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Bundesliga : Ein Chef

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Ein Führungsspieler: Valerien Ismael Bild: dpa/dpaweb

"Nennt mich Ismael." So lautet der erste Satz in Melvilles "Moby Dick". Ähnlich muß man sich den Einstand von Valerien Ismael in Bremen vorstellen. Aber mit viel mehr Nachdruck, um zu zeigen, daß hier jemand eine Führungsposition will.

          "Nennt mich Ismael." So lautet der erste Satz in Herman Melvilles "Moby Dick". Ähnlich muß man sich auch den Einstand von Valerien Ismael bei Werder Bremen vorstellen. Aber mit viel mehr Nachdruck gesprochen, um sogleich zu zeigen, daß hier jemand eine Führungsposition will. Als Valerien Ismael im Sommer 2003 zu den Bremern kam, kannte ihn nur Sportdirektor Klaus Allofs. Allofs ist seit seinen Jahren als Profi in Frankreich Fachmann für Verpflichtungen aus der Abteilung Delikatesse. Siehe Johan Micoud.

          Doch dieser lange Innenverteidiger, den Allofs da von Racing Straßburg ausgeliehen hatte, der stand eher für Deftiges: Gleich im zweiten wichtigen Heimspiel, dem UI-Cup-Halbfinale gegen Pasching, triezte und schubste, ärgerte und foulte Ismael seinen Gegenspieler (den heutigen Schalker Eduard Glieder) ohne Unterlaß. Beim Bremer Ausscheiden im Strohhalm-Cup war er der einzige, der sich wehrte. Sofort war klar, daß Bremen mehr als einen Ersatz für Frank Verlaat gefunden hatte.

          Nach dem 2:0 gegen Dortmund lobte Allofs: "Valerien spielt schon die ganze Runde herausragend." Er bietet mit seiner Energie, seinem Gestaltungswillen, aber auch seiner Unbequemlichkeit den Kollegen gegenüber die Gewähr, daß es bei Werder keine Selbstzufriedenheit gibt. Und neuerdings trifft er auch ins Tor. Das 1:0 per Freistoß war ihm eine Genugtuung. Es war nämlich die Antwort auf sein unglückseliges Eigentor beim Hinspiel im Westfalenstadion, als ihm der Ball von der Latte an den Kopf und von da in die Maschen prallte. "Die Journalisten haben mich die ganze Woche nach diesem Tor vor einem halben Jahr gefragt", sagte Ismael, "das hat genervt. Jetzt ist es wieder gut."

          Ein Führungsspieler

          Ismael spricht besser Deutsch als Ailton (fünf Jahre in Bremen) und viel besser als Micoud (anderthalb Jahre in Bremen). "Bremen ist mein Arbeitgeber, ich lebe in Deutschland, da muß ich die Sprache können", sagt Ismael. Allofs hat den Ausleihvertrag gerade in einen regulären Kontrakt bis 2007 verwandelt. Der Abwehrchef ist ein Spieler mit großem Selbstbewußtsein, ein Profi, dem das Team am Herzen liegt: Keiner in der Mannschaft spricht so viel mit den anderen wie der 28 Jahre alte Franzose. Er baut auf, er kritisiert, er staucht zusammen, er ist von Minute eins an präsent. Und er versteht die hohe Schule der Einschüchterung. Ein Führungsspieler eben, einer, der Bremen lange gefehlt hat.

          Ismael hat in allen französischen Auswahlmannschaften bis auf das A-Team gespielt. Der ganz großen Laufbahn standen seine Hitzköpfigkeit und der manchmal übertriebene Drang zur Mitsprache im Weg: Bei Straßburg hatte er sich mit Trainer Ivan Hasek angelegt und war auf die Tribüne verbannt worden. In Bremen nimmt Thomas Schaaf gern den Rat seines Profis an (oder hört einfach mal weg).

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