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0:0 im Rhein-Main-Derby : Weder Mainz noch Frankfurt verdienen drei Punkte

Viel kam nicht heraus: Der Mainzer Soto am Boden Bild: dpa

Keine Tore im Rhein-Main-Derby: Während die Frankfurter weiter auf einen Platz im europäischen Wettbewerb hoffen dürfen, ist die Zeit für Träume in Mainz endgültig vorbei.

          3 Min.

          Der Mai wird heiß. Spätestens in drei Wochen findet in der Fußball-Bundesliga die endgültige Abrechnung statt, und für die Eintracht nimmt das optimistischste aller Saisonszenarien langsam aber sicher Gestalt an: Die Frankfurter, die sich dank des torlosen Unentschiedens beim FSV Mainz 05 mittlerweile 46 Zähler erarbeitet haben, können sich als Bundesligaaufsteiger für das internationale Fußballgeschäft qualifizieren. Die Position als Tabellenfünfter ist nach dem 0:0 im Rhein-Main-Derby vor 34.000 Zuschauern und in Anbetracht eines vergleichsweise einfachen Restprograms komfortabel, oder, um es mit den Worten von Verteidiger Marco Russ auszudrücken: „Wenn wir weiter unsere Punkte holen, können die anderen machen, was sie wollen.“

          Marc Heinrich
          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch Armin Veh, sein Trainer, legte nach dem Teilerfolg im Duell mit den engagierten, aber in den entscheidenden Situationen zu wenig konsequenten Rheinhessen alle verbale Zurückhaltung ab, der er sich so lange in dieser Runde verpflichtet sah: „Europäisch dabei zu sein, das wäre toll. Das wollen wir. Das hat sich die Mannschaft verdient.“ Um für die sich abzeichnende Zusatzbelastung der Europa League gewappnet zu sein, treibt der Klub in diesen Tagen seine Kaderplanung voran und steht dabei nach Informationen der F.A.Z. mit Edgar Prib als weiterem Zugang kurz vor einem Vertragsabschluss. Der Dreiundzwanzigjährige gehörte zuletzt bei Absteiger Greuther Fürth bei 24 Einsätzen im Mittelfeld zu den wenigen konstant erstklassigen Profis.

          Vom Frankfurter Auftritt in Mainz bleibt vor allem in Erinnerung, wie sich das Team in Anbetracht der spielerischen Überlegenheit des Gegners kollektiv gegen die drohende Niederlage stemmte. „Von fußballerischer Schönheit kann man diesmal nicht sprechen“, befand Heribert Bruchhagen, wirkte dabei aber nicht über Gebühr unzufrieden, nachdem er zuletzt bei gleicher Gelegenheit zwei deutliche Derbyniederlagen zu bewerten hatte. Der Vorstandsvorsitzende der Eintracht bewertete die Nullnummer als „insgesamt etwas zerfahren“, hob aber positiv hervor, dass die eigenen Leute anders als beim Fehlschlag in Augsburg „dagegengehalten haben und sich nicht den Schneide aufkaufen ließen“.

          Die besten Möglichkeiten boten sich dem wiedergenesenen Alexander Meier (43. Minute) und Sebastian Rode (82.), die aber jeweils am prächtig reagierenden Mainzer Keeper Christian Wetklo scheiterten; ein Kopfball von Marco Russ (44.) ging zudem knapp über die Latte. „Wir wollten eigentlich mehr. Aber wenn man die 90 Minuten betrachtet, können wir mit dem Punkt sehr gut leben“, sagte Meier, „für uns ist das Ergebnis auch deswegen okay, weil wir Mainz auf Distanz gehalten haben.“

          Mainz ohne Durcschlagskraft

          Für die Rheinhessen ist die Saison deshalb so gut wie gelaufen, entsprechend desillusioniert schlichen sie nach dem Abpfiff vom Feld. Ein Sieg gegen die Eintracht wäre die letzte Chance gewesen, um noch einmal in den Kampf um die Europapokalränge eingreifen zu können – so aber ist bei sechs Zählern Rückstand und drei verbleibenden Spielen nur noch theoretisch eine Qualifikation fürs internationale Geschäft möglich. „Wir tun gut daran, nicht mehr von der Europa League zu reden“, sagte Mittelfeldspieler Andreas Ivanschitz, der den Klub nach der Spielzeit mit weiterhin unbekanntem Ziel verlassen muss.

