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Bundesliga : Sammer beim VfB, van Marwijk auf dem Weg zum BVB

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VfB statt BVB: Matthias Sammer Bild: REUTERS

Matthias Sammer tritt beim VfB Stuttgart die Nachfolge von Felix Magath an. Borussia Dortmund wird wohl an diesem Dienstag den Holländer Bert van Marwijk als neuen Trainer vorstellen.

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          Es ist noch nicht lange her, da wäre Matthias Sammer am liebsten "für immer" in Dortmund geblieben. Nun aber, einige Monate später, ist der Trainer der Borussia dahin zurückgekehrt, wo er als Spieler erste Erfolge in der Fußball-Bundesliga feierte. Seit dem Pfingstmontag steht fest, daß Sammer beim VfB Stuttgart Nachfolger des zum FC Bayern München gewechselten Felix Magath wird.

          Während die Schwaben ihren Coach, der den VfB 1992 auf dem Platz zur deutschen Meisterschaft führte, schon voller Stolz präsentierten, wird Borussia Dortmund voraussichtlich an diesem Dienstag seinen neuen Trainer vorstellen. Er wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Bert van Marwijk heißen, ist 52 Jahre alt, Niederländer und hat zuletzt Feyenoord Rotterdam, den Tabellendritten der Ehrendivision, betreut. Der wortkarge Mann gilt in Holland neben Ronald Koeman von Meister Ajax Amsterdam als Shooting Star der Trainergilde.

          „Einen besonderen Trainer für einen besonderen Verein“

          Sobald die wichtigsten Trainerpersonalien der Bundesliga zwischen der alten und der neuen Saison abschließend geklärt sind, zeichnen sich reizvolle Perspektiven für die kommende Spielzeit ab. Daß zur selben Zeit gleich drei Chefposten bei drei führenden deutschen Vereinen neu besetzt werden, hat es in der Geschichte der höchsten Spielklasse nämlich nicht oft gegeben. Wie Magath den FC Bayern wieder von Platz zwei auf Rang eins führen will, wird sich bald zeigen; daß Sammer die Stuttgarter und van Marwijk die Dortmunder in die Lage versetzen wollen, sich aufs neue für die Champions League zu qualifizieren, darf ebenfalls als sicher unterstellt werden.

          Der 36 Jahre alte Sammer, der beim VfB einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2007 unterschrieb, sagte bei seinem Comeback in Stuttgart am Montag: "Es ging alles sehr schnell in den letzten Tagen. Ich werde versuchen, die gute Arbeit von Magath fortzusetzen. Die Perspektive ist mit einem jungen und hungrigen Team mit älteren Leitwölfen gegeben." Zuversichtlich äußerte sich auch VfB-Präsident Erwin Staudt: "Wir wollten für einen besonderen Verein einen besonderen Trainer, der den Verein, die Liga und den europäischen Fußball kennt. Die jungen Wilden sollen ausgebaut werden." Anders als Magath wird sich Sammer auf dem Cannstatter Wasen ausschließlich auf seinen Trainerberuf konzentrieren; die begleitenden Manager-Aufgaben, die sein Vorgänger ebenfalls zu lösen versuchte, liegen ab sofort in den Händen von VfB-Vorstandsassistent Jochen Schneider und "Chefscout" Herbert Trien.

          Sammers BVB unterlag in entscheidenden Spielen

          Am Pfingstsonntag hatten sich die Dortmunder mit Sammer auf die Auflösung des bis zum 30. Juni 2006 datierten Vertrages geeinigt. "Wir sind gemeinsam und einvernehmlich zu der Meinung gelangt, daß die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt die beste Lösung ist, auch wenn sie allen Beteiligten schwerfällt", kommentierte der Präsident Gerd Niebaum die Entscheidung. "Mit Matthias Sammer verläßt uns ein Freund, mit dem wir große Erfolge als Spieler und Trainer errungen haben und der ein hohes Maß an persönlicher Bindung zum BVB besitzt." Mit dem 51maligen Nationalspieler Sammer eroberte die Borussia 1995 und 1996 die deutsche Meisterschaft sowie 1997 die Champions League; der Trainer Sammer machte 2002 sein erstes Meisterstück.

          In dieser Saison aber klemmte es in der Zusammenarbeit zwischen Trainer und Mannschaft, auch bedingt durch eine beispiellose Verletztenserie. Sammer, seit 1993 beim inzwischen finanziell klammen BVB, schaffte es nicht mehr, entscheidende Begegnungen zugunsten der Dortmunder zu beeinflussen. Das Team verspielte Ende der Bundesliga-Spielzeit 2002/03 durch ein 1:1 gegen Absteiger Cottbus die direkte Qualifikation zur Champions League, scheiterte in den Qualifikationsbegegnungen zur europäischen "Königsklasse" am FC Brügge, schied im UEFA-Pokalwettbewerb früh gegen den FC Sochaux aus und verpaßte zum Ende der Bundesligasaison durch ein 1:1 in Kaiserslautern das Erreichen eines UEFA-Pokalplatzes für die neue Spielzeit.

          "Geld spielt im Leben nicht immer eine Rolle"

          "Wenn wir auch über den bevorstehenden Umweg UI-Cup den Sprung in den UEFA-Pokal versäumen, wäre das ganze Trainertheater wieder von neuem losgegangen", sagte Manager Michael Meier zur Trennung von Sammer. Diese Situation wollten sich alle Beteiligten ersparen. Meier hob die "Größe" von Sammer hervor, bei der Vertragsauflösung keinerlei finanzielle Entschädigung verlangt zu haben. "Geld spielt im Leben nicht immer eine Rolle", sagte der Trainer, der auch in Dortmund zukünftig auf vierzig Prozent seines Gehalts verzichtet hätte. Während Sammer beim BVB knapp drei Millionen Euro im Jahr verdiente, soll sich sein Stuttgarter Gehalt auf 1,5 Millionen Euro belaufen.

          Sammers mutmaßlicher Nachfolger van Marwijk wird in der kommenden Spielzeit, wie aus Dortmunder Insiderzirkeln verlautet, weiter mit den Diensten des tschechischen Regisseurs Tomas Rosicky rechnen dürfen; dagegen richten sich die auf erhebliche Transfererlöse und eingesparte Gehälter angewiesenen Borussen darauf ein, Nationalspieler Torsten Frings an den FC Bayern München zu transferieren. Wenn, dann allerdings nur zu einem zweistelligen Millionenbetrag.

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