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Bundesliga-Kommentar : Spanischer als in Spanien

Krasse Leistungsunterschiede: Dortmund gewinnt in Fürth auch dank Lewandowski mit 6:1 Bild: REUTERS

Nur die Bayern und Dortmund ragen heraus, der Rest der Bundesliga nivelliert sich. Damit herrschen noch ärgere Verhältnisse als in Spanien.

          Man spürt schon jetzt, dass die deutsch-spanischen Fußballfestwochen, die in acht Tagen in München und Dortmund beginnen und sich dann vielleicht sogar bis zum 25. Mai nach Wembley verlängern, für den deutschen Klubfußball den Höhepunkt der Saison bedeuten, wenn nicht gar der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Vom Glanz der Duelle mit Barcelona und Madrid ist nun sogar etwas für die deutsche Provinz abgefallen - José Mourinho als Tribünengast in der fränkischen Trolli Arena der Spielvereinigung Greuther Fürth, das ist nun wirklich zu drollig.

          Mit ganz neuen Erkenntnissen wird der coolste Coach der Champions League nach dem 6:1-Sieg der Dortmunder zwar kaum nach Madrid zurückgekehrt sein. Aber dass es mit einem jahrelangen Lieblingsargument der Deutschen Fußball Liga, weshalb die Bundesliga so attraktiv sei, nicht mehr weit her ist, hat Mourinho am 29. Spieltag ganz exemplarisch miterleben dürfen - von Vielfalt an der deutschen Spitze kann schon etwas länger, aber mittlerweile überhaupt nicht mehr die Rede sein.

          Der FC Bayern und Dortmund haben nur wenige Tage nach herausfordernden Viertelfinalsiegen der nationalen Konkurrenz sozusagen mit links gezeigt, dass sie rund um die Uhr in ihrer eigenen Liga spielen. 6:1 in Fürth, 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg - das macht insgesamt und wie nebenbei ein 10:1 für das deutsche Spitzendoppel. Früher konnten die Kleinen der Liga noch hoffen, dass zumindest solche Spieltage für Überraschungen gut sind. Der FC St. Pauli feierte sich vor rund zehn Jahren nach einem 2:1 gegen den FC Bayern, die damals beste Mannschaft der Welt, noch als „Weltpokalsiegerbesieger“ - und stieg dann ab.

          Betonierte Verhältnisse

          Heute ist es nicht gewagt zu behaupten: Wenn der FC Bayern seine sogenannte B-Elf als eigenes Team in der Liga antreten lassen dürfte, dann wäre auch die zweite Wahl der Münchner ein erster Kandidat für die Champions League. Die eklatante Überlegenheit, mit der Bayern/Borussia die Liga dominieren, lässt sich in dieser Saison besonders eindrücklich an der Tordifferenz ablesen. Das Führungsdoppel kommt mittlerweile auf eine Tordifferenz von 107. Es gibt ansonsten nur noch fünf Teams, die eine positive Tordifferenz aufweisen - zusammen kommen sie auf ein Plus von gerade 28 Toren. Selbst Schalke, ein Champions-League-Kandidat, liegt nur fünf Tore über dem Strich. In der vergangenen Saison waren es am Ende neben dem Meisterdoppel sogar nur vier Klubs mit positiver Tordifferenz.

          Mit anderen Worten: Das sind spanischere Verhältnisse als in Spanien - da stand es am Samstag zwischen Barcelona/Madrid und dem Rest der Primera División 108:70. In England, Italien und Frankreich sind die Verhältnisse auch etwas weniger einseitig, aber gleichwohl festgefügt. Spannung im Titelkampf gibt es einen Monat vor Saisonschluss jedenfalls in keiner der fünf führenden Ligen, zehn Punkte Vorsprung des Tabellenführers sind das Minimum. Das ist der Preis einer Champions League, die immer besser wird. Nirgendwo jedoch fallen die Unterschiede derzeit (und im Vorjahr) deutlicher als in Deutschland aus. Und es sieht nicht danach aus, als ob sich in der Bundesliga daran so schnell etwas ändern könnte, ganz im Gegenteil.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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