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Bundesliga-Trainer : Ein Muntermacher, ein Supertyp und ein Chefassistent

Hoffnungsträger 1: Hanspeter Latour soll Köln vor dem Abstieg retten Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Gleich vier Bundesliga-Vereine gehen mit neuen Trainern in die Rückrunde. Damit verbunden ist jeweils die Hoffnung auf sportlichen Erfolg. Doch den gibt es nur, wenn der Neue auch mit seinem Umfeld harmoniert.

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          Dem Türken Özalan Alpay eilt der Ruf voraus, sich mit den Jahren zu einem besonders unfreundlichen Exemplar im Profifußball entwickelt zu haben. Der Abwehrspieler des 1. FC Köln gehörte im vergangenen November zu einem der Rädelsführer bei den häßlichen Szenen nach dem Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel zwischen der Türkei und der Schweiz in Istanbul.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In der Bundesliga handelte er sich kurz darauf einen Platzverweis ein, als er seinem Hamburger Gegenspieler Demel den Ellbogen ins Gesicht rammte. Danach war Alpay, um das Mindeste zu sagen, vollkommen isoliert bei seinem Klub. Symbolisch dafür galt jene Szene auf dem Flughafen in Hamburg, als sich Alpay wenige Stunden nach seiner Roten Karte demonstrativ von der Mannschaft distanzierte, sich mit türkischen Freunden irgendwohin hockte und sich die „Sportschau“ ansah.

          „Ich werde alles für den FC geben“

          Gut einen Monat später staunten die Beobachter beim 1. FC Köln, wenn sie den türkischen Nationalspieler mit dem langen Strafenregister beim Training beobachteten. Der neue Trainer Hanspeter Latour, ausgerechnet ein Schweizer, nennt ihn freundlich „Alpi“, und dabei huschte selbst dem grimmigen Verteidiger ein Lächeln über das Gesicht. Übermütig stürzte sich Alpay mit einer Hechtrolle über das Fußballtennisnetz - trotz Rückenbeschwerden. „Ich werde alles für den FC geben. In Köln fühle ich mich wohl wie zuvor noch an keinem anderen Ort im Ausland.“

          Hoffnungsträger 2: Mirko Slomka soll Schalke noch in die Champions League führen

          Die kleine Episode aus dem neuen Kölner Alltag soll belegen, daß der Bundesliga-Trainerneuling Latour offenbar den richtigen Ton zu treffen pflegt. Der 56 Jahre alte Fußball-Lehrer verkörpert jedenfalls schon vor dem Auftaktspiel an diesem Samstag in Mainz (15.30 Uhr/Live bei Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) wie niemand sonst bei den Rheinländern die Hoffnungen auf ein Happy-End zum Saisonende. Der überwältigenden Mehrheit der Fußballfans - und auch zahlreicher deutscher Experten - ist Latour gleichwohl unbekannt.

          Neue Zuversicht durch Latour

          Selbst Wolfgang Overath, der Präsident des 1. FC Köln, wußte mit dem Namen des Trainers, der schon den FC Thun und den FC Basel mit Erfolg anleitete, nichts anzufangen. Overath setzte bei der Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Uwe Rapolder zunächst auf einen prominenteren Namen. Nach einem mehrstündigen Gespräch mit Latour rückte er aber von seiner Linie ab und unterstützte die Verpflichtung, die auch ein wenig an das Engagement des damals unbekannten Ottmar Hitzfeld in Dortmund erinnert, an der Manager Michael Meier ebenfalls beteiligt war.

          „Er ist ein Mann, der mit jeder Minute, in der man ihn näher kennenlernt, an Format gewinnt und hier alle in seinen Bann ziehen wird“, kündigte Overath danach an. Vor dem ersten Pflichtspiel jedenfalls ist mit dem Schweizer aus dem Berner Oberland neue Zuversicht in Köln eingekehrt. Der Kölner Vizepräsident Jürgen Glowacz spricht schon von einer neuen Mannschaft.

          „Trend, der sich noch verstärken wird“

          „Es wird immer wichtiger, daß der Trainer und das Präsidium harmonieren“, sagt Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, „das ist ein Trend, der sich noch verstärken wird.“ Die Hamburger können als exemplarisches und erfolgreiches Beispiel für erste Ansätze einer Veränderung bei der Frage nach der Suche nach sportlichen Führungskräften gelten. Vor drei Jahren glaubten sie mit Klaus Toppmöller einen Erfolgstrainer mit entsprechenden Referenzen verpflichtet zu haben, doch die Differenzen zwischen der Klubführung und dem Trainer waren von Beginn an erheblich.

          Immer wieder entstand Raum für negative Berichterstattung, obwohl die sportlichen Resultate gar nicht so schlecht waren. „Solche Reibungsverluste kann man reduzieren“, sagt Hoffmann, nachdem der Klub nun mit Thomas Doll einen Trainer gefunden hat, der neben dem sportlichen Erfolg auch die Führungsvorstellungen des Klubs versteht und unterstützt.

          Nicht nur altbekannte Namen

          Ein paar alte Namen, an die sich die Liga über die Jahre gewöhnt hat, haben trotz der großen Fluktuation zum Jahresende keinen Platz erster Klasse mehr gefunden. Der Bundesliga-Feuerwehrmann Jörg Berger etwa, bis vor kurzem noch für jeden Noteinsatz im Gespräch, ist ebenso wie Jürgen Röber oder Klaus Toppmöller, der Schnellmotivator, zum Ende der Vorrunde nicht mehr gefragt gewesen. Toppmöller hat es nun sogar nach Georgien verschlagen.

          Abgesehen von Klaus Augenthaler, der den VfL Wolfsburg nach dem Niedergang unter Holger Fach wieder auf Kurs bringen soll, machen diesmal nicht nur die altbekannten Namen im Trainergeschäft die Runde. Auch der FC Schalke 04 leistet sich mit Mirko Slomka lieber das mutige Experiment mit einem weitgehend namenlosen Trainer bis zum Saisonende - weil der Favorit des Vereins nach der Trennung von Ralf Rangnick nicht zu haben war. „Mirko paßt“, sagt Manager Andreas Müller. Rangnicks Assistent Slomka war bisher nur als verantwortlicher Trainer bei Tennis Borussia Berlin tätig. Er soll Schalke nun in die Champions League führen.

          Der MSV Duisburg wiederum setzt im Abstiegskampf auf Weltmeister Jürgen Kohler - gleichwohl ein Anfänger im Bundesliga-Trainergeschäft. Aber die „Chemie“ zwischen dem einstigen Vorstopper der Nation und dem MSV-Präsidenten Hellmich stimmt schon länger. Er wollte Kohler seit Jahren verpflichten. „Wir haben uns mit einem Supertypen positioniert und schaffen das“, sagt der Präsident. Die Wetten allerdings stehen schlecht. Bei den Buchmachern ist der MSV Duisburg der größte Favorit auf den Abstieg - trotz des Weltmeisters.

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