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Mainz 05 : Krise am Bruchweg

  • -Aktualisiert am

Nur eine Frage der Zeit: Beierlorzers Tage in Mainz sind offenbar gezählt. Bild: Markus Herkert/Jan Huebner

Auf den Spielerstreik folgt die nächste Krise für Mainz: Trainer Beierlorzer steht nach dem 1:4 gegen Stuttgart vor dem Aus. Doch kann sich der Klub einen Ersatz leisten?

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          Am Sonntagvormittag sah am Mainzer Bruchweg noch alles nach normalem Geschäftsbetrieb aus. Achim Beierlorzer, der nach der 1:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart am Vortag noch wie selbstverständlich davon geredet hatte, seine Mannschaft auf das Spiel bei Union Berlin vorzubereiten, leitete das Regenerationstraining seiner Profis.

          Bundesliga

          Danach allerdings bat die Vereinsführung den Cheftrainer vorübergehend zu ihrer laufenden Krisensitzung hinzu. Bislang lag noch kein Ergebnis vor, alles andere als eine Trennung von dem 52-Jährigen aber, der erst im November vorigen Jahres Sandro Schwarz’ Nachfolge angetreten hatte, wäre eine Überraschung. Sportvorstand Rouven Schröder hatte vor der Stuttgart-Partie von einer „bedenklichen Gesamtlage“ gesprochen, hinterher kündigte er eine „ergebnisoffene Analyse“ an. Auf die Frage, ob Beierlorzer im Amt bleibe, sagte er: „Das kann ich nicht bestätigen.“

          Hatte die Mainzer Welt nach dem 5:1 im DFB-Pokalspiel gegen den TSV Havelse noch heil gewirkt, waren nach dem Bundesliga-Auftakt immer mehr Risse aufgetreten. Als da waren: Die taktischen Fehler beim 1:3 in Leipzig am Sonntag, die Beierlorzer entweder nicht erkannte oder die ihn zumindest nicht zu einer frühzeitigen Veränderung bewogen. Die Suspendierung Ádám Szalais am Dienstag mit dem unglaubwürdigen Verweis auf sportliche Gründe. Der Spielerstreik am Mittwoch. Der Versuch, die Vorgänge bei einer Pressekonferenz zu erklären, der dem Verein am Donnerstag um die Ohren flog. Die desolate Leistung beim 1:4 am Samstag. Dazu die Diskussion über die Rückzahlung der Gehaltsanteile, auf die die Profis wegen der coronabedingten Finanzprobleme des Klubs verzichtet hatten.

          „Die Woche hat uns allen geschadet“, befand Schröder. Vorstandsvorsitzender Stefan Hofmann räumte in einer auf der Vereinsseite veröffentlichten Erklärung ein, die Weigerung der Mannschaft, zum Training anzutreten, sei ein Schritt gewesen, „den ich persönlich nicht für möglich gehalten hätte. Dies hat den gesamten Verein erschüttert und wirkt immer noch nach. Deswegen können wir als Vereinsführung nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Wir sind dabei, diesen Vorgang gründlich aufzuarbeiten.“ Was auch immer noch am Ende dieser Aufarbeitung stehen wird: In einem ersten Schritt sind die Verantwortlichen zu dem Schluss gekommen, dass es mit Beierlorzer nicht weitergehen kann. Schon deshalb nicht, weil das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer zerrüttet ist.

          Fehlendes Vertrauen und Geld

          Dass Beierlorzer selbst immer wieder betonte, dieses Verhältnis sei völlig intakt, war möglicherweise kein Versuch, die Dinge schönzureden – der Trainer war anscheinend tatsächlich dieser Meinung. Zusammen mit seiner Einschätzung des Streiks, den er als reine Solidaritätsaktion mit Szalai bewertete, aber nicht gegen seine Person gerichtet sah, ergibt dies eine gewisse Weltfremdheit des 52-Jährigen. Möglicherweise fehlen dem Fußballlehrer schlicht die Antennen, um wahrzunehmen, welcher Graben sich zur Mannschaft aufgetan hat. Ein Prozess, der nicht erst vor Tagen, sondern schon in der Rückrunde der vorigen Saison begonnen hat.

          Nicht minder groß ist das Loch im Mainzer Etat. Sich einen neuen Trainer von außen zu leisten ist angesichts der Tatsache, dass neben einem freigestellten Beierlorzer auch Vorgänger Schwarz bis Mitte 2022 auf der Gehaltsliste steht, nahezu ausgeschlossen. Welche Möglichkeiten also bleiben? In Frage kommen könnte eine Interimslösung mit Ko-Trainer Jan-Moritz Lichte, ins Gespräch gebracht wurde auch Jan Siewert, seit Ende Juni Junioren-Cheftrainer am Bruchweg und zuvor unter anderem kurzzeitig Cheftrainer des englischen Premier-League-Klubs Huddersfield Town – als Nachfolger des am Sonntag auf Schalke entlassenen David Wagner. Oder aber die 05-Verantwortlichen treffen eine unkonventionelle Entscheidung und holen Schwarz an den Bruchweg zurück. Es könnte die Rückkehr auf den einst so gerne beschworenen Mainzer Weg sein.

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