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Mönchengladbach in Bundesliga : Warum mit der Borussia wieder zu rechnen ist

  • -Aktualisiert am

Spielerische Freude: Borussia Mönchengladbach könnte eine gute Saison bevorstehen. Bild: dpa

Den Gladbachern ist in dieser Saison viel zuzutrauen – und das wissen sie selbst. Mit Dortmund bekommen sie zum Auftakt die Gelegenheit, genau das unter Beweis zu stellen.

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          Ende Juni hat Max Eberl eine SMS bekommen, über die er sich sehr gefreut hat. „Max, danke für alles“, schrieb der Stürmer Marcus Thuram anlässlich seines einjährigen Jubiläums als Angestellter von Borussia Mönchengladbach an den Sportdirektor des Klubs, der seine Bundesligasaison an diesem Samstagabend (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) mit einem Spiel bei Borussia Dortmund beginnen wird. Der junge Stürmer, Sohn des Weltmeisters Lilian Thuram, ein Profi, dessen Entwicklung aufmerksam von den größten Klubs der Welt beobachtet wird, ist offenbar sehr glücklich in der unspektakulären Stadt am Niederrhein. Denn hier ist ein Projekt entstanden, das Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gerade dazu veranlasste, die kleinere der beiden Borussias in den „erweiterten Kreis“ der Meisterschaftskandidaten zu erheben.

          Bundesliga

          Es ist nicht lange her, da hätten die Verantwortlichen hier bei solchen Aussagen abwehrend die Hände gehoben und erklärt: Wir doch nicht! Doch in der vergangenen Saison haben sich ein paar Dinge verschoben in diesem Klub. Die alte Bescheidenheit ist einer kontrollierten Rhetorikoffensive gewichen. „Wenn wir alle gesund sind, dann sehe ich uns tatsächlich in der Lage, gegen jeden Gegner zu bestehen, gegen jeden Gegner zu punkten“, sagt Marco Rose. Die Grenzen zwischen der Zurückhaltung, die in Mönchengladbach seit einem Jahrzehnt gepflegt wird und einem Hang zur Bequemlichkeit sind fließend. Rose ist nicht zuletzt hierhergeholt worden, um den Energielevel anzuheben. Und diese neue Attitüde zeigt sich auf dem Rasen und in den öffentlichen Verlautbarungen. „Wir sind richtig gut“, sagt Rose.

          Und ein bisschen klingt er dabei, als wolle er am liebsten verkünden: Ich will den Titel. Zumal das Team zumindest auf dem Papier wie ein nahezu perfekt komponiertes Erfolgsensemble wirkt. Es gibt auf einem immer noch sehr hohen Niveau spielende Routiniers wie Lars Stindl, Christoph Kramer, Yann Sommer oder Oscar Wendt. Hinzu kommt eine Gruppe von erfahrenen Leuten Mitte 20 wie Matthias Ginter, Stefan Lainer, Alassane Pléa und Großtalente wie Thuram, Denis Zakaria, Florian Neuhaus oder den Neuzugang Hannes Wolf. Mit Wolf von RB Leipzig und Valentino Lazaro von Inter Mailand sind nur zwei Neue dabei, die alten Strukturen, die Entwicklungen des Vorjahres bleiben erhalten. Und selbst jetzt, wo der wichtigste Mittelfeldspieler Zakaria sowie Stürmer Breel Embolo verletzt ausfallen und Pléa und Thuram nach ihren Blessuren noch ihre Wettkampfform suchen, steht sehr viel Qualität zur Verfügung. Die Gladbacher erleben nämlich ein ganz besonderes Jahr: Nach früheren Champions-League-Qualifikationen wurden immer einige der besten Spieler fort gelockt. Inzwischen ist der Klub aber offenbar so attraktiv, dass auch die Stärksten bleiben wollen.

          „Eine Mannschaft mit Champions-League-Erfahrung“

          „Wir haben jetzt eine Mannschaft mit Champions-League-Erfahrung und zusätzlich Spieler, die für mich Champions-League-Niveau haben“, sagte Eberl der „Westdeutschen Zeitung“. Und diese Fußballer arbeiten in einem Klima, in dem es vielen Menschen leichtfällt, sich wohl zu fühlen – auch davon erzählt Thurams SMS. Eberl wird derzeit öfter gefragt, wie er das hinbekommen habe. Er sei kein Miraculix antwortet er. Keiner, der einen Zaubertrank braut, sagt er dann. Sondern „mehr Asterix oder Idefix“, eher „ein Untergrundkämpfer“, dessen Klub auch die Corona-Widrigkeiten besser zu verkraften scheint als viele Konkurrenten. „Unsere Einnahme aus der Champions League war nicht eingeplant, deswegen macht sie es uns jetzt leichter“, sagt Eberl.

          Die Gladbacher haben viel Potential: beste Ausgangslage für Trainer Marco Rose.
          Die Gladbacher haben viel Potential: beste Ausgangslage für Trainer Marco Rose. : Bild: dpa

          Das ebenso kontinuierliche wie gesunde Wachstum dieses Klubs während des zurückliegenden Jahrzehnts ist ja schon oft beschrieben und gefeiert worden. Doch Rummenigges Einschätzung ist nachvollziehbar: So günstig wie diesmal waren die Voraussetzungen für einen außergewöhnlichen Erfolg seit Jahrzehnten nicht. Die Mannschaft spielt Fußball auf der Höhe der Zeit, die Spieler ziehen mit, die langsame und geduldige Aufbauarbeit, die hier verrichtet wurde, könnte in den kommenden zwölf Monaten ihre bislang schönste Blüte treiben. Aber vielleicht liegt gerade in dieser guten Ausgangslage die Gefahr, Fehler zu begehen.

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