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Brasilien : Zwei Todesopfer bei Unglück in WM-Stadion

  • -Aktualisiert am

Zwölf Uhr Ortszeit: Ein Kran stürzt um, reißt das Stadiondach ein und zwei Bauarbeiter in den Tod Bild: AP

Ein umstürzender Kran reißt das Dach des WM-Stadions in São Paulo ein. Zwei Bauarbeiter sterben. In der Arena soll das WM-Eröffnungsspiel angepfiffen werden.

          Bei einem Unfall auf der Baustelle des Fußball-WM-Stadions in São Paulo sind am Mittwochmittag zwei Bauarbeiter ums Leben gekommen. Mindestens zwei weitere Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, teilte die Feuerwehr mit.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zu dem Unglück kam es, als ein vor dem Stadion aufgebauter Kran umstürzte, der das letzte, rund 500 Tonnen schwere Teilstück des Daches auf die Metallkonstruktion zu heben versuchte. Der Kran stürzte auf das zu großen Teilen schon fertiggestellte Dach des Stadions, das dabei erheblich beschädigt wurde. Dabei starben der 42 Jahre Kranführer und der 44 Jahre alte Fahrer eines Lastwagens, der von dem umstürzenden Kran zerdrückt wurde. Auch Teile der Tribüne und einer der schon montierten Großbildschirme wurden bei dem Teileinsturz des Daches beschädigt.

          Die Arbeiten auf der Baustelle müssen für mindestens zwei Tage unterbrochen werden. Gewerkschaftsvertreter forderten eine Einstellung der Arbeiten bis zur Klärung der Unglücksursache. Ein Bauarbeiter sagte dem Nachrichtenportal „G1“, es hätte „noch mehr Todesopfer geben können, wenn das Unglück nicht während der Mittagspause geschehen wäre“.

          In dem Stadion Corinthians Arena soll am 12. Juni 2014 das Eröffnungsspiel der Fußball-WM ausgetragen werden. Der Neubau des Stadions im Norden von São Paulo ist besonders umstritten, weil die Kosten für die Arena, die nach der WM von dem Erstligaklub Corinthians genutzt werden wird, zu einem großen Teil vom Steuerzahler getragen werden. Corinthians ist der mit Abstand reichste Klub im Lande, zu seinen bekanntesten Fans gehört der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.

          Die während der Planung und des Baus immer weiter gestiegenen Kosten für den Neubau des Stadions, das 69.000 Zuschauern Platz bieten soll, werden mit umgerechnet fast 275 Millionen Euro veranschlagt.

          Drama im WM-Stadion: Die Austragung des Eröffnungsspiels könnte beeinträchtigt sein

          Das fast fertiggestellte Stadion hätte am 31. Dezember dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) übergeben werden sollen. Für den 25.Januar, den 460. Jahrestag der Gründung der Stadt São Paulo, war ein Eröffnungsspiel zwischen Mitarbeitern des Vereins Corinthians und Bauarbeitern vorgesehen. In dem Stadion sollen neben der WM-Eröffnungspartie des Gastgebers Brasilien drei weitere Gruppenspiele, ein Achtel- sowie ein Halbfinale ausgetragen werden.

          Blatter twittert Beileid

          Fifa-Präsident Joseph Blatter zeigte sich in einer Stellungnahme bestürzt über das Unglück. „Ich bin zutiefst traurig über den tragischen Tod der Arbeiter an der Corinthians Arena. Unser herzliches Beileid gilt ihren Familien“, ließ Blatter über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilen. Auch Fifa-Generalsekretär Jerôme Valcke, der erst vor wenigen Wochen alle Stadionbaustellen in Brasilien inspiziert hatte, zeigte sich „extrem geschockt“. Die Sicherheit der Arbeiter sei „oberste Priorität für die Fifa, das Organisationskomitee und die brasilianische Regierung“, hieß es in einer von der Fifa veröffentlichten Mitteilung.

          Auch der Klub Corinthians beklagte den Tod der Bauarbeiter in einer Mitteilung zutiefst. Das brasilianische Großunternehmen Odebrecht, das als Konsortialführer die Verantwortung für den Stadionbau trägt, und die örtlichen Behörden kündigten an, die Ursachen des Unfalls würden genau untersucht.

          Weiter fünf Stadien sind in Verzug

          Für WM-Gastgeber Brasilien ist der Unfall auch ein weiterer Rückschlag bei dem Versuch, die Stadien fristgerecht fertigzustellen. Neben der Corinthians Arena sind weitere fünf WM-Stadien noch nicht fertig. Das Unglück in São Paulo ist das dritte mit Todesopfern bei Bauarbeiten von WM-Stadien. Im Juni 2012 war ein Arbeiter im Stadion der Hauptstadt Brasília gestorben, als er aus 30 Metern Höhe abstürzte. In der Amazônia-Arena in Manaus starb im März dieses Jahres ein weiterer Bauarbeiter, ebenfalls bei einem Absturz.

          Anfang dieser Woche hatte die Regierung abermals eine Steigerung der Bau- und Modernisierungskosten für die zwölf WM-Stadien um umgerechnet weitere 317 Millionen Euro bekanntgegeben. Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Neu- und Umbau der zwölf Stadien auf umgerechnet 2,53 Milliarden Euro.

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