          Auch sein Trainer hatte keine Lust, um den heißen Brei herumzureden. „Auch dieses Spiel hätte mn auf jeden Fall gewinnen können“, sagte Thomas Tuchel. „Aber das kann doch keiner mehr hören. Wir haben von 15 Torschüssen wohl 13 neben das Tor gesetzt haben. Das sind Fakten, mit denen wir uns beschäftigen müssen.“

          Auch kein Sieger des Tages: Frankfurts Djakpa

          Das Thema für die Arbeit in den kommenden Wochen bis zum Saisonende brachte der 39 Jahre alte Trainer schließlich in einer Frage zum Ausdruck: „Wie gewinnen wir wieder Spiele?“ Diese im Sport so wichtige Qualität kam den Mainzern im Verlauf der Rückserie abhanden; nur zwei Siege in 14 Partien sind eine dürftiger Ertrag für großen Aufwand. Auch gegen die Eintracht waren sie bemüht, allein vor dem Tor fehlten Entschlossenheit und Zielsicherheit. Lediglich bei einem Kopfball von Zdenek Pospech (53.) und einem Schuss von Chinedu Ede nach einem flach hereingegebenen Eckball von Andreas Ivanschitz (72.) lag ein Tor in der Luft. „Wir haben für einen Sieg zu wenig gemacht. Deshalb war das ein gerechtes Unentschieden“, sagte Kapitän Nikolce Noveski an seinem 34. Geburtstag. „Ich hätte mir natürlich einen Sieg gewünscht, aber Fußball ist eben kein Wunschkonzert.“

          Stattdessen fehlen im Mainzer Orchester derzeit die Individualisten mit dem gewissen Schuss an Esprit. Der kurzfristige Ausfall von Torjäger Adam Szalai, der wegen einer Fraktur des Querfortsatzes eines Lendenwirbels bis zum Saisonende keine Spiele mehr bestreiten kann, schmerzte deshalb besonders. Ohne die Qualitäten des Ungarn als Stoßstürmer gelang es den Mainzern kaum, entscheidend Druck auf das gegnerische Tor aufzubauen, in dem sich Oka Nikolov von der 20. Minute an mit Leistenproblemen plagte. Die Mainzer zogen aber keinen nennenswerten Vorteil aus der offensichtlichen Beeinträchtigung des Keepers, auch deswegen mussten sie sich mit dem Remis arrangieren.

          Heidels Fernduell

          Den hitzigsten Zweikampf des Wochenendes lieferte sich deshalb wohl Christian Heidel. Nachdem der Mainzer Manager das Verhalten des FC Bayern München bei jüngsten Transfers als eines  deutschen Meisters nicht würdig bezeichnete, holte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer zum verbalen Gegenschlag aus. „Eines Meisters nicht würdig? Das kann er nicht beurteilen, weil er wahrscheinlich auch nie Meister werden wird“, lautete die Replik Sammers am Samstag.

          Heidel beendete das Fernduell am Sonntag auch dank einer Portion Humor zumindest vom Stil formvollendet: „Er hat ja wenigstens damit Recht, dass ich mit Mainz wohl nie deutscher Meister werde. Das stört mich aber auch nicht. Und damit ist die Sache für mich erledigt.“

          FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 0:0

          FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Zabavnik (66. Ede) - Baumgartlinger - Caligiuri (85. Bell), Soto (46. Zimling) - Ivanschitz - Nicolai Müller, Parker
          Eintracht Frankfurt: Nikolov - Jung, Russ, Anderson, Djakpa - Celozzi, Rode - Aigner (64. Occean), Stendera (80. Lanig), Inui (64. Lakic) - Meier
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
          Gelbe Karten: - / Celozzi (3), Lanig (1)

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