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Borussia Dortmund : Die schillernde Ein-Mann-Show des Finanzjongleurs

  • Aktualisiert am

Börsenspekulant Homm siegt eine positive Zukunft für den BVB Bild: dpa/dpaweb

Großaktionär Florian Homm schwingt sich bei der Aktionärsversammlung zum Anwalt und Richter der Führung von Borussia Dortmund auf. Ob Niebaum und Meier bis 2006 in ihren Ämtern bleiben, erscheint ungewiß.

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          Die Stimmung unter den 2009 Aktionären in der großen Westfalenhalle war eindeutig und nahezu feindselig gegen die Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH und Co. KgaA gerichtet. Sie zielte ab auf die Nichtentlastung von Gerd Niebaum und Michael Meier und des Kontrollorgans Aufsichtsrat; sie war geladen mit knallharten Forderungen nach Rücktritt und Abdanken.

          Den auf dem Podium sitzenden Verantwortlichen des einzigen börsennotierten Klubs der Fußball-Bundesliga müssen die Ohren geklingelt haben, so heftig ging es am Dienstag mittag bei der Aktionärsversammlung unweit der sportlichen Heimat des sechsmaligen deutschen Meisters und ehemaligen Champions-League-Siegers zu.

          Homm predigt Hoffnung

          Zwei Tage nach der soeben mit einem dünnen Vertrauensvotum der Mitglieder überstandenen und vom Rücktritt Niebaums als Vereinspräsident gekennzeichneten Jahreshauptversammlung mutete die Nachfolgeveranstaltung eher wie ein Tribunal, manchmal sogar wie eine Vereinsversammlung alten Stils an. Dann aber trat Florian Homm, der neue Großaktionär des hochverschuldeten Unternehmens (rund 118 Millionen Euro) Borussia Dortmund, ans Mikrofon. Der umstrittene Hedge-Fonds-Manager machte sich zum kritischen Advokaten für die beiden Geschäftsführer, denen Homm eine zweite Chance gewähren will.

          Für Niebaum und Meier (r.) wurde die Hauptversammlung zum Tribunal

          Der auf Mallorca residierende Unternehmer, der 25,97 Prozent der bei einem Kurs von 2,50 Euro dahindümpelnden BVB-Aktien hält, trat auch deshalb als Wortführer der zuvor nicht erkennbaren Niebaum-Fraktion im Aktionärskreis auf, weil so sein Einfluß auf die Marke Borussia in Zukunft weiter wachsen wird. Der über zwei Meter lange, frühere Basketball-Juniorennationalspieler warf der Versammlung "Mobbing" gegen Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Borussia vor und behauptete zum ungläubigen Staunen der widerborstigen Kleinaktionäre: "Die Wende ist im Gange." Hatte nicht Niebaum selbst in seinem Geschäftsbericht gerade erst von einem "spektakulären Jahresfehlbetrag" in Höhe von 67,7 Millionen Euro gesprochen?

          Jeden Schritt der Geschäftsführung genau prüfen

          Nicht, daß Homm die Verantwortlichen für die desaströse Finanzlage des im Jahr 2000 an die Börse gegangenen und damit überforderten Unternehmens über Gebühr geschont hätte. Der Großaktionär nahm nach seiner Schelte ("hier wurde mit extremem Risko ohne Betrachten der einfachsten wirtschaftlichen Regeln") die Geschäftsführer aber lieber in die Pflicht, als ihnen die Entlassung anzudrohen. Froh darüber, nicht vor vier Jahren, sondern jetzt in der Hoffnung auf den "Turnaround" bei der Kapitalerhöhung vor ein paar Wochen Borussen-Aktien gezeichnet zu haben, malte der Unternehmer ein fortschrittsgläubiges Bild von diesem aktuell in allen möglichen sportlichen und wirtschaftlichen Kalamitäten steckenden Produkt Borussia Dortmund.

          "Wenn jemand die Ziele deutsche Meisterschaft und Champions League erreicht hat", rief Homm dem bei seiner Ansprache mucksmäuschenstillen Auditorium zu, "soll er doch bitte seine ganze Courage und jeden Tropfen Blut einsetzen, um die Wende zu schaffen." Gleichzeitig kündigte Homm in seinem schneidigen Vortrag an, jeden Schritt der Geschäftsführung in Zukunft genau auf dessen wirtschaftliche Verträglichkeit zu überprüfen.

          "Das Glas ist nicht halbleer, sondern halbvoll"

          Zu diesem Zweck werden demnächst zwei Homm-Gefolgsleute in den Aufsichtsrat der BVB-Kapitalgesellschaft einziehen: die als Sanierer bewährten Othmar von Diener, der als Unesco-Botschafter schon viel Gutes getan hat, und der schweizerische Unternehmer Ruedi Baer, der vor Jahren seinem schwächelnden Heimatklub Young Boys Bern wirtschaftlich und sportlich wieder auf die Beine geholfen hat. Wenn die Geschäftsführung das von ihr am vergangenen Freitag vorgestellte Konsolidierungsprogramm "Konter" mit jährlichen Einsparungen von 45 Millionen Euro in die Tat umgesetzt habe, prophezeit Homm dem Markenartikel Borussia Dortmund eine blühende Zukunft.

          Zumindest in seiner Rede schloß der Finanzspekulant, der nach eigenem Bekunden zum neuen Vereinspräsidenten Reinhard Rauball ein "offenes, gutes Verhältnis" unterhält, eine Rückkehr zum ursprünglichen Ausgabekurs der Aktie bei rund elf Euro nicht aus. Daran indes glaubte in der von Skepsis und Mißstimmung geprägten Versammlung am Dienstag kaum jemand. "Borussia Dortmund ist Kult und Blut, die Fans sind Kämpfer", rief das Vereinsmitglied Homm seiner Zuhörerschaft unerwartet emotional zu, "das Glas ist nicht halbleer, sondern halbvoll."

          Felsenfest ist sein Vertrauen zu Niebaum und Meier nicht

          Wer das Geld hat und für sich arbeiten lassen will, muß Optimismus predigen; die anderen, die sich um eine Hoffnung beraubt sahen, richteten lieber über die Vergangenheit einer Kapitalgesellschaft, deren Zukunft Niebaum und Meier mit einer viel zu riskanten Geschäftspolitik aufs Spiel gesetzt haben. Ob die beiden tatsächlich bis 2006, wenn ihre Geschäftsführerverträge auslaufen, in ihren Ämtern bleiben, erscheint auch nach der Aktionärsversammlung vom Dienstag ungewiß.

          Denn soviel schimmerte jederzeit durch Homms engagierte Rede: Felsenfest ist sein Vertrauen zu Niebaum und Meier nicht. Was bisher daran gefehlt hat, müssen sich die beiden nun knochenhart unter partiellem oder komplettem Verzicht auf ihre Gehälter erst erobern. Damit ist Borussia Dortmund auch an der Spitze ihrer Kapitalgesellschaft wieder zu einer Art Arbeiterverein geworden. Wenigstens das stimmte am Dienstag tröstlich.

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