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Bundesliga-Spitzenspiel : Super-Bayern in 3-D und Farbe

Mit einer fulminanten Show in die Winterpause: Bayern setzten sich ab Bild: dpa

Eine Halbzeit genügt dem FC Bayern, um die Kräfteverhältnisse gegen vermeintliche Wunderkinder zurechtzurücken. Der Münchner Champagner-Laune steht Rasenballs erster Systemausfall gegenüber.

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          Zur Pause kündigte der Stadionsprecher Spektakuläres an. Eine „3-D-Show“ auf dem Rasen der Münchner Arena, gleich nach dem Schlusspfiff – „sowas haben Sie noch nicht gesehen in einem Fußballstadion“. Die freundliche Einladung hatte es allerdings nicht ganz leicht, durchzudringen. Schließlich hatten die 75.000 Zuschauer da gerade schon eine ziemlich eindrucksvolle Show gesehen, die, gleich, aus welcher Perspektive man sie betrachtete, superlativische Züge trug.

          Was den Bayern nach allgemeiner Einschätzung die beste Leistung der bisherigen Spielzeit war, bedeutete für die Leipziger eine Abfuhr, wie sie es in ihrer noch jungen Bundesligageschichte noch nicht erlebt hatten. In jedem Fall genügten schon die ersten 45 Minuten in der Münchner Arena, um die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball weitaus deutlicher zurechtzurücken, als das allseits erwartet worden war vor diesem Gipfeltreffen der besonderen Art.

          Champagnerlaune in der Chefetage

          Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef der Bayern, befand sich hernach nicht nur in Champagnerlaune, er trug das entsprechende Getränk auch schon in der Hand, als er genüsslich auf die nun für gut vier Wochen gültige Tabellen-Momentaufnahme blickte: „Heute machen wir es ganz nobel.“ Zuerst äußerte er sein Gefallen darüber, dass die Dortmunder, die er unter allen möglichen Rivalen offenbar immer noch am höchsten einschätzt, im Rückspiegel allenfalls mit Mühe zu erkennen sind – bei zwölf Punkten Abstand.

          Was die neue Fußballmacht aus dem Osten betrifft, gönnte Rummenigge sich – bei allem nötigen Respekt natürlich, wie er betonte – auch ein wenig Süffisanz. „Unterm Strich“, sagte er über das Tagesergebnis von 3:0, „ist Rasenballsport, so heißen sie ja, mit dem Ergebnis gut bedient. Das kann auch ein Debakel für sie werden.“ Eine kleine perspektivische Anmerkung schickte Rummenigge den Sachsen gleich noch hinterher. Es werde nun „sicherlich etwas schwieriger“ für sie werden nach diesem „Zeichen für die Bundesliga, dass sie doch verwundbar sind“.

          Nach Antworten, wie ein so deutliches Resultat zweier zuvor punktgleicher Teams zustande kommen konnte, musste nicht allzu lang gesucht werden am späten Mittwochabend. Es kam einiges zusammen, was in der Mischung dafür sorgte, dass die vermeintlichen Leipziger Wunderkinder am Ende wie Schuljungs  vom Platz schlichen.

          Auf Seiten der Bayern erwies sich Carlo Ancelottis Strategie als Maßanfertigung für diesen Anlass – obwohl mancher, etwa der Fernsehexperte Lothar Matthäus, zunächst Verwunderung zeigte und Verwundbarkeit witterte, als die Aufstellung die Runde machte. Ohne Müller und Ribéry, mit Xabi Alonso – konnte das gutgehen gegen die Leipziger Dauer- und Tempoläufer?

          Das ging für Leipzig alles zu schnell

          In der Praxis war es dann eindrucksvoll zu sehen, wie der elegante Alonso aus der Tiefe des Raumes, der Abräumer Vidal an seiner Seite sowie der in jeder Hinsicht vorzügliche Thiago als „Achter“ das Zentrum regierten – und wie sie mit schnellen Verlagerungen auf die Außen die wahren Waffen der Bayern in Position brachten. 

          Dort ging es für die Leipziger dann ein ums andere Mal zu schnell, egal, ob es Robben und Lahm auf der rechten Seite waren oder Douglas Costa auf der rechten. Mit ihren kollektiven Pressingversuchen fanden sie gegen so viel Klasse und Tempo schlicht keinen Zugriff, so dass sie mehrmals in höchste Not gerieten. Das 1:0 durch Thiago (17. Minute) war das Resultat eines solchen Angriffs über Robben und Lahm.

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          Der weitere Verlauf der Münchner Machtdemonstration geschah unter freundlicher Leipziger Mithilfe. Vor dem 2:0 durch Alonso (25.) ließ sich Keita den Ball höchst naiv von Vidal im Mittelfeld abluchsen. Dann folgte jene Szene, die am meisten die Gemüte erhitzte und letztlich dafür sorgte, dass die Verhältnisse schon nach einer halben Stunde geklärt waren.

          Forsbergs Tritt gegen den enteilten Lahm verdiente allemal die Rote Karte, die Schiedsrichter Zwayer nach Beratung mit seinem Assistenten zeigte (30.). „Ich hab‘ ihn nicht kommen sehen“, sagte Lahm später, und: „Ich war froh, dass ich danach aufstehen und wieder normal gehen konnte.“ In Unterzahl ließen sich die Leipziger dann kurz vor der Pause noch einmal kalt erwischen, als Torwart Gulacsi ungestüm Costa zu Fall brachte – Lewandowski verwandelte den fälligen Elfmeter (44.).

          Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick wirkte durchaus angefressen angesichts solcher Fehler. Er beklagte „drei Aussetzer, drei Böcke, wie man sie normalerweise so nicht kennt von uns“. Für Trainer Ralph Hasenhüttl war es eine „Lehrstunde“, die er nicht zuletzt auf körperliche Defizite zurückführte. Der „eine oder andere auf dem Platz“, sagte er und meinte vor allem Keita und Bernardo, sei „nicht topfit“ gewesen – ein Schuh, den er sich selbst anziehe, sagte Hasenhüttl, wenngleich er offenbar auch von den Spielern zuvor bessere Signale erhalten hatte. „Unser System“, erklärte Hasenhüttl jedenfalls, „funktioniert nur dann, wenn wir mit allen Mann synchron agieren.“ So stand am Ende eines bis dato furiosen Leipziger Halbjahres ein Systemausfall, der einerseits zu verschmerzen war, andererseits aber dennoch wehtat: eine Lehrstunde in 3-D und Farbe.

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