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Wolfsburg zahlt 30 Millionen : Kritik aus Bundesliga an Schürrle-Transfer

Und er läuft und läuft und läuft: André Schürrle hat am Dienstag in Wolfsburg seine ersten Trainingsrunden gedreht Bild: dpa

André Schürrle kommt nach einem absurden Transfer-Schauspiel nach Wolfsburg. Mit dem Weltmeister will der VfL die Bayern ärgern. Die Ablösesumme von rund 30 Millionen Euro sorgt in der Bundesliga aber für Unbehagen.

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          Im Grunde war es ein absurdes Schauspiel, das sich bis in den Montagabend zog. André Schürrle und der VfL Wolfsburg, dieses Paar stand eigentlich schon seit einigen Tagen als frische Liaison auf dem Fußball-Kontaktmarkt fest. Der VfL wollte, Schürrle wollte – er hatte am Freitagabend sogar schon per SMS dem Wolfsburger Trainer Dieter Hecking zum Sieg über die Bayern gratuliert. Und die Branche sprach über den Deal, als wäre er längst unter Dach und Fach. Dass es dann am Montag sogar bis nach 18 Uhr dauerte, ehe Vollzug gemeldet wurde, und damit über die Schließung des Transferfensters hinaus, hing – natürlich – am Geld.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Es war in den vergangenen Tagen noch hart verhandelt worden, wie Klaus Allofs es schilderte. Und zuletzt dürfte der mittlerweile übliche Last-Minute-Poker im Transferbusiness für die Verzögerung gesorgt haben: Etliche Deals bleiben bis kurz vor Ultimo in der Schwebe, weil es oft um mehr geht als nur einen singulären Transfer – das war schon bei Mesut Özils Wechsel zum FC Arsenal so gewesen. In diesem Falle war der Kolumbianer Juan Cuadrado mit von der Partie, den Chelsea als Schürrle-Ersatz eingeplant hat.

          So funktioniert der Einstand beim neuen Klub heute: André Schürrle folgt nun dem VfL Wolfsburg und den neuen Teamkameraden
          So funktioniert der Einstand beim neuen Klub heute: André Schürrle folgt nun dem VfL Wolfsburg und den neuen Teamkameraden : Bild: Twitter/Andre_Schuerrle

          So erschien Schürrles Name zwar kurz vor zwölf Uhr auf der Transferliste der Deutschen Fußball Liga, womit die erste Deadline für den Wechsel gerade noch eingehalten wurde. In der Pressekonferenz aber zum Ligaspiel an diesem Dienstag in Frankfurt, die um 12.30 Uhr begann, musste Geschäftsführer Allofs weiter lavieren. Am Ende war der Weg wie zu erwarten frei für Schürrle.

          Der 24 Jahre alte Weltmeister und Vorbereiter des Final-Tores von Rio de Janeiro spielt von nun an für den VfL Wolfsburg in der Bundesliga – wenn auch wohl noch nicht an diesem Dienstag, an dem der VfL bei Eintracht Frankfurt antritt (20.00 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET). Sein Vertrag soll bis 2019 laufen und war dem VfL eine Rekordablöse wert, die zwischen 30 und 32 Millionen Euro liegen dürfte.

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          Grund zur Freude war das am Rande auch für den FSV Mainz, Schürrles früheren Klub, der an dem Deal mit rund 750.000 Euro profitierte. Für den VfL ist es sportlich ohne Frage ein Gewinn. Auch wenn Schürrle in London nicht wie erhofft zum Zuge kam, ist der frühere Mainzer und Leverkusener ein Mann, der mit seinem Tempo, seiner Entschlossenheit ein gewisses Extra in ein ambitioniertes Team einbringen kann.

          Und gewiss ist auch der Zeitpunkt günstig: der Platz in der nationalen Hierarchie hinter – oder irgendwann gar neben? – dem FC Bayern München ist derzeit nicht anderweitig besetzt. Es gibt aber noch andere Fragen, die sich im Kontext des Wolfsburger Rekordtransfers stellen. Ob der Preis wirklich in einem vernünftigen Verhältnis zu Schürrles Qualitäten steht, zum Beispiel. Und, ob es überhaupt noch marktüblichen Maßstäben entspricht, wie der VfL Wolfsburg agiert. Wofür sich dann auch andere brennend interessieren.

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          Für Heribert Bruchhagen etwa war das alles offenbar etwas zu viel. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. 32 Millionen für Schürrle – ja wo sind wir denn gelandet“, sagte der Vorstandschef von Eintracht Frankfurt am Sonntagabend vor der Fernsehkamera von „Sky“, also noch bevor der Deal perfekt war. Und fügte hinzu: „Ohne Klaus Allofs wehzutun, das Paket kostet bei einem Dreijahresvertrag 50 Millionen Euro. Ich kann das nachvollziehen, aber mir ist das ein bisschen unheimlich.“

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