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Borussia im Finale : Die Dramatiker

Lass dich drücken: Lewandowski (l.) herzt Reus Bild: AFP

Bangen, hoffen, Daumen drücken: Die Champions-League-Partien des BVB in dieser Saison sind nichts für schwache Nerven. Nach dem Finaleinzug in Madrid lassen Spieler und Trainer alle Anspannung raus. Einziger Wermutstropfen ist die Verletzung von Mario Götze.

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          Man sitzt im normalen Leben ja selten neben einem leibhaftigen König, aber selbst auf diesem exquisiten Platz hielt es Hans-Joachim Watzke nicht mehr aus. Wie aus dem Nichts hatte die Zeit des Nägelkauens, der Schweißausbrüche und des Herzrasens begonnen, denn als alles fast schon aussichtslos schien, hatte sich Real Madrid doch noch aufgemacht, das 1:4 aus dem Halbfinalhinspiel in Dortmund wettzumachen.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Benzema hatte den späten Führungstreffer (83.) erzielt, dann legte Sergio Ramos (88.) das 2:0 nach und brachte das Finale der Champions League in London für die Spanier wieder in Sichtweite. Ein einziges Törchen hätte die Partie nun in die andere Richtung gekippt – nichts für schwache Nerven, nichts für den Dortmunder Geschäftsführer. Der Platz neben dem spanischen Monarchen Juan Carlos war plötzlich leer. „Ich habe es nicht mehr ausgehalten, habe mich in einer Toilette eingeschlossen und mir die Ohren zugehalten“, sagte Watzke.

          Der beste Torwart, der nie Nationalspieler wurde

          Nichts hören, nichts sehen wollen, nur noch bangen und Daumen drücken: Die Taktik ging auf, obwohl die Partie immer noch lief, als sich Watzke wieder aus seiner Deckung wagte. Dann ertönte der Schlusspfiff des englischen Schiedsrichters Howard Webb, und alle Dortmunder Träume waren wahr geworden: Die Borussia steht nach 1997, als Dortmund die Champions League sogar gewann, zum zweiten Male im Finale der Champions League und hatte ihren Geschäftsführer völlig geschafft. „Wir können nur dramatisch“, sagte Watzke in Abspielung auf das Viertelfinale, als sich seine Spieler gegen Malaga mit zwei Toren in der Nachspielzeit für das Halbfinale qualifiziert hatten.

          Dass es im Stadion Santiago Bernabeu am Ende noch so spannend zugehen würde, darauf hatte in der zweiten Halbzeit bis zu jener 82. Minute nichts hingedeutet. In der Anfangsphase des Spiels schien es, als würde der angekündigte Real-Orkan die Borussia tatsächlich aus dem Stadion fegen. Madrid erspielte sich in der ersten Viertelstunde eine Fülle an Torchancen und nutzte keine, weil entweder das Dortmunder Tor verfehlte wurde oder Roman Weidenfeller - der vielleicht beste deutsche Torwart, der nie Nationalspieler wurde – im Wege stand.

          Eine „außergewöhnliche, großartige Situation“ meint Jürgen Klopp
          Eine „außergewöhnliche, großartige Situation“ meint Jürgen Klopp : Bild: REUTERS

          Doch nach diesem stürmischen Beginn hatte sich die Borussia gefangen, die Partie in der Folge zunächst beruhigt, und dann in der zweiten Halbzeit dominiert. „Wenn wir da ein Tor machen, dann ist das Ding gegessen“, sagte der glückselige Dortmunder Trainer Jürgen Klopp. Aber sie hatten eben nicht zugeschnappt, als sich die Gelegenheiten boten: Lewandowski donnerte den Ball bei einem schulmäßigen Konter an die Lattenunterkante; Gündogan, perfekt von Reus freigespielt, scheiterte aus drei Metern an Torwart Lopez; und dann vergab Lewandowski auch seine zweite Großchance, wiederum nach sehenswerter Vorarbeit von Reus. Trotzdem schien der Borussia keine Gefahr mehr zu drohen – bis Benzema traf und plötzlich alles anders wurde. Wie ein angeschlagener Boxer wankte Dortmund nach diesem „lucky punch“bedrohlich, fiel aber nicht. „Das waren Minuten am Ende. Aber es gibt uns nur all-inclusiv, mit allem, was man sich so vorstellen kann“, sagte Klopp.

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