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Brexit und der Fußball : Müssen Özil und Co. die Premier League verlassen?

  • Aktualisiert am

Mesut Özil (Bild Mitte) spielt derzeit in England in der Premier League für Arsenal. Bild: dpa

Gary Lineker nennt den Brexit einen „verdammten Mist“. Der Ausstieg aus der EU hat auch Folgen für den Fußball und die englische Premier League. FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen.

          2 Min.

          Der flammendste Appell aus der Welt des Fußballs gegen einen Brexit kam von David Beckham. Die Sport- und Werbe-Ikone erinnerte an frühere europäische Teamkollegen wie Frankreichs Eric Cantona und beendete sein Plädoyer gegen den EU-Austritt Großbritanniens mit einem Wahlentschluss: „Remain“ (Bleiben). Es half nichts. Die Briten entschieden sich mehrheitlich für einen Ausstieg aus der EU. „Verdammter Mist! Was haben wir getan“, twitterte der ehemalige englische Fußball-Nationalspieler Gary Lineker.

          Das englische Nationalteam hält seine unpolitische Linie bei der EM dagegen bei und will sich nicht zum Brexit äußern. „Ich denke, dass keiner von uns genug darüber weiß, um es zu kommentieren“, sagte Stürmer Harry Kane am Freitag im EM-Quartier von Chantilly. „Ich weiß nicht genug darüber, um besorgt zu sein. Und ich denke, den anderen geht es genauso.“ Die Konzentration liege auf dem Turnier, betonte der Torschützenkönig der Premier League am Tag nach dem Referendum. „Ich bin aufgewacht und habe die Nachricht gesehen. Die Jungs reden darüber, aber wir sind nicht allzu fokussiert darauf. Wir versuchen, bei der EM weiterzukommen.“ Auch die Frage, ob nun weniger gute Spieler in die Premier League kommen werden, ließ der 22-Jährige unbeantwortet: „Niemand weiß, was wirklich passieren wird. Ich warte ab, was passiert.“

          Aber was sind nun die Folgen für den Fußball auf der Insel? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

          Können England, Wales, Nordirland und Schottland weiterhin an einer EM und Klubs aus den Ligen dieser Länder am Europapokal teilnehmen?

          Ja. Über die Chance zur Teilnahme an diesen Wettbewerben entscheidet allein die Mitgliedschaft in der Europäischen Fußball-Union.

          Welche Folgen hat der Brexit für die Premier League?

          Spieler mit einem Pass eines EU-Mitglieds dürfen bislang ohne Einschränkung für einen Klub aus dem Vereinigten Königreich arbeiten. Dies wäre nach aktuellen Bestimmungen durch den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht mehr der Fall. Die Spieler würden dann wie Akteure aus einem Nicht-EU-Staat behandelt, diese müssen bereits jetzt strikte Kriterien einhalten. Diese Regeln wurden vom Innenministerium unter anderem auf Drängen des englischen Verbands FA zum Schutz einheimischer Spieler aufgestellt.

          Welche Regeln sind das?

          Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis richtet sich derzeit für Spieler aus einem Nicht-EU-Land nach der Weltranglistenposition seines Herkunftslandes und seinen Länderspielen. So muss ein Spieler aus einer Nation unter den Top 10 der Welt 30 Prozent der möglichen Länderspiele der vergangenen zwei Jahre bestritten haben. Von einem Profi aus einem Land der Plätze 11 bis 20 sind 45 Prozent aller Einsätze für sein Nationalteam gefordert – und so weiter.

          Wie viele Spieler sind vom Brexit betroffen?

          In der vergangenen Saison hätte rund eine dreistellige Zahl an Spielern aus EU-Ländern allein in der Premier League keine Arbeitserlaubnis erhalten – der „Telegraph“ kommt auf 95. Die BBC rechnet mit gut 100, in den obersten beiden Ligen Englands und Schottlands seien insgesamt 332 Spieler betroffen.

          Fallen also auch die deutschen Legionäre unter diese Regel fallen?

