https://www.faz.net/-gtl-8vox7

Deutsches Duell im Europapokal : Ein Schalke-Gegner zur Unzeit

  • -Aktualisiert am

In der Bundesliga hatten Matija Nastasic (l.) und der FC Schalke gegen Gladbach das Nachsehen. Bild: dpa

Die bisherigen Erfolge in der Europa League haben schon mehrfach von schwierigen Bundesliga-Alltag abgelenkt. Vor dem Duell mit Gladbach ist den Schalkern nun aber ein wichtiges Gefühl verloren gegangen.

          2 Min.

          Die Europa League steht oft im Schatten der Champions League. Beim FC Schalke 04 jedoch erfreut sich der kleinere der beiden europäischen Vereinswettbewerbe in dieser Saison höchster Wertschätzung. Mit sechs Siegen aus acht Spielen vermochten die Gelsenkirchener trefflich von den vielen Schwierigkeiten abzulenken, die sich im Alltagsbetrieb Bundesliga vor ihnen auftürmen.

          Gern würden sie auch das Achtelfinale dazu nutzen, wieder einmal die angenehmen Seiten des Fußballs zu genießen. Zu dumm nur für Schalke, dass das Team gegen den Liga-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach antreten muss. „Ich glaube, es wird nicht allzu viele Menschen geben, die sich das vorher als Wunschlos ausgesucht hätten“, sagt der Schalker Sportvorstand Christian Heidel.

          Die beste Mannschaft der Rückrunde

          Dass die Gladbacher ungelegen kommen, hat mehrere Gründe. Als beste Bundesligamannschaft der Rückrunde gehen die Rheinländer voller Selbstvertrauen in die beiden Spiele an diesem (21.05 Uhr / live auf Sport 1, bei Sky und im Europa-League-Ticker auf FAZ.NET) und am darauffolgenden Donnerstag. Vor allem aber treffen die zuletzt formschwachen Gelsenkirchener just auf die Mannschaft, die ihnen vor wenigen Tagen in der Liga vor Augen geführt hat, dass die Mängel bei Schalke gravierender sind, als es die Spieler und ihre Vorgesetzten lange wahrhaben wollten. Beim 4:2 im Borussia-Park gewann nicht nur der Gladbacher Verteidiger Tony Jantschke den Eindruck, Schalke sei phasenweise „an die Wand gespielt“ worden.

          Von hochfliegenden internationalen Ambitionen mit Blick auf die nächste Saison haben die Königsblauen sich unter dem (Ein-)Druck der jüngsten Ergebnisse weitgehend verabschiedet. Zwar behauptete Markus Weinzierl, der Cheftrainer des Bundesliga-Dreizehnten, nach der Niederlage am Niederrhein immer noch, er habe „die Tabelle in beide Richtungen im Auge“. Heidel dagegen betrachtet die Lage aus einem anderen Blickwinkel. „Wir reden jetzt erst einmal davon, dass wir unten wegwollen“, sagt der Manager. „Das Wort Europa will ich jetzt nicht mehr hören. Ich will mich nicht lächerlich machen.“

          Die Europa League bietet nun die Chance, der heraufziehenden Krise emotional entgegenzuwirken, die in einen Abstiegskampf münden könnte. Aber die Stimmung scheint überlagert von den kleineren und größeren Enttäuschungen der jüngsten Zeit. Am Montag hatte das Training mit fünfzig Minuten Verspätung begonnen, weil Weinzierl so viel Zeit brauchte, um mit seinen Spielern die jüngsten Fehler und Versäumnisse aufzuarbeiten.

          Deutsches Duell : Schalke gegen Gladbach in der Europa League

          Seit Heidel und Weinzierl beim FC Schalke die Arbeit aufgenommen haben, ist weder ein Mentalitätswandel noch ein Zugewinn an sportlicher Struktur oder gar Stabilität zu beobachten. Noch herrscht weitgehend Ruhe. Allerdings besteht die Gefahr, dass daraus irgendwann die Ruhe vor dem Sturm wird. Insofern kommt der nächste Gegner wohl wirklich zur Unzeit. „Ein schweres Los, die Gladbacher sind stark“, sagt Weinzierl. „Wir spielen jetzt international gegen sie, aber es fühlt sich nicht so an.“ Das passt ins Bild. Beim FC Schalke fühlt sich vieles nicht so an, wie die Verantwortlichen es sich wünschen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Campus der Yale-Universität in New Haven/Connecticut (Archivbild aus dem Jahr 2009)

          Chinesische Studenten : Der Traum von Amerika verblasst

          Seit 40 Jahren pilgern chinesische Studenten an amerikanische Universitäten. Inzwischen bleiben viele lieber daheim. Andere tauschen sich in Selbsthilfegruppen aus.
          „Catcalling“: Sexistische Sprüche, die manchen Frauen auf der Straße zugerufen werden

          „Catcalling“ : Mach mich doch nicht an!

          Rufe, Pfiffe, dumme Sprüche: „Catcalling“, die verbale Belästigung auf offener Straße, ist für viele junge Frauen Teil ihres Alltags. Jetzt wehren sie sich.
          Prominenz ohne Abstand auf der Ehrentribüne des FC Bayern: unter anderem mit Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Präsident Herbert Hainer (rechts daneben)

          Aufregung um FC Bayern : Münchner Eigentor

          Dass die Funktionäre des selbstverliebten FC Bayern gegen das Hygienekonzept der Bundesliga verstoßen und sich so Millionen Menschen präsentieren, ist unfassbar naiv. Oder eine gezielte Provokation?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.