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Breno : Fußball als Therapie

  • -Aktualisiert am

Breno: Schwere Brandstiftung - drei Jahre und neun Monate Haft Bild: dapd

Brasiliens Nationaltrainer Scolari möchte dem derzeit inhaftierten Fußball-Profi Breno einen Neustart ermöglichen. Der Junge habe eine zweite Chance verdient.

          3 Min.

          Luiz Felipe Scolari will sich für den ehemaligen U-23-Nationalspieler Breno (23 Jahre) einsetzen. Der frühere Profi des FC Bayern sitzt derzeit wegen schwerer Brandstiftung eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten ab. Der Südamerikaner hatte im September 2011 seine Villa in München angezündet, die anschließend bis auf die Grundmauern niederbrannte.

          „Ich möchte gern die verantwortlichen Personen in Deutschland, die die Urteile fällen, bitten, ein bisschen darüber nachzudenken, ob der Junge, der diesen Fehler begangen hat, nicht eine zweite Chance verdient hat. Nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in seiner Heimat in Brasilien“, sagte Scolari in São Paulo.

          Der Weltmeister-Trainer von 2002 ist bereit, den Abwehrspieler bei einem möglichen Neuanfang in Brasilien tatkräftig zu unterstützen: „Vielleicht können wir helfen, die Situation, in der er sich aktuell befindet, zu einem schnelleren Ende zu führen.“ Scolari regt an, Breno wieder ins Berufsleben zu integrieren. „Wenn man ihn nach Brasilien zurückkehren lässt und der Fußball wieder zu seinem Lebensmittelpunkt wird, wäre das für ihn ein Neustart.“

          Scolari: „Die verantwortlichen Personen bitten, darüber nachzudenken, ob der Junge nicht eine zweite Chance verdient hat“
          Scolari: „Die verantwortlichen Personen bitten, darüber nachzudenken, ob der Junge nicht eine zweite Chance verdient hat“ : Bild: AFP

          Breno habe einen schweren Fehler begangen, so Scolari weiter. Aber je länger er im Gefängnis sitze, so schwieriger werde es für ihn, in seinem alten Beruf wieder Fuß zu fassen. „Manchmal begehen wir Fehler, und wenn wir dann nach Absitzen der Strafe zurückkommen, kann es zu spät sein. Wir wären sehr dankbar, wenn die zuständigen Personen in Deutschland unsere Bitte anhören, auch weil es eine Bitte ganz Brasiliens ist. Wir stünden sofort bereit, unseren Teil beizusteuern und Breno bei der Wiedereingliederung und einer Integration in ein normales Leben zu helfen. Ich weiß zwar noch nicht wie, aber er sollte eine Chance bekommen, in seine Heimat zurückzukehren, um noch einmal von vorn anfangen zu dürfen.“

          Unstimmigkeiten im Freigabestreit ausgeräumt

          Ein anderer Abwehrspieler des FC Bayern macht Scolari dagegen deutlich weniger Sorgen. „Dante ist heute einer der Spieler mit der höchsten Wertschätzung in der Seleção“, sagte Scolari über den Innenverteidiger nach dessen Auftreten beim Confed-Cup. Wie Luiz Gustavo habe er erst einmal einen festen Platz im Kader. „Wegen allem, was er auf dem Platz zeigt. Und auch als Persönlichkeit und Integrationsfigur in unserem Kader. Ich kenne seine Qualität.“

          Unterdessen erklärte Scolari mit Blick auf den Freigabestreit der beiden Bayern-Profis Luiz Gustavo und Dante vor dem Confed-Cup im Juni, dass die jüngsten Unstimmigkeiten mit Triple-Sieger Bayern München ausgeräumt seien. „Zwischen uns und den Bayern gibt es kein Problem mehr. Die Bayern geben die Spieler am vom Weltverband vorgegebenen Datum frei. Und wir geben die Spieler am festgelegten Datum wieder zurück. Jeder kommt so seinen Verpflichtungen nach. Das Problem haben weder wir noch die Bayern geschaffen. Es kam vom DFB, der das Pokalfinale auf ein Datum gelegt hat, an dem die Spieler schon in Brasilien sein mussten.“

          Der FC Bayern hatte das Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart ohne Gustavo und Dante bestreiten müssen, weil das brasilianische Duo bereits nach Brasilien reisen musste, um die Abstellungspflicht einzuhalten. Dort gewannen Gustavo als Stammspieler und Dante als Einwechselspieler mit den überzeugenden Gastgebern das Fifa-Turnier.

          Quartier in der Nähe von São Paulo

          Mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) hätte Scolari auch in anderer Gelegenheit gern gesprochen. „Wir haben die Verantwortlichen für die Organisation unserer Länderspiele mehrmals gebeten, im Vorfeld der WM ein Duell gegen Deutschland zu terminieren, was aber anscheinend nicht machbar ist.“ Im Gespräch war unter anderem der 14. August, doch weil die Partie nicht zustande kam, spielt Deutschland nun gegen Paraguay, und Brasilien ist in der Schweiz zu Gast. „Wichtig für uns ist es, unseren Leistungsstand gegen eine der großen Fußballnationen zu testen. Wir haben gegen Frankreich, zweimal gegen England, zweimal gegen Italien, gegen Spanien gespielt und dabei unseren Leistungsstand getestet.“

          Derweil scheint der DFB offenbar bei seiner Suche nach einem Quartier für die deutsche Nationalmannschaft während der WM 2014 in Brasilien ein gutes Stück weiter gekommen zu sein. Viel deutet darauf hin, dass der deutsche Tross in der Nähe von São Paulo sein Lager aufschlagen wird. Im Gespräch ist auch die Nutzung des Trainingsquartiers des Ituano FC im Bundesstaat São Paulo. Für den Standort spricht die zentrale Lage innerhalb Brasiliens und die beiden Flughäfen in der Nähe. Eine endgültige Entscheidung hat Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff aber noch nicht gefällt. Auch Salvador und Fortaleza gehören zu den Kandidaten.

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