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Zukunft der Bundesliga : Der Preis der deutschen Vernunft

  • -Aktualisiert am

Vom Kauf eines Cristiano Ronaldo ist die Bundesliga weit entfernt. Bild: Reuters

Wirtschaftliche Vernunft kann im Fußball vor Abstürzen schützen. Auf dem Weg zu großen internationalen Erfolgen ist sie eher hinderlich. Wird die Bundesliga zum Talenteschuppen für Investorenklubs?

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          Fußball ist immer Nährboden für Fantasien und große Träume. Röche das Spiel nur nach Schweiß, Erde und Bratwurst, würde etwas fehlen. Auch die erbittertsten Kommerzgegner werden zumindest verstohlen nach Paris schielen, um zu sehen, ob Messi, Mbappé, Neymar und Ramos in der bevorstehenden Champions-League-Saison ihre wunderbaren Fähigkeiten zu einer neuen kollektiven Schönheit aufblühen lassen.

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          Fans von Manchester United protestierten im Mai wütend gegen das auch von ihrem Klub unterstützte Super-League-Projekt, jetzt jubeln sie, weil die vor wenigen Wochen noch verhassten Investoren die Rückkehr von Cristiano Ronaldo möglich machten. Alle kritischen Fans großer Klubs kennen dieses Gefühl der Zerrissenheit. Auch im pragmatischen Deutschland.

          Hier haben Beobachter empört angemerkt, dass etliche Vereine, vor allem in England, die Lektion der Pandemie nicht gelernt hätten. Dass viele weitermachen wie bisher. Womöglich schwang die Sorge vor einem eigenen Bedeutungsverlust mit. In jedem Fall hat die zuletzt beendete Transferperiode gezeigt, dass es zwei Systeme gibt: In der einen Welt bewegen sich Klubs, die nur das Geld ausgeben, das sie verdienen. In der anderen jene, die aus ganz unterschiedlichen Gründen großzügig bezuschusst werden. Von Golfstaaten mit politischen Motiven, von Investoren mit der Hoffnung auf Rendite, von Milliardären, die sich ein exzentrisches Hobby leisten. Die Versuche, Chancengleichheit zwischen diesen Systemen herzustellen, sind gescheitert.

          Es gibt eine bittere Erkenntnis

          Nun wird darüber nachgedacht, eine Gehaltsobergrenze und einer Luxussteuer für den Fall von Verstößen einzuführen – eine untaugliche Maßnahme. Der Plan sieht vor, alle Regeln für den Zufluss externer Investorengelder zu streichen. Daher werben die deutschen Vertreter in den Gremien von UEFA und europäischer Klubvereinigung für ein funktionierendes Financial Fairplay, das auch die Investorenklubs zwingt, nur auszugeben, was wirklich erwirtschaftet wird.

          Das ist der Wunsch vieler Fans an der Basis, aber leider eine Illusion. Im Fußball ist auch unter Mitwirkung der Bundesliga ein unstillbarer Durst nach immer neuen Millionen entstanden. Nun müsste die Branche sich zwingen, den süßen Strom von privaten Konten zu bremsen, der Ronaldos und Messis möglich macht, der Management-Fehler glattbügelt. So eine Selbstbeschränkung ist leider unvorstellbar. Für die Bundesliga stellt sich die Frage, ob sie sich als Talenteschuppen für die Investorenklubs einrichten soll. Oder ob sie sich doch für Private-Equity-Fonds, Scheichs oder staatliche Anteilseigner öffnen, die 50+1-Regel abschaffen soll.

          Oder gibt es einen dritten Weg? Dieser Transfersommer, an dessen Ende kaum ein deutscher Klub zufrieden ist, hat klargemacht, dass die Vorstellungen, die in der Bundesliga von der Zukunft vorherrschen, und die Realität immer weiter auseinanderklaffen. Die bittere Erkenntnis: Wirtschaftliche Vernunft kann in diesem System vor Abstürzen schützen, wie sie Schalke und Bremen erlebt haben. Auf dem Weg zu großen internationalen Erfolgen ist sie eher hinderlich.

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