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Bundesliga-Kommentar : Sinnvolle Soforthilfe

  • -Aktualisiert am

Neues Gesicht: Xabi Alonso trägt bis 2016 die Münchner Farben Bild: dpa

Der FC Bayern und Borussia Dortmund setzen mit den Verpflichtungen von Alonso und Kagawa Zeichen: Die Fußball-Bundesliga wertet ihr Renommee weiter auf - ohne den großen Transfer-Wahnsinn in England oder Spanien zu kopieren.

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          Dass in Deutschland ganz ordentlicher Fußball gespielt wird, hatte sich an jenem 13. Juli in Rio de Janeiro zwar aktenkundig gezeigt, aber irgendwie schien die Bundesliga, immerhin ja die Weltmeisterliga, doch kein gelobtes Land für die Stars dieser Welt zu sein.

          Die Rekordtransfers gingen woanders vonstatten, in England und in Spanien, wo es die WM-Stars, beim Blick auf ihr Bankkonto sicher aus guten Gründen, hinzog. 70, 80, 90 Millionen Euro wechselten da flugs den Besitzer, und die anscheinend rund 26 Millionen, die der FC Bayern für den marokkanischen Abwehrspieler Mehdi Benatia hinblätterte, wirkten da nur wie Peanuts.

          Überhitzte Branche

          Spektakuläre Transfers waren also ausgeblieben, sieht man einmal von Robert Lewandowski ab, dessen Wechsel von Dortmund zu den Bayern etwas unterging, weil er eben mit keiner Ablösesumme verbunden war. Auf die Schnelle aber haben die Bayern und auch der BVB nun nachgebessert, und das zu Preisen in knapp zweistelliger Millionenhöhe, die in der durch üppige Fernsehgelder überhitzten Branche als absolute Schnäppchen durchgehen.

          Flüchten da aber mit Xabi Alonso und Shinji Kagawa zwei Spieler nur vor der großen Konkurrenz in den abgebenden Vereinen in den sicheren Hafen Bundesliga? Klänge auf den ersten Blick logisch, erweist sich aber nicht als stichhaltig.

          Auf Anhieb mittendrin: Xabi Alonso
          Auf Anhieb mittendrin: Xabi Alonso : Bild: dpa

          Im defensiven Mittelfeld hätte Alonso trotz des Einkaufs von Toni Kroos bei Real Madrid deutlich weniger Konkurrenten gehabt als bei Bayern München, das, wenn alle Spieler wieder gesund sind, gerade auf dieser Position eine illustre Auswahl besitzt. Das aber gilt auch für Kagawa, dessen Rückkehr nicht frei vom romantischen Ansatz ist, dass da ein verlorener Sohn wieder zurückkehrt. Ein Selbstläufer aber ist die Sache auch für den Japaner nicht, weil für den BVB dasselbe gilt wie für die Bayern: Sind alle Spieler wieder an Bord, ist die offensive Auswahl beeindruckend.

          Mit Sicherheit ein Gewinn

          Fußball aber finde im Hier und Jetzt statt, sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola, und nicht anders wird das sein Kollege Jürgen Klopp sehen. Eine lange Anlaufzeit müssen beide bei ihren Zugängen nicht befürchten - bei Xabi Alonso hat sich das bei erster Gelegenheit gleich bestätigt, und Kagawa hat trotz seiner beiden mäßigen Jahre bei Manchester United den unschätzbaren Vorteil, das Dortmunder System zu kennen und in Klopp einen Förderer der besonderen Art zu haben.

          Da bist du ja wieder! Klopp und Kagawa kennen sich aus der Zusammenarbeit von 2010 bis 2012
          Da bist du ja wieder! Klopp und Kagawa kennen sich aus der Zusammenarbeit von 2010 bis 2012 : Bild: dpa

          Beide werden ihren Verein also mit einiger Sicherheit voranbringen, und das ganz nach dem Geschmack der Deutschen Fußball-Liga: Mit Bedacht und Weitblick geholt, dazu die wirtschaftlichen und sportlichen Risiken abwägend - auch so hat sich die Bundesliga zumindest auf Champions-League-Niveau einen bemerkenswerten Ruf erworben, ohne den ganz großen Wahnsinn mitzumachen oder wegen noch fehlender Einnahmequellen aus der Auslandsvermarktung ernsthaft mithalten zu können, wenn es um die Topstars geht.

          Die WM fordert ihren Tribut

          Wie schnell die endgültige Integration der Zugänge nicht nur in München und Dortmund, sondern auch bei den Vereinen geht, die sich bis zum Schließen der Transferperiode an diesem Montag noch bedienen, ist allerdings nicht abzusehen.

          Die WM fordert bei einigen Vereinen ihren Tribut, und deshalb ist der Verdruss der Trainer verständlich, wenn sie sich in der Länderspielpause umsehen und nicht wissen, wen sie trainieren sollen. Xabi Alonso und Kagawa werden allerdings da sein.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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