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3:4 in Liverpool : Klopp zerstört den Titel-Traum des BVB

Totale Resignation: Die BVB-Profis nach dem Schlusspfiff auf dem Weg zu ihren Fans. Bild: Reuters

Borussia Dortmund verglüht in der Hölle von Anfield: In Liverpool führt der BVB gegen das Team des früheren Trainers 2:0 und 3:1 – und scheidet am Ende doch noch auf dramatische Art und Weise aus der Europa League aus.

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          Eigentlich gibt es nichts Schöneres, als einen Mythos hautnah zu spüren. Die Atmosphäre an einem Ort aufzusaugen, von dem seit Fußballgenerationen eine besondere Magie ausgeht. Thomas Tuchel hatte vor dem Spiel beim FC Liverpool für seine Verhältnisse tief in seine Gefühlswelt blicken lassen und ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht, was ihm dieses Erlebnis im Stadion an der Anfield Road bedeute. Er freue sich „wahnsinnig“, sagte er.

          Was er zu sehen und zu spüren bekam, war ein Abend des Wahnsinns, wie man ihn nur ganz selten erlebt. Ein irrwitziges Spektakel, das mit Dortmunder Klasse begann und im Kontrollverlust endete. 2:0 und 3:1 führten die Borussen, was nach dem 1:1 im Hinspiel schon wie der sichere Einzug ins Halbfinale der Europa League wirkte. Am Ende verlor der BVB aber tatsächlich noch 3:4. Was für Tuchel und den BVB ein Desaster sondergleichen war, bedeutete für Jürgen Klopp und die „Reds“ das vollkommene Glück. „You`ll never walk alone“, schmetterte es von den Tribünen, so einen Abend hat auch dieser legendärer Ort noch nicht oft erlebt.

          Lange musste man auf die Klopp-Säge warten – beim 3:3 war es dann soweit. Bilderstrecke

          Zum Mythos Anfield gehörte auch, dass hier noch nie eine deutsche Mannschaft gewonnen oder auch nur mehr als ein Tor erzielt hatte, bei immerhin 17 Versuchen. Teil zwei hatte sich am Donnerstagabend nach nicht einmal zehn Minuten erledigt. Nach den Treffern von Henrich Mchitarjan (5. Minute) und Pierre-Emerick-Aubameyang (9.) führten die Borussen überwältigend schnell 2:0. Doch wer da schon gedacht hatte, die Verhältnisse seien geklärt, sah sich getäuscht. Schon im Rest der ersten Halbzeit ließen die Dortmunder – vielleicht auch im Bewusstsein, dass Liverpool nun nach dem 1:1 im Hinspiel mindestens drei Treffer brauchen würde, um noch weiterzukommen – zu viel des Guten zu. Da blieb es noch ungestraft.

          Doch die „Reds“ zeigten einen phänomenalen Spirit und auch viel Qualität und verwandelten die zweite Hälfte in ein Spektakel, das so schnell keiner vergessen wird. Als sie kurz nach der Pause durch Divock Origi den Anschlusstreffer erzielt hatten (48.), wussten die Borussen durch Marco Reus noch einmal eine Antwort (57.) – die endgültige war es aber noch lange nicht, weil Philippe Coutinho (66.) und Mamadou Sakho (78.) noch zum 3:3 ausglichen. In der Nachspielzeit brachte Dejan Lovren das Stadion mit dem Siegtor schier zum Bersten.

          Jenseits aller Aufregung um Klopp und dessen Dortmunder Vergangenheit war schon weit vor Anpfiff in Liverpool zu spüren, dass es eine besondere Partie war. Der BVB ist manchem Engländer ein Sehnsuchts-, vielleicht sogar ein Herzensklub geworden, seit die Borussen 2013 ins Londoner Champions-League-Finale stürmten. In Dortmund, so empfinden es viele auf der Insel, verbinden sich Tradition und Moderne, Leidenschaft und sportliche Exzellenz, auf das Allerbeste. Im Stadion dann bewiesen die Dortmunder Fans besonderes Gespür für den Moment.

          Vor dem Spiel zeigten sie eine Choreographie mit einer „96“ in Schwarz und Gelb, genauso wie sie auf der anderen Seite des Stadions, dem berühmten Kop in Rot und Weiß zu sehen war. Es die Zahl der Liverpooler Fans, die bei der Stadionkatastrophe von Hillsborough ums Leben kamen, die sich an diesem Freitag zum 27. Mal jährt. Es gibt kaum etwas, was die „Reds“ mehr bewegt, als jene erschütternde Zäsur in der Fußballgeschichte dieses Landes. Es gab niemanden, der es gewagt hätte, diese Schweigeminute zu stören.

          Das Umschalten auf Spielbetrieb gelang den Dortmundern dann rasend schnell. Vom Anpfiff weg wirkten sie hellwach und, anders als vor einer Woche in Dortmund, auch im Vollbesitz ihrer mentalen Stärke. Bei der Führung profitierten die Borussen aber von einem Missverständnis des Gegners. Coutinho und Moreno waren sich in der Richtung nicht einig und deshalb den Ball los. Die Dortmunder machten es über die rechte Seite ganz schnell, den ersten Versuch von Aubameyang konnte Torhüter Mignolet noch abwehren, beim Nachschuss von Mchitarjan war er aber machtlos. Es folgte eine Lektion in Effizienz: zweiter Angriff, zweites Tor. Reus war der Vorbereiter mit einem perfekt in die Tiefe gespielten Ball, Aubameyang vollendete. Nun tobte allein der schwarz-gelbe Fanblock. Doch wenn das schon das Gefühl des sicheren Erfolgs gewesen sein sollte, erwies es sich als voreilig. Aus nächster Nähe konnten die Dortmunder Fans sehen, wie ein Angriff nach dem anderen auf das Tor von Roman Weidenfeller zurollte. Zugreifen musste der Schlussmann dabei kaum, weil es den Liverpooler Versuchen an der nötigen Präzision mangelte. Entlastung gelang den Dortmundern nur noch ganz selten.

          Als kurz nach der Pause Origi traf, nach Vorarbeit von Emre Can, war die ganze Wucht dieses Stadions zu spüren. Zunächst sah es so aus, als könnten die Dortmunder kühlen Kopf bewahren. Das Zuspiel von Hummels, das zum 3:1 durch Reus führte, besaß überlegte Klasse. Doch danach brach der Wahnsinn über die Dortmunder herein - in Form der Tore von Coutinho und Sakho. Es schien aber als sollte es doch reichen. Bis Lovren traf. Ein Freistoß durch Gündogan war eine letzte Chance für den BVB, doch der Ball ging knapp vorbei. Das Spiel war zu Ende, die Liverpooler Partie ohne Grenzen konnte beginnen.

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