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0:0 gegen Stuttgart : Kein zweites Spektakel in Dortmund

  • -Aktualisiert am

Kein Sieger in Dortmund: BVB und VfB trennen sich torlos unentschieden Bild: dpa

Wer in Dortmund nach dem 4:4 aus der Vorsaison auf einen zweiten Sturm der Begeisterung gehofft hatte, wurde enttäuscht. Die Mannschaften trennen sich torlos 0:0. Der Meister verabschiedet sich aus der Spitzengruppe.

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          Vor sieben Monaten hatten Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart das Publikum mit einem 4:4 und einer wechselvollen Torfolge in Begeisterungsstürme versetzt. Diesmal ging zwar ein frischer Herbstwind durch das Dortmunder Stadion, aber ein Sturm der Begeisterung kam nicht auf. Beide Mannschaften zeigten: Wir können auch anders, ganz anders – sie trennten sich torlos. Drei Tage vor dem Champions-League-Auftritt bei Real Madrid traf Dortmund zwar zweimal die Latte, aber das war zu wenig, um die widerstandsfähigen Stuttgarter zu bezwingen – und zu wenig, um in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga eine führende Rolle zu spielen. An diesem Sonntag könnten Leverkusen und Mainz, wenn sie gewinnen, den deutschen Meister in der Tabelle überflügeln.

          Die Partie hatte begonnen, als könnte es wieder zu einem unterhaltsamen Schlagabtausch kommen. Beide Parteien gaben früh einen Warnschuss ab. Doch der weitere Verlauf der ersten Hälfte hielt nicht, was die ersten Minuten und die Vorgeschichte versprochen hatten. Nichts deutete auf ein ähnliches Spektakel wie Ende März hin. Weder der BVB, die angriffslustigere der beiden Mannschaften, noch der VfB, der aus einer soliden Ordnung konterte, zeigten sich zunächst imstande, im gegnerischen Strafraum sonderlich viel Aufregung hervorzurufen.

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          Einzige Ausnahme im ersten Durchgang: Eine Riesenchance für Mats Hummels nach knapp einer halben Stunde, und das gleich in zweifacher Ausfertigung. Zunächst schoss der Nationalverteidiger aus drei Metern Entfernung VfB-Torhüter Sven Ulreich an, der die Kugel reflexartig gegen die Latte lenkte; den Abpraller brachte Hummels abermals aufs Tor, doch Verteidiger Arthur Boka wehrte den Kopfball auf der Linie ab. Während die Sechzehnmeterräume gut gesichert waren, konnte es im Mittelfeld durchaus gefährlich werden. Das bekam Sebastian Kehl besonders schmerzlich zu spüren. Sein Zweikampf mit Raphael Holzhauser wurde für den BVB-Kapitän buchstäblich zu einem Schlag ins Gesicht. Der Stuttgarter Mittelfeldspieler schickte Kehl mit dem Ellenbogen zu Boden.

          Kehl muss runter - vermutlich angebrochenes Nasenbein

          Während der Täter mit der Gelben Karte davonkam und weiterspielen durfte, musste Kehl aufgrund dieses  „Wirkungstreffers“ schon nach achtzehn Minuten mit Kopfweh das Feld verlassen; seinen Platz im zentralen defensiven Mittelfeld übernahm Moritz Leitner. „Er hat sich wohl das Nasenbein angebrochen“, schilderte BVB-Coach Jürgen Klopp die Verletzung seines Kapitäns. Solche Aktionen hatte VfB-Trainer Bruno Labbadia sicher nicht gemeint, als er vor dem Spiel sagte: „An einem guten Tag können wir Dortmund wehtun.“ Nach dem Seitenwechsel steigerte der BVB sein Bemühen, dem Gegner auf sportliche Art wehzutun.

          Um den Angriff auch personell zu kräftigen, wechselte BVB-Trainer Jürgen Klopp einen zweiten Stürmer ein: Julian Schieber, der bei jenem Spektakel im März als zweimaliger Torschütze noch im Trikot des VfB eine  Hauptrolle gespielt hatte. Obwohl der Angreifer jüngst im Pokal gegen Aalen sein erstes Pflichtspieltor für Dortmund erzielt hatte, hatte Klopp ihm dieses Mal wieder nur einen Platz auf der Ersatzbank zugeteilt. „Ich war früher romantisch eingestellt und habe Spieler gerne gegen ihre Ex-Klubs aufgestellt“, sagte der Trainer des BVB. Doch die Erfahrung habe ihn gelehrt, „dass die Last häufig größer war als die Lust, es dem Ex zu zeigen“.

          Als Schieber dann doch mitmachen durfte, führte er sich gut ein – und auch wieder nicht. Von Marco Reus angespielt, scheiterte er an Ulreich, der stark parierte. Auf der Gegenseite bot sich VfB-Stürmer Vedad Ibisevic eine ähnlich gute Möglichkeit, doch auch Roman Weidenfeller im Dortmunder Tor war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Es blieb bis zum Schluss spannend, nur ein Treffer gelang dieses Mal niemandem; auch Robert Lewandowski nicht, dessen Schuss Serdar Tasci kurz vor Schluss an die Latte lenkte.

          Boka rettet für Stuttgart: Einen Kopfball von Hummels klärt der Ivorer auf der Linie
          Boka rettet für Stuttgart: Einen Kopfball von Hummels klärt der Ivorer auf der Linie : Bild: REUTERS

          Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 0:0

          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl (20. Leitner) - Reus (78. Perisic), Götze, Großkreutz (58. Schieber) - Lewandowski
          VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Boka - Kvist - Harnik, Gentner, Holzhauser (70. Kuzmanovic), Traoré (88. Okazaki) - Ibisevic (90.+2 Maza)
          Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
          Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
          Gelbe Karten: - / Gentner (3), Holzhauser (2), Ibisevic (2), Kvist (2)

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