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FC Bayern München : Bayerische Bodyguards für Gomez

  • -Aktualisiert am

Kritik an einem Leistungsträger: Nationalstürmer Mario Gomez (links) Bild: dpa

Nach der Kritik vom Präsidenten springen Trainer und Sportchef Angreifer Mario Gomez bei. Dieser muss sich wegen einer Sprunggelenksverletzung einer OP unterziehen – und droht mehrere Wochen auszufallen.

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          Es ist schon manchmal ein vergnügliches Schauspiel, die alten und neuen Granden des deutschen Rekordmeisters zu beobachten. Während Präsident Uli Hoeneß am Samstagabend schlechtgelaunt durch die Katakomben der Hamburger Arena lief und gar nichts sagen wollte, federte Sport-Vorstand Matthias Sammer rank und schlank zwischen Fernsehstudios und Presseleuten hin und her und löschte charmant den ersten Hausbrand der jungen Spielzeit.

          Das hatte auch Trainer Jupp Heynckes gewohnt rotgesichtig versucht - allerdings war ihm der Ärger über die hausgemachten Nebengeräusche deutlich anzumerken. „Die Sache mit Mario ist abgearbeitet, das ist kein Thema mehr“, behauptete Heynckes verschnupft und schob nach: „Ich kann dem Präsidenten nicht verbieten, etwas zu sagen.“ Heynckes versuchte noch, den Medien die Schuld für die Negativschlagzeilen drei Wochen vor dem Saisonstart unterzujubeln - doch das war ein durchsichtiges Manöver.

          Hoeneß hatte den Streit entfacht

          Schließlich hatte Hoeneß mit seiner Bewertung aus der Vorwoche den Streit selbst entfacht, als er meinte, Stürmer Gomez sei „gut, aber nicht sehr gut“. Mit einem sehr guten Gomez hätten die Bayern die Champions League gewonnen, folgerte Hoeneß bei einem Empfang eines Großsponsors in Ingolstadt.

          Schon lag die ganze Mario-Gomez-Themenpalette wieder vor: die Bayern-Unzufriedenheit mit ihm trotz seiner 41 Treffer in den Pflichtspielen der Serie 2011/2012, die Möglichkeit der Verpflichtung neuer, spielstärkerer Stürmer im Sommer 2013, die Edin Dzeko oder Robert Lewandowski heißen könnten.

          Gomez muss operiert werden

          Natürlich macht man den aktuell besten Angreifer mit solchen Worten nicht besonders glücklich. Zumal Gomez auch noch körperlich angeschlagen ist: Er muss operiert werden, weil bei ihm freie Gelenkkörper im rechten Sprunggelenk festgestellt wurden. Wie lange er ausfallen wird, ist ungewiss. Auf alle Fälle schritt am Rande des Hamburger Vorbereitungsturniers, das Werder Bremen am Ende mit 5:4-Toren im Elfmeterschießen gegen Meister Borussia Dortmund gewann, Sammer ein, der neue starke Mann.

          „Wir brauchen absolute Geschlossenheit“

          Unverblümt, wie es sein Vorgänger Christian Nerlinger nie getan hätte, sagte der 44 Jahre alte Sachse: „Der Präsident hat alle Rechte. Aber so richtig gut hat uns das nicht gefallen. Er ist eine Persönlichkeit, die diesen Verein geprägt hat, aber, wie er selbst sagt, wenn wir den Schritt von gut zu sehr gut gehen wollen, müssen wir das in allen Teilen des Vereins machen. Wir brauchen absolute Geschlossenheit.“ Auch Heynckes hatten Hoeneß’ Aussagen zu Gomez nicht gefallen. „Manchmal gilt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, sagte Heynckes, der sich nichts mehr wünscht als einen stabilen Betriebsfrieden, Ruhe und Zeit für die Arbeit.

          Dortmund hat schon wieder die Nase vorn

          Aber diese Wünsche sind bei den Bayern Utopien. Was alle Münchner besonders nerven muss, ist die Tatsache, dass alles in Beziehung zur Vorsaison gesetzt wird. Beim gut besuchten und stark besetzten Turnier im Rahmen der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Hamburger SV gewann am Samstag zunächst der deutsche Meister aus Dortmund 1:0 gegen den HSV; das Tor in der in zweimal 30 Minuten ausgespielten Partie gelang Jakub Blaszczykowski. Im zweiten „Halbfinale“ unterlagen die Bayern in Bestbesetzung den runderneuerten Bremern 4:6 nach Elfmeterschießen; Petersen und Füllkrug für Werder und der starke Zugang Shaqiri sowie Kroos hatten für die Bayern getroffen. Unterm Strich standen zwei Erkenntnisse: Borussia Dortmund hat schon wieder die Nase vorn, und Münchner Spieler haben ein Problem vom Elfmeterpunkt.

          Möchte seinen Top-Angreifer anspornen: Bayern-Präsident Uli Hoeneß Bilderstrecke

          Während die Sache mit den Strafstößen in einem bedeutungslosen Test natürlich nicht mit dem Drama von München gegen Chelsea verglichen werden kann (obwohl Schweinsteiger auch gegen Werder verschoss, zudem Ribéry), sahen die Bayern (sie gewannen am Sonntag 1:0 gegen den HSV) im Quervergleich mit dem Meister schlecht aus. Beim BVB hatte das Spiel schon wieder ordentlich Tempo - vor allem wegen Marco Reus, der andeutete, dass er den zu Manchester United abgewanderten Shinji Kagawa ersetzen kann.

          Ein müde wirkender Schweinsteiger

          Die Bayern spielten im zweiten Durchgang des Tests gegen Werder Bremen in ihrer Stammbesetzung; für den müde wirkenden Schweinsteiger war es der erste Einsatz nach der Europameisterschaft. Aufgeführt wurde das gewohnte Schauspiel: viel Ballbesitz, viel Kontrolle, aber wenig Überraschendes und Tempo. Am ehesten wurde es gefährlich, wenn Shaqiri am Ball war.

          Verminderte Verteidigungsfähigkeit

          Nicht auf die Abteilung Attacke, sondern auf die verminderte Verteidigungsfähigkeit des FC Bayern richtete Arjen Robben den Blick. „Ich finde, wir hatten eine gute Einstellung, wir sind auf einem guten Weg. Aber wir dürfen auch in so einem Spiel nicht zu viel wegschenken. Zwei Gegentore in 60 Minuten sind zu viel. Wir müssen zu null spielen. Denn vorne geht bei uns immer etwas.“ Da mochte man Robben nicht widersprechen. Werder kam mit Geschwindigkeit und Passgenauigkeit ein paar Mal viel zu leicht durchs Bayern-Mittelfeld.

          Dass die Münchner nach zwei titellosen Jahren auch bei der ersten Möglichkeit der Spielzeit 2012/2013 leer ausgingen, belustigte den breit grinsenden Robben eher: „Wir haben doch Pokale geholt in den letzten beiden Jahren: den Audi-Cup, den Solar-Cup und den Paulaner-Cup.“ Man sollte eben nicht immer alles so ernst nehmen, was beim FC Bayern erzählt wird.

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