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Bremens Altstar Pizarro : Ein Hang zur Verlängerung

  • -Aktualisiert am

Daumen hoch: Claudio Pizarro ist noch immer ein gefragter Mann beim SV Werder. Bild: dpa

Claudio Pizarro hat auch mit 40 Jahren noch nicht genug. Und die Bremer wissen seinen Wert zu schätzen. Kann der Oldie Bayerns Pokalschreck werden – und Werders Saison versüßen?

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          Die letzte große Chance, um ein Finale zu erreichen? Vorsicht mit solchen Prognosen. Wenn es nach Claudio Pizarro geht, soll im Sommer noch lange nicht Schluss sein. Insofern könnte er auch mit 41 Jahren noch in einem Pokal-Endspiel auflaufen, oder mit 42.

          Clever, wie er ist, umschifft Pizarro eine eindeutige Aussage: „Das muss ich mich auch noch fragen, das weiß ich nicht“, sagt der 40 Jahre alte Peruaner auf die Frage, wie es im Sommer mit ihm weitergehe. Dass Pizarro seinen Wert für Werder Bremen besitzt, bezweifelt niemand. Zu beobachten war das erst wieder vor zehn Tagen, als Werder sich gegen den SC Freiburg mühte. Pizarro kam in der 68. Minute für Yuya Osako, und der Bremer Angriff erhielt mehr Struktur und Richtung. Zwei Tore folgten, die Bremer gewannen noch 2:1. Trainer Florian Kohfeldt lobte den „jungen Peruaner“ für seine ordnende Hand. Weniger zu holen war am Samstag in München. Nach Veljkovics Platzverweis verlegte sich Kohfeldts Mannschaft auf das Verteidigen. Pizarro wurde in der 81. Minute für Nuri Sahin eingewechselt. Ausrichten konnte er wenig bei Werders seltenen Angriffsversuchen. Aber er bekam Applaus von beiden Seiten. Welchem Profi in der Bundesliga passiert das sonst noch?

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          Neun Jahre lief Pizarro für den FC Bayern auf, neun Jahre werden es für Werder am Ende der Saison sein. Eine Verlängerung scheint nicht ausgeschlossen. Denn in Bremen sind sie mehr als zufrieden mit ihrem Oldie, der seinen Platz als offensive Allzweckwaffe angenommen hat und einfach nur spielen will. Schon wenn er sich im Weserstadion warmläuft, jubeln die Fans. Einen solchen Sympathieträger kann man eigentlich gar nicht ziehen lassen, die entsprechende Fitness vorausgesetzt. Frank Baumann, der Bremer Geschäftsführer Sport, sagt: „Wir haben gesagt, dass wir uns im April zusammensetzen. Dann wird es aber vielleicht noch nicht direkt eine Entscheidung geben. Claudio hat Zeit, und wir haben Zeit. Im vergangenen Jahr hat er hier auch erst im Sommer unterschrieben.“

          Talent und Erfahrung und Selbstbewusstsein

          Damals schmunzelten viele: Was wollte Werder denn mit diesem Auslaufmodell? Doch Kohfeldt fand schnell Verwendung für Pizarro, brachte ihn im ersten Saisondrittel sogar manchmal ziemlich früh, wenn es offensiv nicht lief. Dabei sind es nicht nur seine fußballerischen Fähigkeiten, die Pizarro zu einem wertvollen Teil dieser Bremer Mannschaft machen. Seine Erfahrung aus vielen großen Spielen hilft, und auch sein Selbstbewusstsein.

          Wenn er über das zweite Duell mit den Bayern in fünf Tagen redet, schwingt da die alte Bolzer-Mentalität mit, der Glaube, es in einem solchen K.-o.-Spiel schaffen zu können, auch wenn andere die Favoriten sind. „Wir haben ein Bundesligaspiel verloren. Mittwoch ist eine andere Geschichte. Wir haben den Vorteil, dass wir zu Hause spielen. Wir glauben, dass wir das schaffen können“, sagt Pizarro. Auch die Dortmunder hat Werder schließlich rausgeschmissen, im Achtelfinale, dank zweier Pizarro-Tore. An diesem Mittwoch im Weserstadion wähnt sich Werder als ebenbürtiger Gegner, dem das 0:1 vom Samstag wenig anhaben kann.

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          Weil die Konkurrenz um Rang sechs so stark ist und Werder selbst ein hartes Restprogramm hat, hängt doch einiges von diesem Pokal-Halbfinale gegen die Bayern ab. Eine gute Saison soll ja mit dem Einzug ins Finale und am besten dem Erreichen der Europa League gekrönt werden. Misslingt das, wäre niemand böse. Doch dieser insgesamt schönen Saison mit starken Spielen fehlte dann die Belohnung.

          Vor 19 Jahren stand Pizarro schon einmal als Bremer Profi in einem großen Pokalspiel gegen die Bayern. Damals war es das Finale im Mai 2000. 0:3 unterlagen die Bremer, waren damals chancenlos gegen Bayern München. Doch danach hat sich Pizarro den Pokal gleich sechsmal gesichert: Fünfmal mit den Bayern, einmal, 2009, im Trikot des SV Werder. „Berlin ist immer etwas Besonderes“, sagt er.

          Immer noch lieber auf dem grünen Rasen

          Es ist angenehm, wie sich diese Bundesliga-Legende in den Werder-Kader eingefügt hat. Einige wie Johannes Eggestein, der derzeit verletzte Sturm-Kollege, könnten ja seine Söhne sein. Pizarro leitet aus den Superlativen seiner Karriere wenig ab. Er braucht keine Sonderbehandlung. Er drängt nicht auf Gespräche zur Vertragsverlängerung, was in seinem Alter auch reichlich absurd wäre.

          Pizarro konnte Fragen mit seinen charmanten Antworten immer schon gut ausweichen, die Fragesteller im Ungefähren lassen. Vielleicht reizt ihn ja die Rolle des Bayern-Botschafters, die ihm Karl-Heinz Rummenigge vor Ostern angeboten hatte. Andererseits wird Pizarro sicher das Spiel auf dem grünen Rasen vorziehen, solange es geht.

          Gerade erst wieder hat ihn ein anderer Bayern-Verantwortlicher gelobt, als tollen Fußballer und tollen Menschen. Niko Kovac, der Bayern-Trainer, sprach so über Pizarro. Beide gingen 2002 zum ersten Mal zu den Bayern. Beide als Spieler. Während Kovac längst auf den Chefposten an der Seitenlinie gewechselt ist, hat sich Pizarros Rolle nicht geändert. Er ist immer noch Spieler.

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