https://www.faz.net/-gtl-p42p

Bundesliga-Vorbereitung : Münchner Derby mit Schönheitsfehler

  • -Aktualisiert am

Kleiner Triumph: Tyce ist Deisler voraus, die Löwen besiegen die Bayern. Bild: dpa/dpaweb

Vor bescheidener Kulisse hat das Münchner Stadtderby im Olympiastadion stattgefunden - als Vorbereitung auf die neue Saison. In der neuen Arena soll es vom kommenden Jahr an allerdings wieder ein Schlager werden - egal, in welchen Klassen Bayern und 1860 spielen.

          Emotionen zeigt Karl-Heinz Rummenigge so gut wie nie. Auch das Duell gegen den Stadtrivalen ließ den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern relativ kalt. FC Bayern gegen den TSV München 1860, die zweihundertste Auflage des großen Münchener Fußball-Derbys. Nach dem Abstieg der "Löwen" war dies erstmals seit 1994 kein Bundesliga-Schlager mehr, sondern ein schnöder Vorbereitungskick. "Das berührt mich nicht", sagte Rummenigge. Einzig: "Das Spiel hätte im Stadion an der Grünwalder Straße stattfinden müssen."

          Tatsächlich hätte die traditionsreiche Arena im Stadtteil Giesing, in der zweiten Liga wieder die Heimspielstätte von 1860, den besseren Rahmen abgegeben für das Aufeinandertreffen der Münchener Profiklubs, gerade was die Faktoren Zuschauer und Atmosphäre betrifft. Gespielt wurde aber im Olympiastadion: Es war ein Derby vor einer kleinen Kulisse. Nur knapp 10 000 Besucher wollten mitverfolgen, wie die "Löwen" am Ende einer mäßigen Partie den übermächtigen Nachbarn 1:0 besiegten. Durch ein Tor von Karlheinz Pflipsen, erzielt in der 80. Minute durch einen Foulelfmeter.

          Felix Magath, der neue Trainer des FC Bayern, nutzte das offizielle Ablösespiel für Andreas Görlitz, der für drei Millionen Euro von den "Blauen" zu den "Roten" gewechselt ist, zu Experimenten. In der ersten Halbzeit kamen mit Ausnahme von Michael Ballack ausnahmslos Spieler zum Einsatz, die sich schon seit drei Wochen im Konditionstraining befinden und folglich "schwere Beine" hatten. Im zweiten Teil des Fußballabends wechselte Magath sieben noch weitgehend untrainierte Spieler ein, vor allem die EM-Teilnehmer. Magath lobte vor allem Ballack: "Ich war schon sehr überrascht, in welch guter Verfassung er ist. Er hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Er hat sich offenbar auf die Vorbereitung gut vorbereitet."

          Weil 1860 das Geld bekommt

          "Das war eine besondere Situation", erklärte Uli Hoeneß hinterher zum besonderen Ambiente dieser sportlichen Münchner Auseinandersetzung. "Die Löwen-Fans wollen nur noch ins Grünwalder Stadion gehen, und unsere Fans sind nicht gekommen, weil sie wußten, das Geld bekommt 1860 - deswegen war das Olympiastadion so leer." Den Zweck, dem nach dem Abstieg finanziell angeschlagen Nachbarn spontane Unterstützung zukommen zu lassen, sah der Manager des FC Bayern aber in jeder Hinsicht erfüllt. Laut Auskunft von 1860-Geschäftsführer Detlef Romeiko brachte das Derby den Löwen einen Reinerlös von gut 300 000 Euro.

          Glaubt man Hoeneß, dann wird das Münchener Stadtduell vom Mai nächsten Jahres an ohnehin wieder ein Kassenschlager - ganz egal, in welcher Liga die Rivalen kicken. "In der neuen Allianz Arena wird jedes Derby ausverkauft sein", behauptet der Bayern-Manager. "Allein weil die Zuschauer die Atmosphäre in diesem neuen Stadion erleben wollen."

          Angst, daß bei einer länger anhaltenden Talfahrt der "Löwen" die Finanzierung der gemeinsam getragenen Arena ins Wanken gerät, hat Hoeneß indes nicht. "Solange 1860 in der zweiten Liga spielt, haben wir keine Probleme", meint er. Nur ein weiterer Abstieg oder eine längerfristige Misere der "Löwen" würde das Stadion-Projekt ernsthaft in Gefahr bringen.

          Hoffnung auf die treuen Anhänger

          Für die Kalkulation sehr bedeutend sein wird, wie viele Zuschauer den Auftritten der "Löwen" in der neuen Arena beiwohnen. "Wenn 1860 in der zweiten Liga 40000 Zuschauer im Schnitt hat, haben wir null Probleme", rechnet Hoeneß hoch. Das neue, 65 000 Zuschauer fassende Stadion sei auf vierzig Partien mit durchschnittlich 45000 Besucher veranschlagt. Geht man, wie Manager Hoeneß, davon aus, daß in Zukunft sämtliche Heimspiele des FC Bayern ausverkauft sein werden, genügten dem TSV 1860 bereits etwa 25 000 Zuschauer, um die Finanzierung der gut 300 Millionen Euro teuren Arena zu gewährleisten. Den Münchner "Löwen" bleibt also wieder einmal nur die Hoffnung auf die über Jahrzehnte treu verbundene Anhängerschar. Mit einem kurzfristig vereinbarten Freundschaftsspiel wird eine materielle Schieflage fortan nicht mehr zu korrigieren sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Prozess gegen G-20-Gegner : Große Anspannung im Gerichtsaal

          In Hamburg hat der Prozess gegen fünf G-20-Gegner mit Applaus begonnen. Den beschuldigten Gymnasiasten und Studenten aus dem Raum Offenbach drohen hohe Strafen – obwohl sie nicht direkt an den Ausschreitungen beteiligt waren.
          Donald Trump

          Wegen illegaler Geschäfte : Trumps Stiftung wird aufgelöst

          Die New Yorker Staatsanwaltschaft findet klare Worte für die Privatstiftung des Präsidenten: Sie war „wenig mehr als ein Scheckbuch, um unternehmerischen und politischen Interessen von Herrn Trump zu dienen“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.