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Wirbel um Jadon Sancho : Das BVB-Juwel glänzt nicht mehr

Wie ausgewechselt: Jadon Sancho hat derzeit keine Freude am Spiel. Bild: EPA

Ohne Leichtigkeit, bisweilen lustlos: Jadon Sancho ist Borussia Dortmund derzeit keine Hilfe und könnte der Auslöser der Herbstkrise des BVB sein. Will der Engländer weg?

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Die vergangenen Tage im Leben von Gareth Southgate waren vollgestopft mit ziemlich vielen Terminen. Der 49 Jahre alte Trainer der englischen Nationalmannschaft musste die Qualifikation für die Europameisterschaft vollenden. Die Zeit für ein ausführliches Einzelgespräch hat er sich zwischen den Übungseinheiten, den Reisen, den Trainersitzungen und Pressekonferenzen aber trotzdem genommen: Jadon Sancho hatte um eine Audienz gebeten.

          Bundesliga

          25 Minuten lang unterhielten sich der Trainer und der 19 Jahre alte Profi von Borussia Dortmund „über so ziemlich alles“, berichtete Southgate anschließend; es gibt derzeit nämlich eine Menge Themen im Leben des jungen Stars. Die zuletzt eher schwache Form, seine immer wichtigere Rolle im Nationalteam, die Neigung zur Unzuverlässigkeit und natürlich den künftigen Arbeitgeber. „Wir haben gewissermaßen eine Fürsorgepflicht, ihm in seiner Entwicklung zu helfen“, sagte Southgate. Doch die stockt derzeit.

          Zwar stand Sancho beim 7:0 der Engländer gegen Montenegro auf dem Platz, zum siebten Tor lieferte er die Vorlage, aber wirklich glanzvoll spielten andere. Der folgende 4:0-Sieg im Kosovo beobachtete er dann 90 Minuten lang von der Bank aus, und in die Bundesliga kehrt Sancho an diesem Freitagabend beim Spiel gegen den SC Paderborn (20.30 im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei DAZN) von einem Tiefpunkt zurück.

          Erinnerungen an Dembélé und Aubameyang

          Als der BVB am vorigen Spieltag in München unterging, hatte Trainer Lucien Favre Sancho nach 36 lustlosen Minuten ausgewechselt. Die „Bild“-Zeitung heizte Spekulationen über die Motive für den Auftritt an, „Provoziert Sancho seinen Winter-Abflug?“ stand über einem Artikel. Aber auch das Schwänzen eines kompletten Trainingstages und die anschließende Suspendierung für ein Spiel gegen Borussia Mönchengladbach inklusive einer hohen Geldstrafe weckte Erinnerungen an Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang, die beide gestreikt hatten, bis sie wechseln durften.

          Für eine derartiges Vorgehen gebe es im aktuellen Fall jedoch „überhaupt keinen Hinweis“, behauptete Sportdirektor Michael Zorc gegenüber der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Insider berichten, dass es immer wieder solche Vorfälle gab, wenn der Vater Sean Sancho – wie in diesem Herbst – nicht vor Ort ist, um seinen Sohn im Alltag zu unterstützen. Dennoch ist davon auszugehen, dass es im Austausch des talentierten Fußballers mit Southgate auch um die Frage nach einem neuen Klub ging.

          Auch im Trikot der Engländer glänzten zuletzt andere Spieler

          Manchester United hatte bereits im Vorjahr Interesse an einem Kauf des Spielers in der Dortmunder Strobelallee bekundet. Damals beschlossen die Verantwortlichen beim BVB jedoch, Sancho frühestens im kommenden Sommer wechseln zu lassen. Der Vertrag läuft noch bis Sommer 2022, mit einem Marktwert von 100 Millionen Euro gehört Sancho zu den teuersten Spielern der Liga, ein Verkauf hätte also nicht nur für Sancho einen gewissen Reiz. „Wenn irgendwas kommt – oder vielleicht er kommt und sagt: ,Ich würde ganz gerne zu den und den Konditionen wechseln’, dann bespricht man das miteinander“, verkündete Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke jüngst in einem Fernsehinterview. Das ist eine recht eindeutige Aufforderung an alle Großklubs dieser Welt mitzubieten.

          Rund um die sowohl in Deutschland als auch in England ziemlich heiß gekochten Gerüchte über die Option, schon im Winter nach Manchester oder zu einem der angeblich ebenfalls Interessierten Vereine wie Real Madrid oder dem FC Liverpool zu wechseln, kursiert gar eine Ablösesumme von 140 Millionen Euro. Aber immer mehr Millionen werden die wachsende Dortmunder Sehnsucht nach Titeln kaum stillen, zumal der Klub gerade einen hoch dotierten Vertrag mit dem Ausrüster Puma abgeschlossen hat. Angeblich erhält Borussia Dortmund für die Ausweitung der bereits bestehenden Kooperation mit der Firma bis 2028 insgesamt 250 Millionen Euro, was eine Verdreifachung der bisherigen Zahlungen darstellen soll. Der Verein ist demnach nicht darauf angewiesen, den letzten Cent aus einem Sancho-Transfer herauszuholen.

          Das Klima im Kader hat sich verändert

          Am liebsten wollen sie die Saison mit Sancho in Topform zu Ende spielen und mit den Toren und Vorlagen ihres Juwels deutscher Meister werden. Selbst in dieser Saison sind ihm bereits drei Treffer gelungen, sechs weitere legte er auf, aber sieben dieser neun Scorerpunkte sammelte Sancho an den ersten vier Spieltagen. „Er hat lange eine Konstanz gehabt, die eigentlich unnatürlich war für einen Spieler in seinem Alter. Natürlich hat er gerade nicht seine beste Phase, aber er wird da wieder rauskommen“, sagte Zorc während der Länderspielpause.

          Es ist schwer zu sagen, ob Sanchos verlorene Leichtigkeit zu den Mitauslösern der Dortmunder Herbstkrise gehört. Aber wahrscheinlich hätte das Team schon ein paar Punkte mehr, wenn der Flügelspieler so großartig aufgelegt wäre, wie in der Hinrunde der Vorsaison. Gegenstand von Spekulationen ist aber auch, die Frage, ob Sancho sich in Dortmund nicht mehr so wohl fühlt wie in der Rauschphase vor einem Jahr.

          Durch die Sommertransfers hat sich das Klima im Kader verändert. Seine Zukunft sieht er ohnehin anderswo, und Sanchos großer Mentor Marco Reus ist aufgrund von Verletzungen längst nicht mehr so präsent als Vorbild, Antreiber und aufmunternde Instanz für den Teenager. „Ich höre wirklich darauf, was er mir sagt“, hat Sancho am Rande der Länderspiele in England erzählt. Mit Reus und Sancho stecken nun gleich zwei dieser „Unterschiedspieler“ in persönlichen Formkrisen. Womöglich ist das viel bedeutsamer für die unbefriedigende Tabellensituation als die Arbeit von Trainer Favre, die zuletzt ja immer wieder im Mittelpunkt der Kritik stand.

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