopp ihnen vor dem Spiel gemacht hatte, redlich: „Die haben eine richtig gute Mannschaft zusammengestellt in der Zwischenzeit und zuletzt gute Ergebnisse erzielt.“ Fast hätten die Dortmunder in der kurz vor der Pause noch deutlich ruppiger und giftiger werdenden Partie dennoch den unverdienten Führungstreffer erzielt, als ein Kopfball Lewandowskis Torwart Simon Jentzsch überwand, aber von Sebastian Langkamp auf der Linie weggeschlagen wurde.

          Nach der Pause kamen zuerst die Augsburger einem Treffer nahe. Bei einem Konter kam Axel Bellinghausen von halblinks zum Schuss, der scharfe Ball wurde von Weidenfeller mit Mühe über die Latte gelenkt. Den Dortmundern gelang es nur ganz zaghaft, mehr Druck aufzubauen, doch fehlte die Präzision in der Vorwärtsbewegung.

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          Am nächsten kamen sie dem möglichen Siegtreffer in der 60. Minute, als Kevin Großkreutz einen präzisen Kopfball Richtung langes Eck setzte. Doch Simon Jentzsch, der 1,96-Meter-Mann im Augsburger Tor, kratzte den Ball mit den letzten Zentimetern seiner gewaltigen Spannbreite so eben um den Pfosten. Großkreutz raufte sich die Haare – es war nicht der Tag der Dortmunder.

          FC Augsburg - Borussia Dortmund 0:0

          FC Augsburg: Jentzsch - Verhaegh, Sankoh, Langkamp, Ostrzolek - Baier, Hosogai - Koo (79. Ndjeng), Oehrl, Bellinghausen (89. Sinkala) - Hain (75. Mölders)
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (70. Leitner), Kehl - Blaszczykowski (86. Gündogan), Kagawa (70. Perisic), Großkreutz - Lewandowski
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
          Gelbe Karten: Koo (1), Sankoh (3) / Kehl (6), Subotic (3)



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