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Gladbachs Problem : Wo ist ein neuer Favre?

Schon bald ein Borusse? In Mönchengladbach deutet alles auf Dieter Hecking als neuem Trainer hin Bild: AFP

Nach der Entlassung von André Schubert vertraut sich Mönchengladbach Dieter Hecking an. Also dem Trainer, den dieselbe Berg-und-Tal-Fahrt, wie sie die Borussia derzeit erlebt, in Wolfsburg zuletzt den Job gekostet hat.

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          Die Entlassung von Trainer André Schubert, die von Borussia Mönchengladbach mit Beginn der Winterpause pflichtschuldigst vorgenommen und verkündet wurde, ist alles andere als eine Überraschung. Es ist nur der Vollzug einer längst vollzogenen inneren Trennung. Schubert hatte der Borussia, die jahrelang unter seinem Vorgänger Lucien Favre mit einem erfrischenden und schwer auszurechnenden Fußball die Liga bereicherte, in dieser Saison überhaupt keine neuen Impulse mehr vermitteln können.

          Man kann sogar sagen: Von der Borussia, die mit Taktik und Tempo selbst die Guardiola-Bayern vor unlösbare Rätsel stellte, ist im Winter 2016 nichts mehr übrig geblieben. Aus einer Mannschaft, die ein paar Jahre lang ganz viel Zukunft verhieß und in die Champions League stürmte, ist ein mut- und ideenloser Bundesliga-Mitläufer geworden, der sich als Vierzehnter schon besorgt nach den Abstiegsplätzen umdreht.

          Wieder auf sich selbst zurückgeworfen

          Der sportliche Aufschwung und das spielerische und taktische Vermögen, das Favre einst schuf und dem Klub hinterließ, sind in Mönchengladbach fast genauso schnell vergangen, wie sie gekommen waren. Während der Schweizer Trainer nun mit Nizza völlig überraschend die Tabelle der französischen Liga anführt, ist Gladbach wieder auf sich selbst zurückgeworfen.

          Sportdirektor Max Eberl hatte zu Beginn der vergangenen Saison schon lange gezögert, bis er dem damaligen U-23-Trainer Schubert die Nachfolge übertrug, obwohl Schubert aus dem Stand mit sechs Siegen einen Startrekord für neue Trainer in der Bundesliga aufgestellt hatte. Favre hatte zuvor nach fünf Niederlagen in den ersten fünf Spielen resigniert aufgegeben. In der Zurückhaltung Eberls schwang die Skepsis mit, ob der vormalige U-23-Trainer tatsächlich auch die vielfältigen Qualitäten mitbringt, eine Bundesligamannschaft dauerhaft in der Spitze halten zu können.

          Aber diese Herausforderung ist für einen Neuling nicht geringer als für einen erfahrenen Coach. Und zur Ironie des Bundesligageschäfts gehört es, dass sich die Borussia nun ausgerechnet Dieter Hecking anvertraut, den exakt dieselbe Berg-und-Tal-Fahrt beim VfL Wolfsburg vor wenigen Wochen den Job gekostet hat. Aus einem Pokalsieger und Meisterschaftszweiten wurde trotz Heckings Erfahrung und allen finanziellen Vorzügen eines Werksklubs ein Jahr später eine Mittelklassemannschaft – und in der aktuellen Saison eine der größten Enttäuschungen der Liga. Der Trainertausch macht deutlich, dass es in der Bundesliga zwar nicht an Toptalenten auf dem Platz mangelt, wohl aber auf der Trainerbank. Der Mangel ist seit Jahren bekannt, aber die Entwicklung von Trainertalenten ist für die meisten Klubs immer noch Neuland.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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