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Borussia Dortmund : Der irrationale Faktor

  • -Aktualisiert am

Die Fans der Dortmunder halten Ausschau nach dem verlorenen Henkelpott Bild: dpa

Die Dortmunder spielten gegen Málaga fehlerhaft und bisweilen naiv. Mit dem späten Sieg rief die Borussia jedoch den irrationalen Faktor des Fußballs in Erinnerung. Den kennt und fürchtet nun jeder.

          In einer Woche, in der sich alles nur noch um Fußball in Perfektion zu drehen schien, brachte sich am Dienstagabend die andere Seite des Spiels mit Wucht in Erinnerung. Der Dortmunder Sieg gegen den FC Málaga führte vor Augen, wie betörend schön das Spiel auch in seiner ganzen Unvollkommenheit sein kann.

          Natürlich lag nach dem ersten Einzug in ein Champions-League-Halbfinale seit 15 Jahren die Interpretation nahe, die Dortmunder könnten nach einer mustergültigen Vorrunde nun endgültig auf einem höheren Niveau angekommen sein. So ganz anders, als noch in der vergangenen Saison, in der gute Auftritte meist in krachenden Niederlagen endeten. Die Dortmunder in ihrem zweiten Jahr in der Meisterklasse als gereiftes Ensemble, das seine ganze Klasse punktgenau ausspielen kann?

          Wer das Rückspiel gegen Málaga nicht gesehen hatte, konnte auf diesen Gedanken schon kommen. In Wahrheit aber war eher das Gegenteil der Fall. Die Art und Weise, wie sich die Dortmunder fast 90 Minuten lang gegen den Sechsten der Primera División plagten, deutete vielmehr auf Unreife, Unfertigkeit und vor allem mangelnde Erfahrung im Umgang mit Drucksituationen dieser Art hin.

          Die Spanier mit ihren im Verhältnis geringeren spielerischen Mitteln waren den Dortmundern zumindest in der Umsetzung ihrer Taktik so weit voraus, dass sich niemand hätte beschweren können, wenn sie anstelle der Borussia unter die vier besten Teams des Kontinents eingezogen wären.

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          Und doch geht von diesen Dortmundern nun mehr denn je eine ernste Bedrohung für den Rest von Europas Fußball-Elite aus. Wer ein solches Spiel noch auf eine solche Art und Weise dreht, der darf sich für den Rest des Weges von aller Last befreit fühlen. Natürlich wollen die Dortmunder jetzt auch die letzten Schritte machen, es sind ja nur noch zwei bis zum Finale von Wembley am 25. Mai.

          Das Gefühl, das dabei vorherrschen wird, ist aber eines von „alles kann - nichts muss“. Und wozu eine federleicht kombinierende Dortmunder Mannschaft in der Lage ist, hat sie auch in dieser Saison ohne nationale Titelehren eindrucksvoll gezeigt, gerade in der Champions League.

          Trainer Jürgen Klopp hat in Bezug auf diesen Wettbewerb oft genug davon gesprochen, dass man Widerstände überwinden muss, wenn man es weit bringen möchte. Eine Prüfung dieser Art hatte er sich dabei gewiss nicht vorgestellt. Aber gerade, weil sich an diesem unvergesslichen Abend so viel Spannung komprimierte und dann entlud, könnten diese vier Minuten Nachspielzeit nicht nur historischen Wert entfalten, sondern auch eine ganz handfeste Kraft für den laufenden Wettbewerb.

          Zumal Klopp sich nicht vom Resultat blenden ließ, sondern die Unzulänglichkeiten knallhart ansprach. Wer angesichts des fehlerhaften und bisweilen naiven Dortmunder Spiels zu dem Schluss kommt, diese Mannschaft sei an ihre Grenzen gestoßen, könnte sich am Ende täuschen. Die Dortmunder haben nicht nur den irrationalen Faktor des Fußballs in Erinnerung gerufen. Sie sind in diesem Wettbewerb der irrationale Faktor. Den nun jeder kennt. Und gewiss auch ein wenig fürchtet.

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