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Bundesliga : Trapattoni gegen Magath - Duell der Trainer-Philosophien

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Wie knacke ich die Bayern? VfB-Trainer Trapattoni Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Im Topspiel der Bundesliga stehen sich Stuttgart und Bayern München auf dem Rasen gegenüber. Doch in den Mittelpunkt rücken die beiden Trainer an der Linie. Eine Begegnung mit der Vergangenheit und das Duell zweier Fußball-Philosophien.

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          Für Giovanni Trapattoni und Felix Magath ist das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München am Samstag (15.30 Uhr/Live bei Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) weit mehr als der prestigeträchtige, emotionsgeladene Süd-Schlager. Für die beiden Top-Trainer geht es bei der 77. Auflage zwischen Schwaben und Bayern neben dem nackten Ergebnis um das Aufeinanderprallen konträrer Fußball-Philosophien und eine Begegnung mit der Vergangenheit.

          „Für mich ist das eine persönliche Herausforderung“, beschrieb Trapattoni das Kräftemessen mit seinem einstigen Klub. „Es gibt noch vereinzelt Kontakte, so drei, vier Mal im Jahr.“ Auch Magath denkt gern an sein erfolgreiches Wirken auf dem Wasen: „Natürlich habe ich zum VfB eine andere Beziehung als zu anderen Vereinen.“ „Bayern war meine erste Auslandsstation“, erinnert sich Trapattoni an seinen Einstieg im Sommer 1994.

          Wenig Gegenliebe für Sicherheits-Fußball

          „Während der ersten Monate hatte ich ein wenig dieselben Schwierigkeiten wie hier. Man sah sofort den Unterschied der verschiedenen Fußball-Schulen.“ Bei seinem ersten, einjährigen Gastspiel beim deutschen Rekordmeister stieß die stark auf Sicherheit fußende Philosophie des Italieners auf wenig Gegenliebe, auch wenn die Kritik nicht ganz so harsch wie jetzt in Stuttgart ausgefallen war.

          Nicht immer spielen die Stuttgarter nach dem Geschmack ihres Star-Trainers

          Erst in seiner zweiten Amtszeit (1996 bis 1998) mit Pokalsieg, Meistertitel und Einzug ins Halbfinale der Champions League erwarb sich der „Mister“ auch in Deutschland den Ruf eines Start-Trainers. „Das sind meine schönsten Erinnerungen“, sagte der wegen seiner Disziplin auch „Il tedesco“ genannte Trapattoni.

          Erfolgsmodell der „Jungen Wilden“

          Magath brachte seine Zeit in Stuttgart die Wende zum Positiven. Der Wandervogel konnte hier nicht nur sein Negativ-Image als vermeintlicher Schleifer („Quälix“) und Feuerwehrmann ablegen, sondern stieg mit dem von ihm aus der Not geborenen Erfolgsmodell der „Jungen Wilden“ auch an die Spitze der deutschen Trainergilde. Der Rettung vor dem Abstieg (2001) folgten die erstmalige Qualifikation für die Champions League (2003) als Krönung sowie in seiner Schlußsaison der Einzug in den UEFA-Pokal-Wettbewerb (2004).

          Dank dieser viel versprechenden Gesellenstücke mit begeisterndem Angriffsfußball hatte sich Magath den Karrieresprung zum Meister erarbeitet. Den VfB verließ er unter anderem deshalb, weil er bei den sparsamen Schwaben mit einer Vereinsführung ohne echten Fußball- Sachverstand keine Basis für einen Vorstoß an die europäische Spitze sah. Mehr als die Vergangenheit steht für beide bei diesem Wiedersehen die Zukunft im Zentrum.

          Kein Rausschmiß bis zur Winterpause

          Mit einem Sieg gegen den Bundesliga-Primus könnte Trapattoni die wachsende Schar der Kritiker fürs Erste mundtot machen. Aber auch im Fall einer - angesichts des unterschiedlichen Kräfteverhältnisses wahrscheinlichen - Niederlage droht dem stark unter Beschuß stehenden Trainer zumindest vor der Winterpause nicht der Rausschmiß.

          Zum einen käme den VfB eine Trennung im Frühjahr wegen entsprechender Vertragsklauseln billiger. Zum anderen würde Präsident Erwin Staudt, der die Verpflichtung des charismatischen Erfolgscoaches fast im Alleingang perfekt gemacht hatte, durch eine frühe Kündigung einen Gesichtsverlust erleiden.

          Immer wieder „Geduld“

          Magath kann im Fall eines Sieges - es wäre dann der 22. Bayern- Erfolg im Daimlerstadion bei nur sieben Unentschieden und zehn Niederlagen - vorzeitig die Herbstmeisterschaft feiern. Auch wenn er keinen Groll gegen die schwäbische Vereinsführung hegt, wäre dies beim ehemaligen Arbeitgeber doch ein kleiner Triumph.

          Für Trapattoni empfindet der 52jährige eher Mitgefühl. „In Philipp Lahm, Kevin Kuranyi und Alexander Hleb haben ganz wichtige Spieler den Verein verlassen. Das steckt man nicht in 14 Tagen weg“, sagte Magath. Die Mannschaft und er hätten sich bei seinem Amtsantritt in München vor einem Jahr ebenfalls neu finden müssen. Immer wieder „Geduld“ fordert auch Trapattoni für seinen Neuaufbau. In dem Punkt sind sich die beiden einig.

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