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Bundesliga, 33. Spieltag : Schalke geht es um Punkte, Dortmund um Spaß

  • -Aktualisiert am

Wenn Dortmund kommt: Derby-Stimmung in der Arena AufSchalke Bild: dpa/dpaweb

Die meisten Entscheidungen sind gefallen, da tut das ewig brisante Revierderby Schalke gegen Dortmund dem Bundesligaspieltag gut. Vor allem, da Schalke siegen muß, um die Champions League zu erreichen.

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          Wenn die Mutter aller Derbys ihre Kinder ins Stadion ruft, treffen zwei Welten aufeinander, die geographisch nur vierzig Kilometer voneinander entfernt sind: Schalke und Dortmund. Die Fans und auch ein Teil der Medien gieren vor diesen Duellen nach dem besonderen, ja nach dem ultimativen Kick, nicht nur auf dem Rasen. Jedes dieser Revierderbys wird mit plakativen Superlativen angekündigt, als wäre es das brisanteste aller Zeiten.

          Die Protagonisten beider Parteien steuern dagegen, so gut sie können. Bert van Marwijk etwa, der Cheftrainer von Borussia Dortmund. Er bestreitet an diesem Samstag in der Schalke-Arena erst sein zweites Derby. Aber eines glaubt der Niederländer schon zu wissen. "Das Derby hat nichts mit der Tabelle zu tun." Damit will er vermutlich sagen, das vermeintliche Spiel des Jahres bezieht seinen Reiz weniger aus Zahlen als aus Gefühlen. Diesmal stimmt das nicht. Es hat lange keine Partie zwischen den Erzrivalen aus dem Fußball-Revier gegeben, die mit Blick auf die Tabelle so bedeutend war, zumal am vorletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga. "Am Samstag steht für uns nicht im Mittelpunkt, daß wir gegen Dortmund spielen, sondern daß wir in die Champions League einziehen können", sagt der Schalker Nationalstürmer Gerald Asamoah.

          Schalke braucht die Punkte dringend

          Aus Dortmunder Sicht mag die These des Borussentrainers noch haltbar sein. Der BVB hat einen Platz im UI-Cup sicher; die Chance, auf den sechsten Platz vorzurücken, ist bei vier Punkten Rückstand nur noch "rechnerisch" vorhanden. Die Dortmunder können den Spannungsbogen dieses Derbys also entspannt schlagen. Schalke indes schaut auf die Tabelle, und wie es scheint, wird den Gelsenkirchenern ein wenig bang dabei - obwohl sich die Koordinaten in dieser Saison zu ihren Gunsten verschoben haben. Die Königsblauen wollen den zweiten Platz verteidigen, um geradewegs in die Champions League einzuziehen. Für Schalke geht es um die nackten Punkte, für Dortmund um den Spaß. "Wir wollen unseren Fans ein Geschenk machen", sagt Roman Weidenfeller, der seit Wochen exzellent haltende Torhüter des BVB.

          Schalke-Trainer Rangnick: Nur ein Sieg führt in die Champions League

          Manchmal definiert sich Freude über Schadenfreude: Schalke vom zweiten Platz zu stoßen wäre den Borussen ein Vergnügen. Die Dortmunder kämpfen um Bonuspunkte für die Basis. Ein Erfolg über den Lieblingsfeind könnte bis in die neue Saison hineinwirken. Zum einen wirtschaftlich: Ein Sieg über Schalke könnte den Dauerkartenverkauf der Borussen zusätzlich beleben. Trotz einer mäßigen Saison liegen dem Klub schon dreitausend Anfragen von Interessenten vor, die bisher kein Abonnement hatten. Zum anderen psychologisch: "Wir wollen das Hoch mitnehmen in die Vorbereitung für das nächste Jahr", sagt BVB-Kapitän Christian Wörns. Der Verteidiger kickt seit sechs Jahren für Dortmund - und hat in dieser Zeit noch nie gegen Schalke gewonnen. "Das wurmt", sagt er, "in dieser Woche hat mich jeder Dahergelaufene darauf angesprochen." Die Fans werden allmählich ungeduldig, ihre Borussia hat seit fast sieben Jahren nicht mehr gegen Schalke gewonnen. Vor dem 125. Revierderby haben sie unter den Spielern Flugblätter verteilt mit der Aufforderung, besonders motiviert in diese Partie zu gehen. "Ich habe denen geantwortet, daß dieser Hinweis bei mir nicht nötig ist", sagt Mittelfeldspieler Florian Kringe.

          BVB: Neun Tage Extra-Urlaub für Platz 7

          Das Pendant zum sieglosen Wörns ist Gerald Asamoah. Er ist einer der dienstältesten Schalkeprofis und hat noch nie ein Bundesligaderby gegen den BVB verloren. "Vielleicht liegt es daran, daß die Dortmunder meist der große Favorit waren und wir nur Außenseiter." Die Gelsenkirchener konnten ihre Kräfte bündeln, um den Nachbarn zu ärgern. Als Außenseiter fühlen sie wohler, das hat diese Saison wieder gezeigt. Solange Schalke die Bayern verfolgt hat, war die Mannschaft gefährlich und die Meisterschaft spannend, kaum hatte Schalke (für eine Woche) die Tabellenspitze erklommen, begann eine Schwächeperiode, die inzwischen das Erreichen des zweiten Platzes gefährdet.

          Die Dortmunder haben andere Sorgen, etwa bei der Ferienplanung. Verbessern sie sich auf Platz sieben, bekommen sie "neun Tage Extra-Urlaub", wie Wörns ausgerechnet hat. Manchmal ist die Motivationshilfe ganz profan. Ob es um Urlaub geht, um Prämien oder um Persönliches: Beim Derby zwischen Schalke und Dortmund finden die Profis immer einen Grund, sich anzustrengen, nicht nur für die Fans. Der Dortmunder Brasilianer Dede und sein Schalker Landsmann Lincoln haben auf den Sieg ihres Vereins gewettet, ganz privat. Der Verlierer muß in der nächsten Saison ein Heimspiel des Rivalen besuchen. Noch so ein Grund zu gewinnen, auch ohne Flugblätter. Vielleicht aber wird die Muter aller deutschen Derbys ein ganz normales Fußballspiel. Es wäre nicht das erste Mal.

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