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Bundesliga-Fernsehrechte : Kein Angriff auf Europa

Erlös der Fernsehrechte: Bisschen mehr als das Jahresgehalt von Franck Ribéry Bild: AFP

Dass die Vermarktung der Bundesliga einen Rekorderlös einspielt, liegt an einem Mix äußerst günstiger Bedingungen. Das ist gut für den deutschen Fußball, verändert aber nicht die Welt.

          Gute Unterhaltung hat ihren Preis. Mit dieser Ansage war die Fußball-Bundesliga in das Milliardenspiel um den Verkauf der Fernsehrechte gegangen - und hat gewonnen. Und wie. Sogar viel mehr, als die Verantwortlichen der Deutschen Fußball Liga erwartet hätten. Dass die Vermarktung unter dem Strich für die vier Spielzeiten von 2013 bis 2017 einen überraschend hohen Rekorderlös von durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Saison einspielt, liegt an einem Mix äußerst günstiger Bedingungen, der diesem respektablen Ergebnis zugrunde liegt.

          Erstens: Die deutsche Liga ist vielleicht nicht so „sexy“ wie die Fußballbühnen der Superstars in England oder Spanien. Aber voller sportlicher Überraschungen, ausgeglichener als die anderen Spielrunden in Europa und leistungsstärker denn je. Dazu verfügt sie inzwischen mit den Dortmundern über einen faszinierenden Gegenpol zum FC Bayern. Außerdem laufen die meisten Spieler der deutschen Nationalmannschaft, die nach langer Zeit wieder Titelhoffnungen verbreitet, Woche für Woche in den Bundesligastadien auf und sind für das Publikum präsent.

          Zweitens: Während in der Vergangenheit die Kirch-Pleite, das Desaster mit dem Bezahlsender Arena, eine ausgewachsene Wirtschaftskrise und der geplatzte Sirius-Deal die Liga ungünstig trafen, hat bei dieser Auktion ein breiterer Wettbewerb (15 Bieter auf verschiedenen Feldern) zu der Hausse geführt. Das gilt vor allem für den exklusiven Pay-TV-Sektor mit dem Bieterkampf zwischen Sky und Telekom, der den Preis maßgeblich hochgetrieben hat.

          Drittens: Das Ligamanagement hat die größere Nachfrage genutzt und durch eine geschickte Zusammenstellung von unterschiedlichsten Rechtepaketen und Szenarien die Auktion aufgeschaukelt. Zugleich wurde in fast zweijähriger, enger Abstimmung mit dem Kartellamt eine solide Basis für die Milliarden-Entscheidung geschaffen.

          Ist dieser Erfolg nun der Sprung in eine neue Dimension, bedeutet er den Angriff der Bundesliga auf Europa? Noch nicht. Die deutschen Topklubs werden die nächsten Jahre von diesem Vertrag sehr gut leben können. Und sie rücken auch wirtschaftlich einen weiteren Schritt heran an andere Topligen. Anderseits bewirken 50 Prozent mehr bei den Fernsehrechten eine Steigerung der Gesamteinnahmen (zwei Milliarden) pro Jahr von zehn Prozent. Das ist eine sehr gute Rate, die aber nicht die Welt verändert.

          Und solange großzügige Financiers Milliarden-Verbindlichkeiten tragen wie in England und Italien oder der Staat wie in Spanien über die Streichung von Steuerschulden der Klubs in Höhe von hunderten Millionen nachdenkt, kann selbst ein Wachstumsvertrag wie dieser nicht zum entscheidenden Schub in die Spitzenposition verhelfen. Das zeigt eine einfache Rechnung: 200 Millionen Euro mehr Fernsehgeld pro Saison für die ganze Bundesliga bedeuten, dass beim ersten von 18 Vereinen im Verteiler-Ranking gerade mal zwölf Millionen Euro mehr am Ende einer Saison ankommen. Das ist viel Geld, aber auch nur ein bisschen mehr als das Jahresgehalt eines der Stars beim FC Bayern - zum Beispiel Franck Ribéry.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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