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Bundesliga : Van Marwijk folgt Sammer beim BVB

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Mit Bert van Marwijk soll es beim BVB wieder nach oben gehen Bild: dpa/dpaweb

Bert van Marwijk, bislang bei Feyenoord Rotterdam, wird neuer Trainer bei Borussia Dortmund. Der Niederländer muß mit dem Tabellensechsten der abgelaufenen Saison schon bald seine erste Bewährungsprobe bestehen: im UI-Cup.

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          Das Wechselspiel auf den besten Trainerplätzen der Bundesliga ist beendet. Als letzter hat ein Neuling die Bühne der ersten deutschen Fußballklasse betreten: Bert van Marwijk, in den vergangenen drei Jahren Coach des holländischen Erstdivisionärs Feyenoord Rotterdam, unterzeichnete am Dienstag einen bis zum 30. Juni 2006 datierten Zweijahresvertrag bei Borussia Dortmund.

          Der Niederländer wird Nachfolger von Matthias Sammer, der am Montag als neuer Cheftrainer des VfB Stuttgart vorgestellt wurde. Dessen Vorgänger Felix Magath hat beim FC Bayern München den Posten des dort höchst erfolgreichen Ottmar Hitzfeld übernommen. Van Marwijk wiederum wurde in Rotterdam vom früheren holländischen Fußballstar Ruud Gullit beerbt.

          Keineswegs wortkarg

          Der neue Coach der Borussia muß mit dem Tabellensechsten der abgelaufenen Saison schon bald seine erste Bewährungsprobe bestehen: im UI-Cup, über den sich die Westfalen noch für den kommenden UEFA-Pokalwettbewerb qualifizieren wollen. Bei seiner Vorstellung am Dienstagnachmittag sprach der 52 Jahre alte Niederländer deutsch und bewies zudem, daß er keineswegs so wortkarg sein muß wie ihm nachgesagt.

          Auf die Frage, wieviele Holländer er nun zum BVB mitbringen wolle, antwortete van Marwijk zum Vergnügen seiner Zuhörer: "Acht Stück." Ernsthaft erklärte er sodann: "Ich bin stolz und froh, Trainer von Borussia Dortmund zu sein. Das ist ein Klub mit einer großen Tradition und unglaublich vielen Fans. Von Feyenoord bin ich da einiges gewohnt, aber Dortmund ist in dieser Hinsicht der große Bruder von Feyenoord." Er habe vor, "unglaublich hart zu arbeiten, um eine schöne Zeit" in einer Liga zu haben, deren "Niveau höher ist als in der Ehrendivision".

          Frustrierende Situation bei Feyenoord

          Mit welchen Spielern van Marwijk in die neue Spielzeit geht, konnte Gerd Niebaum, der Präsident des BVB, am Dienstag noch nicht genau sagen. Frings wird voraussichtlich zu den Bayern wechseln, Rosicky vermutlich bleiben, bei Dede, Koller und Ewerthon dürfte der Markt die Zukunftsfragen lösen, Giovane Elber, im Vorjahr vom FC Bayern München zu Olympique Lyon gewechselt, bleibt umworben. Fürs erste aber war Niebaum nur froh, van Marwijk von Borussia Dortmund überzeugt zu haben. "Wir haben mit ihm ein neues Kapitel aufgeschlagen."

          Van Marwijk übernimmt ein Team, das auch in der kommenden Spielzeit für einen der vorderen Plätze in der Bundesliga gut genug sein dürfte. Die Dortmunder haben ihren neuen Fußball-Lehrer schon 2002 ein bißchen kennengelernt, als Feyenoord das Endspiel um den UEFA-Pokal gegen den BVB 3:2 gewann. Der in 390 Ligaspielen für die Namenlosen der "Eredivisie" bewährte Abwehr- und Mittelfeldspieler machte als Trainer den langen Marsch durch die Niederungen, ehe er die große Chance bei Feyenoord Rotterdam erhielt. Noch in der Stunde seines größten Erfolges beklagte er die frustrierende Situation, stets die besten Spieler (wie Dudek, Tomasson, van Hooijdonk) abgeben zu müssen, weil Feyenoord im internationalen Marktvergleich nicht konkurrenzfähig sei - eine Verkaufssituation, wie er sie nun auch in Dortmund vorfinden wird.

          Faible für den Offensivfußball

          Unter van Marwijk wurde die Chancenlosigkeit von Feyenoord in der niederländischen Meisterschaft zementiert. In den letzten drei Jahren hat der Klub, der 1970 unter Ernst Happel als erster Verein aus Mitteleuropa den Europapokal der Landesmeister gewann und zuletzt 1999 Meister war, gegenüber dem alten Rivalen Ajax Amsterdam und dem PSV Eindhoven nur noch die Rolle des "ewigen" Dritten gespielt.

          Van Marwijk ist kein Startrainer. Sein Name kam nie ins Gespräch, wenn wieder einmal ein Nationaltrainer in Frage gestellt wurde. Seit er bei Fortuna Sittard Berufsanfänger wie van Bommel, Bouma und Hofland zu Nationalspielern machte, steht er im Ruf, ein Händchen für junge Spieler und ein Faible für den Offensivfußball zu haben. Mark van Bommel ist heute sein Schwiegersohn und von Schalke 04 umworben, was bei einem Wechsel zum Dortmunder Revierrivalen eine reizvolle Familienkonstellation ergäbe. Auch Erik Meijer, der wie der Trainer aus Meerssen bei Maastricht im Dreiländereck nahe Aachen stammt und heute bei Alemannia Aachen spielt, wurde als Sechzehnjähriger von diesem entdeckt. Doch bei Feyenoord blieb in van Marwijks Zeit mit Ausnahme des nun zu Arsenal London wechselnden Robin van Persie neuer Spitzennachwuchs aus.

          Der handwerklich gute Ruf des silberhaarigen Mannes mit dem Ausdruck des illusionslosen Praktikers drang bis nach Deutschland vor, wo Schalke 04 und Hertha BSC Berlin ihm im letzten Jahr Avancen machten. Bei beiden Klubs hatte sein niederländischer Landsmann Huub Stevens gearbeitet, der mit den Schalkern 1997 den UEFA-Pokal gewann. Andere niederländische Trainer in der Bundesliga, selbst der in seinem Heimatland schon legendäre Rinus Michels, hatten in der Bundesliga wenig Erfolg. "Bert van Marwijk ist ein guter Trainer", urteilt das "Algemeen Dagblad", "ob er ein Top-Trainer ist, wird erst sein nächster Klub zeigen."

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