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3:1 beim VfB : Dortmunder Kreativität schlägt Stuttgarter Willen

Jubelnd in Reih und Glied: Die BVB-Spieler feiern mit ihren Fans den Einzug ins Halbfinale Bild: Reuters

Im Pokal-Viertelfinale muss sich BVB-Trainer Tuchel einiges einfallen lassen, um starke Stuttgarter zu bezwingen. Am Ende ist aber auch Kevin Großkreutz gegen seine alte Liebe machtlos.

          3 Min.

          Strömender Regen, ein völlig aufgeweichter Boden – das waren die passenden Begleitumstände für einen sehenswerten Pokalkampf, den Borussia Dortmund letztlich 3:1 beim VfB Stuttgart gewonnen hat. Der BVB zieht damit zum dritten Male nacheinander in ein Pokal-Halbfinale ein – und für den VfB endete eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage. Ihre letzte Partie hatten sie Ende November verloren – in Dortmund.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Thomas Tuchel hatte sich eine Menge einfallen lassen für diese schwere Pokalpartie in Stuttgart. Bei der Auslosung dieses Viertelfinales waren die Schwaben noch Tabellenletzter der Bundesliga gewesen, doch nach zuletzt vier Siegen unter dem neuen Cheftrainer Jürgen Kramny hat der VfB mittlerweile das Mittelfeld erreicht. Also wirbelte der Dortmunder Trainer, bekanntermaßen ein Freund der taktischen Lösung besonderer Aufgaben, sein Team gewaltig durcheinander.

          Dortmunder Torschützen unter sich: Reus und Aubameyang klatschen sich ab Bilderstrecke

          Piszczek oder Ginter auf der rechten Seite, vor allem aber Schmelzer oder Durm auf der linken Seite – so sieht es üblicherweise beim BVB aus. Diesmal nicht, alle vier waren mit von der Partie, dazu stürmte Reus in der Mitte, Aubameyang rückte auf den rechten Flügel und Gündogan gab den allgegenwärtigen Passgeber im Mittelfeld.

          Das reichte schon einmal fürs erste, um die bislang beste Mannschaft der Rückrunde zunächst ziemlich sicher in den Griff zu bekommen. Reus war gleich beim ersten gefährlichen Angriff nach einer Vorlage von Aubameyang aus kurzer Entfernung zur Stelle und ließ seinem ehemaligen Vereinskollegen Mitch Langerak nach fünf Minuten keine Chance. Für den lange verletzten Australier, im vergangenen Sommer von Dortmund nach Stuttgart gewechselt, war dieser Einsatz das erste Pflichtspiel bei den VfB-Profis – und die erste Partie auf der großen Bühne seit dem verlorenen Pokalfinale mit der Dortmunder Borussia gegen den VfL Wolfsburg. Und mit Kevin Großkreutz stand natürlich auch der zweite ehemalige Dortmunder in der VfB-Startformation.

          Ein paar tausend Zuschauer hatte diesen frühen Treffer allerdings verpasst. Was dabei die BVB-Fans betrifft, allerdings mit voller Absicht – ein paar tausend Anhänger protestierten so gegen die zu hohen Eintrittspreise. Die günstigste Karte hatte 19,50 Euro, der billigste Sitzplatz 38,50 Euro, allerdings lag ein Viertel der den Dortmunder Fans angebotenen Karten bei mehr als 70 Euro. Die Preispolitik hatte auch dazu geführt, dass dieses Viertelfinale nicht vor ausverkauften Rängen stattfand – die zunächst frei gebliebenen Plätze auf der Haupttribüne ließen sich aber wohl eher mit dem strömenden Regen und dem Verkehrschaos auf den Stuttgarter Straßen erklären.

          Erst nach 18 Minuten beendeten die Dortmunder Fans ihre Aktion und betraten das Stadion. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der BVB die Partie bestimmt – und kaum durfte er sich über die komplette Unterstützung seiner Anhängerschaft freuen, stand es 1:1. Auf dem durch den Dauerregen sehr schwer bespielbaren Platz war die Dortmunder Abwehr nach einem Eckball urplötzlich in Bedrängnis geraten – und Rupp (21.) nutzte die Situation zu einem Schuss, den Mchitarjan auch noch leicht, aber dadurch unhaltbar für BVB-Torwart Bürki abfälschte. Kurz danach machten zunächst wieder die Dortmunder Anhänger auf sich aufmerksam – sie warfen, warum auch immer, Tennisbälle auf den Rasen.

          Nach dem überraschenden Ausgleichstreffer war es wieder an Tuchel, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Reus und Aubameyang wechselten sich nun gelegentlich in der Spitze ab, und kurz nachdem Reus aus vielversprechender Position eine scharfe Hereingabe von Mchitarjan verpasst hatte, machte es sein Sturmpartner besser, als er in der Zentrale auftauchte. Reus hatte ihm den Ball in den Lauf gelegt, und der Gabuner (31.) traf zum 2:1-Pausenstand – damit hatte er auch im siebten Pokalspiel nacheinander mindestens einen Treffer erzielt.

          Doch der VfB ist nicht mehr der VfB, der er vor ein paar Wochen noch war – für Tuchel sind die Schwaben, wie er schon vor der Partie bekannte, gar ein Kandidat für einen Platz unter den besten sechs Mannschaften der Bundesliga. Nach der Pause kämpften sich die Stuttgarter, auch dank eines nun viel offensiveren Rechtsverteidigers Großkreutz, zurück in diese Partie, nutzten die Freiräume, die ihnen der BVB mitunter anbot – und hatten nach 65 Minuten trotzdem Glück, als Reus und Aubemeyang eine ziemliche Konfusion im VfB-Strafraum nicht ausnutzen konnten. Für Kramny offenbar das Signal, nun endgültig auf mehr Risiko zu setzen. Für den defensiven Mittelfeldspieler kam mit Martin Harnik ein weiterer Stürmer.

          Es entwickelte sich prompt ein sehenswerter Pokalfight, ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten – schön für die Zuschauer, aber eher ein Greuel für Trainer. Tuchel versuchte den Offensivdrang des VfB mit einem ehemaligen Stuttgarter einzubremsen. Moritz Leitner sollte das Mittelfeld stabilisieren, Reus (78.) machte für ihn Platz. Und Aubameyang wechselte auf die linke Seite, um Großkreutz zu binden. Aufregende Szenen in beiden Strafräumen verhinderte das alles nicht, doch in der 90. Minute war dann alles entschieden, als Aubameyang und Mchitarjan bei einem Konter alleine vor Langerak auftauchten, und der Armenier den Ball zum 3:1 ins leere Tor schieben durfte.

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