          Mesut Özil und auch Bastian Schweinsteiger nicht, weil sie die Quote an notwendigen Länderspielen erfüllen. Andere deutsche Profis wie Emre Can oder Robert Huth würden hingegen keine neue Arbeitserlaubnis mehr bekommen, weil sie die Quote nicht erfüllen (siehe Liste am Ende dieses Artikels).

          Also muss sich die Premier League auf einen Schlag rund 100 neue Spieler suchen?

          Dies ist nach Ansicht von Experten eher unwahrscheinlich. Das Innenministerium könnte beispielsweise die Bestimmungen für die Erteilung von Arbeitserlaubnissen wieder senken. „Die Premier League ist einer der größten Exporteure der Vereinigten Königreichs und generiert eine signifikante Summe“, sagte Sportökonom Babatunde Buraimo von der Universität Liverpool dem „Telegraph“. Rechtsexperte Gregory Ioannidis von der Sheffield Universität rechnet zwar mit keinen Problemen für die Klubs, sieht aber Schwierigkeiten, Fußballprofis anders als normale Arbeitnehmer zu behandeln. Wie neue Regularien nun nach dem Brexit aussehen könnten und welche Folgen diese hätten, ist ebenfalls noch völlig unklar.

          Diese Spieler würden keine Arbeitserlaubnis erhalten:

          FC Arsenal:

          Francis Coquelin 
          Mathieu Flamini
          Mikel Arteta
          Hector Bellerin
          Nacho Monreal
          Tomas Rosicky
          Laurent Koscielny
          Serge Gnabry

          AFC Bournemouth:

          Artur Boruc
          Sylvain Distin
          Joshua King

          FC Burnley:

          Stephen Ward
          Rouwen Hennings

          FC Chelsea:

          Loic Remy
          Kurt Zouma
          Marco Amelia

          Crystal Palace:

          Brede Hangeland

          FC Everton:

          Gerard Deulofeu
          Joel Robles

          Hull City:

          Dusan Kuciak
          Brian Lenihan
          David Meyler

          Leicester City:

          N'Golo Kante
          Marcin Wasilewski
          Robert Huth

          FC Liverpool

          Emre Can
          Alberto Moreno
          Jose Enrique
          Adam Bogdan
          Simon Mignolet
          Dejan Lovren
          Mamadou Sakho
          Tiago Ilori
          Joao Carlos Teixeira

          Manchester City:

          Jesús Navas 
          Bacary Sagna
          Eliaquim Mangala
          Gaël Clichy

          Manchester United:

          Anthony Martial 
          Ander Herrera 
          Adnan Januzaj 
          David de Gea 
          Morgan Schneiderlin
          Timothy Fosu-Mensah

          Middlesbrough
          Dimi Konstantopoulos 
          Tomas Mejias
          Michael Agazzi
          Damia Abella 
          Daniel Sanchez Ayala
          Tomas Kalas 
          Enrique Sola

          FC Southampton:

          Juanmi
          Oriol Romeu
          Jose Fonte
          Virgil van Dijk 
          Maarten Stekelenburg
          Florin Gardos
          Jordy Clasie

          Stoke City:

          Bojan Krkic
          Joselu
          Erik Pieters 
          Marc Muniesa
          Philipp Wollscheid
          Jakob Haugaard
          Ibrahim Afellay
          Giannelli Imbula
          Dionatan Teixeira

          AFC Sunderland:

          Fabio Borini
          Ola Toivonen
          Yann M'Vila
          Patrick van Aanholt
          Younes Kaboul
          Vito Mannone
          Jan Kirchhoff 
          Jeremain Lens

          Swansea City:

          Bafétimbi Gomis
          Angel Rangel
          Jordi Amat
          Kristoffer Nordfeldt
          Leroy Fer
          Alberto Palosch

          Tottenham Hotspur:

          Kevin Wimmer
          Michel Vorm

          FC Watford:

          Mario Suarez
          Jose Manuel Jurado
          Obbi Oulare
          Jose Holebas
          Etienne Capoue
          Nathan Aké
          Steven Berghuis
          Joel Ekstrand 
          Costel Pantilimon

          West Ham United:

          Dimitri Payet
          Pedro Obiang
          Angelo Ogbonna
          Adrian

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