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Bundesliga-Rechte : Den Fußballfans droht ein Kulturschock

Es geht 2012 um die mediale Zukunft der Bundesliga und einen Milliarden-Deal Bild: AP

Die DFL hat das Ausschreibungsverfahren für Fernsehsender und Vermarkter eröffnet. Die Rechtevergabe verspricht viel Spannung - vor allem in den neuen Medien. Die Branche sieht große Perspektiven.

          Aus deutscher Sicht ist das Fußballjahr 2012 ein Jahr der großen Entscheidungen. Es wird zum Beispiel eine Antwort auf die Frage geben, ob die Nationalelf den ersehnten Titel bei der Europameisterschaft gewinnen kann. Auch das Abschneiden des FC Bayern München hat diesmal eine spezielle Bedeutung, weil der Herbstmeister in der Champions League das Finale im eigenen Stadion erreichen und seinen vielen Fans im Land damit einen Traum erfüllen könnte.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber nicht nur das: Es geht 2012 auch um die mediale Zukunft der Bundesliga und einen Milliarden-Deal, der bis Mitte des Jahres perfekt sein soll. Neue Sendeplattformen, neue Technologien und Verbreitungswege könnten für tiefgreifende Veränderungen sorgen.

          Bis spätestens zum Ende dieser Saison soll die Auktion um die TV-Rechte an der ersten sowie zweiten Liga abgeschlossen sein und der Fernsehvertrag von den Spielzeiten 2013/2014 bis 2016/2017 stehen. Am Montag hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) das Ausschreibungsverfahren für TV-Sender oder Vermarkter eröffnet. In Absprache mit dem Bundeskartellamt werden 23 Rechtepakete angeboten, die einen schwunghaften Handel entfachen sollen.

          Theoretisch könnte alles so weiterlaufen wie bisher mit einer Live-Schiene beim Bezahlsender Sky, Zusammenfassungen in der ARD und beim ZDF sowie mit Sport 1 in der zweiten Liga. Doch die DFL überlegt, von 2013 an statt in der arrivierten ARD-“Sportschau“ die erste frei empfangbare Zusammenfassung von den Samstagsspielen der ersten Liga über Internet und mobile Endgeräte anzubieten. „Wir bluffen nicht. Jedes Szenario ist realistisch“, hieß es zuletzt bei der Liga. Für manch traditionellen Fan wäre das ein Kulturschock - aber es wäre doch nur konsequent.

          Eine der „spannendsten Rechtevergaben“

          Die Zahl der DSL-Breitbandanschlüsse steigt rasant. Im Jahr 2014 sollen 75 Prozent aller Haushalte in Deutschland über solche leistungsfähigen Zugänge verfügen. Dazu boomt das mobile Internet. Eine repräsentative Umfrage ergab, dass zu Weihnachten 16 Prozent der Bundesbürger Smartphones und Handys sowie 13 Prozent Tabletcomputer verschenken oder anschaffen wollen. In diesem Trend werden von der Fußballbranche große Chancen gesehen.

          „Es ließen sich für die Bundesliga neue Zielgruppen erschließen, die nicht mehr nur die klassischen Medien nutzen, sondern schon längst in der digitalen Welt zu Hause sind“, sagt der Hoffenheimer Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus. Er spricht von einer der „spannendsten Rechtevergaben“. Angeboten werden über das Szenario einer „Internet-Sportschau“ hinaus weitere Pakete zur Clipverwertung über Mobilfunk und Web-TV.

          Neue Sendeplattformen, neue Technologien und Verbreitungswege könnten für tiefgreifende Veränderungen sorgen

          Angesprochen werden sollen die neuen Medien. Große Internetkonzerne bemühen sich schon um Sportrechte, und sie haben auch die finanzielle Kraft dafür. Youtube als Tochterunternehmen von Google ist schon im Kricket und Baseball aktiv geworden. Die Telekom überträgt Bundesligaspiele live im Netz mit ihrem IPTV-Angebot „Liga Total“ in Konkurrenz zum Pay-TV-Sender Sky. Und Yahoo zeigt ganz aktuell Interesse am Bundesligafußball - genauso wie der Springer-Konzern. Gerade für Internetportale wie zum Beispiel „Bild.de“ mit großen Reichweiten in der interessanten Werbezielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kann hochklassiger Fußball wie bei klassischen TV-Sendern als „Killerapplikation“ wirken, mit der man den Markt entert.

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