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Borussia Dortmund : Fünf Jahre BVB-Aktie: Geschichte eines Mißerfolgs

  • Aktualisiert am

Der BVB-Schal hilft nicht gegen den kalten Börsenwind Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der BVB wollte der reichste Fußballklub der Welt werden. Von diesem Traum ist fünf Jahr nach dem Börsengang nichts geblieben. Die Aktie verlor vier Fünftel an Wert, und der Verein konnte sich nur mühsam vor dem Konkurs retten.

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          Vom Pioniergeist vergangener Tage ist wenig geblieben. Knapp fünf Jahre nach dem ersten Börsengang eines deutschen Fußball-Unternehmens am 31. Oktober 2000 könnte die Ernüchterung bei Borussia Dortmund kaum größer sein. Was als ermutigendes Signal für potentielle Nachahmer gedacht war, hatte abschreckende Wirkung.

          „So lange es andere Möglichkeiten der Kapitalzufuhr gibt, werden die Bundesligisten in Zukunft diesen Schritt meiden“, prognostiziert Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

          Sorgenkind der Bundesliga

          Der mit viel Skepsis begleitete Schritt der Borussia verhalf nicht zum erhofften Höhenflug. Wie eine Karikatur wirkt aus heutiger Sicht das damalige Foto vom Aktien-Bullen vor der Frankfurter Börse mit BVB-Fanschal. Auch die Ankündigung des einstigen Geschäftsführers Gerd Niebaum zum Börsenstart offenbarte im Nachhinein eine verklärte Sicht der Dinge: „Die Zeit ist reif für den Börsengang. Der BVB ist nun einer der wohlhabendsten Sportvereine der Welt.“

          Auf dem Weg zum Sanierungsgespräch am 14. März 2005: Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke

          Die Wirklichkeit belehrte den Juristen eines Besseren: Nicht einmal den ersten Handelstag überstand der Ausgabekurs von 11 Euro schadlos. Inzwischen notiert das Papier bei knapp 2,30 Euro - einem Fünftel des Emissionspreises. Nicht nur deshalb ist der einstige Vorzeigeklub mittlerweile das größte Sorgenkind der Bundesliga. Aktuelle Verbindlichkeiten in Höhe von 89 Millionen Euro schränken den Bewegungsspielraum erheblich ein.

          Umstrittener Großaktionär Florian Homm

          Mehr noch als der Börsen-Crash in Folge des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001 geriet der Kurs durch die ruinöse Geschäftspolitik der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA ins Trudeln. Der verschwenderische Umgang mit den durch den Börsengang in die schon damals leere Vereinskasse gespülten 150 Millionen Euro machte aus dem BVB einen Sanierungsfall. Sündhaft teure Transfers sowie horrende Kosten für das ausgebaute Westfalenstadion brachten den inzwischen zurückgetretenen Niebaum in immer neue Erklärungsnöte.

          Der Kursverlauf der vergangenen Jahre dokumentiert den steten Verfall. Selbst der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2002 verhalf zu keinem signifikanten Aufwärtstrend. Längst war das Mißtrauen der Finanzwelt stärker als der Glaube an eine rosige sportliche Zukunft. Auch die in letzter Not im Oktober 2004 durchgeführte Kapitalerhöhung konnte Niebaum und seinen Mitstreiter Michael Meier nicht retten. Das finanzielle Engagement von Großaktionär Florian Homm, der diese Kapitalerhöhung quasi im Alleingang ermöglicht hatte, verlängerte deren Amtszeit nur für kurze Zeit.

          „Sportlicher Erfolg läßt sich nicht planen“

          Nur das Wohlwollen der Gläubiger verhinderte im März 2005 den Gang zum Konkursverwalter. In letzter Minute wendeten die Zeichner des Stadionfonds Molsiris am Düsseldorfer Flughafen die drohende Bruchlandung ab. Der tiefe Fall der Borussia kam für Finanzfachmann Heise nicht überraschend: „Es wurde immer nur vom Best-Case ausgegangen. Aber der für eine erfolgreiche Fußball-Aktie nötige sportliche Erfolg läßt sich nicht planen.“

          Die neue Unternehmensführung wird Jahre brauchen, um das Vertrauen zurückzugewinnen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat dem BVB einen knallharten Sanierungskurs verordnet. Das macht Sinn, birgt aber Risiken: Denn der Grad zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlicher Konkurrenzfähigkeit ist schmal. Mit dem Schritt seiner Vorgänger an die Börse konnte sich Watzke bis heute nicht anfreunden: „Die damit einhergehende Transparenz ist für einen Fußballklub nicht produktiv, das bremst in vielen Bereichen.“

          Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, daß der BVB trotz finanzieller Sachzwänge den Weg zurück in die Champions League findet, können sich die Anleger der ersten Stunde nur geringe Hoffnungen auf Rendite machen. Heise sagt: „Die Aktie kann sich erholen, wird den Emissionspreis aber auf lange Sicht nicht erreichen.“

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