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Brasilianische Spitznamen : Der mit den abstehenden Ohren

  • -Aktualisiert am

Dunga - Carlos Caetano Bledorn Verri Bild: AFP

Brasilianische Fußballer sind unter ihren Spitznamen bekannter als unter ihren tatsächlichen Namen. Dabei ist die Herkunft der Rufnamen unterschiedlich: mal sind es Künstlernamen wie „Zico“, mal Verkleinerungsformen wie „Ronaldinho“ - und manchmal auch Ausspracheprobleme wie bei „Kaka“

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          Deutsche Fußballprofis haben nicht erst seit „Poldi“ Spitznamen, aber in Brasilien ist alles anders. Auf dem Trikot hätte Willi Lippens ebenso wenig als „Ente“ firmiert wie Reinhard Libuda als „Stan“ oder Pierre Littbarski als „Litti“. Andreas Neuendorf, der als Bundesligaspieler für Hertha BSC Berlin seinen Künstlernamen „Zecke“ auf dem Trikot trug, ist die absolute Ausnahme. Brasilianische Fußballer hingegen sind oft unter ihren Spitznamen bekannter als unter ihren tatsächlichen Namen.

          Zum Beispiel Carlos Dunga, der Trainer der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft. Diese Kombination lässt schmunzeln, ist doch „Dunga“ nicht etwa der Nachname des früheren Spielers des VfB Stuttgart, sondern ein Spitzname, der auf Portugiesisch so viel bedeutet wie „der mit den abstehenden Ohren“. In Brasilien wird dem Spitznamen „Dunga“ daher kein Vorname vorangestellt. Der Namensgeber des Nationaltrainers ist der Zwerg Dunga, einer der sieben Zwerge aus dem Disney-Zeichentrickfilm nach dem Märchen Schneewittchen der Brüder Grimm. Tatsächlich heißt der Kapitän der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1994 Carlos Caetano Bledorn Verri.

          Mal Diminutiv, mal Augmentativ

          Dass Pelé (in Brasilien auch „Rei Pelé“ genannt, König Pelé) eigentlich Edson Arantes do Nascimento heißt, ist auch hierzulande vielen bekannt, aber mit den Namen Manuel dos Santos, Arthur Antunes Coimbra oder Marcos Evangelista de Moraes würden - außerhalb Brasiliens - vermutlich nicht viele spontan die Ausnahmefußballer Garrincha und Zico oder Rekordnationalspieler Cafú in Verbindung bringen.

          Dunga - Carlos Caetano Bledorn Verri Bilderstrecke
          Brasilianische Spitznamen : Der mit den abstehenden Ohren

          Brasilianer verkleinern Namen gern mit dem Diminutiv. Und so wird aus Marcelo dos Santos der bei Wolfsburg spielende Marcelinho, das Marcelchen also, Schalkes Marcio Rafael Ferreira de Souza wird zu Rafinha, Madrids Robson de Souza zu Robinho und die Superstars Ronaldo de Assis Moreira und Ronaldo Luís Nazário de Lima beide zu Ronaldinho.

          Aus „il giòvane“ wurde „Giovane“

          Um sie voneinander zu unterscheiden, nennen die Brasilianer Barcelonas Ronaldinho, der wie Dunga aus dem ganz im Süden gelegenen Bundesstaat Rio Grande do Sul stammt, aufgrund seiner Herkunft auch „Ronaldinho Gaúcho“, sein Namensvetter aus Rio hingegen ist in Brasilien „Ronaldo Fenômeno“ - das Phänomen.

          Auch den Augmentativ, die Vergrößerungsform, kann man im Namen brasilianischer Fußballer wiederfinden: Nationalspieler Ânderson Luís da Silva beispielsweise wird zu Luisão, was etwa „der große Luís“ bedeutet. Viele Spieler kennt die Fußballwelt einfach unter ihren Vornamen: Bremens Diego Ribas da Cunha etwa und Duisburgs Aílton Gonçalves da Silva, den langjährigen Leverkusener und Münchner Paulo Sérgio Silvestre do Nascimento und den erfolgreichsten ausländischen Torschützen in der Bundesligageschichte Élber de Souza, der seine Karriere in Europa mit 18 beim AC Milan begann und dort als „der junge Élber“ (il giòvane Élber) bezeichnet wurde, weshalb man ihn später auch in Deutschland oft „Giovane Élber“ nannte.

          Zum Beispiel: „Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira“

          Weltstar Romário de Souza Faria hat unter seinem Vornamen Karriere gemacht, ebenso wie der Mann mit dem vermutlich längsten Namen aller bisherigen Fußball-WM-Teilnehmer: der Kapitän der brasilianischen Mannschaft von 1982 und 1986 Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, der sich zu seiner aktiven Zeit als Profifußballspieler nicht nur politisch für den Übergang Brasiliens zur Demokratie engagierte, sondern auch ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin vorweisen konnte, weshalb er auch Dr. Sócrates genannt wurde.

          Nach seiner Karriere als Fußballprofi arbeitete er seiner Heimatstadt Ribeirão Preto als Kinderarzt. Weltmeister wurde Sócrates nicht, dafür aber sein jüngerer Bruder Raímundo Souza Vieira de Oliveira - bekannt unter seinem zu Raí verkürzten Vornamen.

          Manchmal sind es Ausspracheprobleme

          Einer Abwandlung ihrer Vornamen verdanken auch Bayerns Lúcio (eigentlich Lucimar da Silva Ferreira) und Zé Roberto (José Roberto da Silva Júnior), Stuttgarts Cacau und Milans Kaká ihre Spitznamen. Während die Verwandlung von José in „Zé“ in Brasilien allgemein üblich ist, gibt es für die Entstehung von „Cacau“ und „Kaká“ fast gleichlautende schöne Geschichten: Der jüngere Bruder von Ricardo Izecson dos Santos Leite konnte danach als Kleinkind „Ricardo“ nicht richtig aussprechen und nannte seinen älteren Bruder „Kaká“. Und Stuttgarts Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva soll als Kind Schwierigkeiten mit der Aussprache des eigenen Namens Claudemir gehabt und stattdessen „Cacaudemir“ gesagt haben.

          Luís Antônio Corrêa da Costa, Weltmeister von 1994, wiederum trug auf dem Trikot den Namen eines großen Deutschen: Müller. Und Schalkes Marcelo José Bordon macht es wie Brasiliens langjähriger Nationaltorwart Cláudio André Mergen Taffarel: Ganz wie die deutschen Kollegen läuft er unter seinem Nachnamen auf.

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